Ein Streitpunkt in vielen Partnerschaften: das liebe Geld Foto: RyanKing999/iStock/Thinkstock

Wie halten es Paare in einem gemeinsamen Haushalt mit Finanzen aus? Wie viele Konten gibt es, wer bezahlt was, und wo lauern die Minenfelder? Die Wiener Kommunikationsberaterin Andrea Baidinger wollte das genauer wissen. In ihrer repräsentativen Trendstudie schaute sie Paaren ins Börserl - und damit nach Psychologenmeinung mitten ins Herz. 

Zahlen, bitte 

Die Studienergebnisse zusammengefasst: Die Hälfte der Paare bevorzugt getrennte Bankkonten, immerhin 38 Prozent führen ein gemeinsames Konto. Den Unterhalt eines dritten Kontos für gemeinsame Kosten wie Miete oder Versicherung wählen nur neun Prozent aller Paare. Interessant: Vor zehn Jahren entschieden sich noch 20 Prozent für dieses Drittkonto. "Der Trend ist eindeutig", so die Kommunikationsberaterin. "Je jünger, desto eher eigene Bankkonten." Fast 80 Prozent der Paare unter 30 führen getrennte Konten. Diese Zahl sagt aber noch nichts darüber aus, wer in einer Beziehung über Anschaffungen entscheidet. 

Ich Tarzan, du Jane

Früher war das einfacher: Der Mann sagte, wo es finanziell lang geht. "Noch 2002 waren weniger als zehn Prozent der Frauen in die ultimative Entscheidung über den Kauf von Auto oder Wohnimmobilie eingebunden", verweist Andrea Baidinger auf eine gar nicht so weit zurückliegende Steinzeit. Heute sucht bei diesen Themen eine große Mehrheit der Paare den Konsens. 

Gib nicht so viel aus

Finanzielle Verabredungen lassen sich in nüchternen Zahlen relativ leicht ausdrücken. Im realen Beziehungsleben gehen ihnen oft ein langer, zäher Kampf voraus. "Eine goldene Regel in der Paar-Beratung lautet: Wenn ein Paar um Geld streitet, dann geht es in Wahrheit beinahe immer um Gefühle", ist sich der Berliner Therapeut Christian Thiel sicher. In seinem Bestseller "Was glückliche Paare richtig machen" (Campus Verlag) schreibt Thiel: "Streit um Geld ist immer ein ernster Warnhinweis für eine Beziehung: Das Verhältnis von Geben und Nehmen wird - zumindest von einem Partner - nicht als gerecht empfunden." Oft ist aber den beteiligten Akteuren gar nicht klar, was (nämlich mangelnde Zuwendung) wirklich hinter dem Konflikt steht. "Eine Frau, die das Gefühl hat, er gibt zu wenig von sich, von seinen Gefühlen, an Zuwendung und Unterstützung, wird schnell versuchen, einen Streit ums Geld vom Zaun zu brechen." 

Deins, meins und unseres 

Natürlich tickt jede Beziehung anders. Experten empfehlen Paaren mit Geldstreitigkeiten dennoch das (offenbar ungeliebte) Drittkonto nach dem Motto: Ein Konto für dich, eines für mich und ein gemeinsames. Neben Wohnungs- und Autokosten werden auch der Urlaub oder fixe Sparbeträge von diesem dritten Konto bezahlt. Das eigene Geld wird selbst verwaltet und ausgegeben. Wie viel und wofür - darüber darf der andere nicht lästern.