Abenteuer oder Liebe? Das ist hier die Frage Foto: carton_king/iStock/Thinkstock

Martin ist 40. Seit drei Jahren ist er Single. Er hat einige Beziehungen hinter sich, längere, aber auch kürzere. Woran es scheiterte? Entweder waren ihm die Frauen zu kompliziert oder zu langweilig. Die große Liebe? Nein, die war noch nicht dabei. Er will nicht mehr suchen, sich lieber finden lassen. Auf Parship zum Beispiel, auch bei eDarling ist er angemeldet, bei love.at flirtet er kostenlos. Auch Single-Urlaube, Speed-Dating und einen Flirt-Chat hat er schon probiert. Geht ganz schön ins Geld, die Partnersuche. Die Liebe ist eben nicht nur ein seltsames, sondern auch ein teures Spiel. 

Single-Mania 

Martin ist einer von mehr als einer Million Österreicher, die derzeit Single sind. Rund zwei Drittel sind auf der Suche nach einem neuen Partner. Die meisten davon verlassen sich nicht auf ihre Flirtkünste oder kreative Aufreißerschmähs, sondern auf das Internet. Das Geschäft mit den Kuppelseiten im Internet brummt wie nie zuvor. Aktuell loggen sich monatlich rund 700.000 Österreicher in Singlebörsen ein, plus weitere 250.000 - hauptsächlich Männer in Beziehungen - die auf der Suche nach einem Abenteuer sind. Im Vorjahr haben die Österreicher rund 15 Millionen Euro für Online-Portale ausgegeben, fünf Prozent mehr als noch im Jahr davor. Das liegt auch daran, dass viele Gratis-Seiten jetzt kostenpflichtig sind und das Vertrauen in die Anbieter gestiegen ist. Rund 30 bis 60 Euro kostet die Partnersuche pro Monat, samt Persönlichkeitsanalyse und Kompatibilitäts-Check. In der Fachsprache der Single-Börsianer heißt das "Matching Points". Bei 110 Punkten passt man angeblich "super" zusammen. Es kam aber schon vor, dass zwei mit nur 30 Punkten Übereinstimmung vor den Altar traten. Heißt also gar nichts. 

Flirten kostet 

Mehr als 85 Prozent des Umsatzes von Online-Partnerbörsen werden direkt durch die Mitgliedschaft eingenommen. Sie werden in der Regel zur Kasse gebeten, wenn sie mehr wollen als nur "schauen", also mit anderen Singles in Kontakt treten. Parship, eDarling und Elitepartner sind die Marktführer im deutschsprachigen Raum. Wer hier fündig werden will, muss sich zuerst durch den Persönlichkeitstest klicken. Rund eine halbe Stunde lang muss man Fragen wie "Schlafen Sie lieber bei offenem oder geschlossenem Fenster" beantworten. Dann wird ermittelt, wer zu einem passt. Caroline Erb, Psychologin bei Parship: "Der Persönlichkeitstest ist das Herzstück von Parship. Daran erkennen wir, wer zu wem passt. Die Erfolgsquote liegt bei 38 Prozent." 

Trend Aufreiß-App 

Dich Marktbeobachtungen zeigen, dass der Boom der Online-Dating-Portale bald vorbei sein wird. Henning Wiechers von der Plattform singleboersen-vergleich.de: "Am Markt hat sich seit zehn Jahren nichts verändert. Irgendwann wird es langweilig". Das spüren auch die Singles. Immer mehr sind unzufrieden, weil die Partnersuche zu wenig effizient ist. Auch die Bedürfnisse der Nutzer auf einer Plattform sind unterschiedlich - während die einen die Liebe fürs Leben suchen, wollen die anderen nur flirten oder ein sexuelles Abenteuer. Der Kunde muss sich durchwühlen. Ein neuer Trend ist jedoch schon gefunden. Das flexible, mobile, allzeit abrufbare Überall-Dating. Badoo.com ist eine der neuesten Möglichkeiten einen Partner oder nur einen Freund zu suchen. Auf der von einem Russen im Jahr 2006 gegründeten Plattform tummeln sich mittlerweile 135 Millionen Menschen weltweit, 500.000 davon im deutschsprachigen Raum. Eine Smartphone-App scannt die nähere Umgebung nach anderen Badoo-Nutzen und schlägt Mitglieder in der Nähe vor, die die gleichen Interesse haben. Unkompliziert lässt sich ein Chat starten und ein Date vereinbaren. 

Reality-Check 

Laut den Betreibern von Badoo würde jeder zweite virtuelle Flirt in einem Treffen in der echten Welt resultieren. Doch wenn alles gratis ist, woran verdient das Unternehmen? Im Gegensatz zu facebook schaltet der Dienst keine personalisierte Werbung, sondern verlangt Gebühren für Zusatzfunktionen. Eine davon ist besonders beliebt: Wer einen Euro zahlt, wird bei der Suche nach Personen etwa in Wien an vorderster Stelle gereiht und ist so für andere leichter auffindbar. 

Millionen Möglichkeiten 

Das Internet hat die Art des Kennenlernens grundlegend verändert. Bevor sich zwei Menschen treffen, wird oft wochenlang gechattet oder telefoniert. Die Erwartungshaltung steigert sich ins Unermessliche, ein Bild von einem Menschen wird geschaffen, das der Realität nicht standhalten kann. "Ich habe mir aufgrund von Mails einen Traummann erschaffen, den es so gar nicht gab. Als ich den Mann zum ersten Mal getroffen habe, seine Mimik und Gestik sag und seinen Dialekt hörte, war ich fürchterlich enttäuscht", berichtet Susanne über ihre Erfahrungen mit einem Online-Date. Verunsicher kann auch die Tatsache, dass plötzlich Hunderte Partnervorschläge auf einen einprasseln, man aber keine Ahnung hat, wer wirklich zu einem passt. Das Bauchgefühl, die ersten ausschlaggebenden Sekunden, ob man jemanden sympathisch findet oder nicht, fallen beim Cyber-Flirt weg. Die unendlich scheinenden Wahlmöglichkeiten verwirren uns. Viele Liebessuchende verfallen in eine Form der Unfähigkeit, sich für jemanden zu entscheiden. 

Klassische Anmache 

Für Kommunikations- und Flirttrainer Gregor Anzengruber ist die Internet-Partnersuche ein rotes Tuch. Er coacht in seinen Seminaren schüchterne Singles zum Aufreiß-Profi. "Ich halte wenig von den Singlebörsen im Netz. Das Internet schlägt mir nur einen Partner vor, irgendwann muss ich aber bei der Frau oder dem Mann persönlich punkten. Im Internet ist nur die Quote höher, jemanden kennenzulernen." Anzengrüber hält ein Plädoyer für den klassischen Aufriss: "Die Richtige kann ich auch beim Einkaufen im Hofer finden."