Foto: Luna Levay

Wann hast du zum letzten mal einen Blumenstrauß gepflückt? Wann hast du dir Zeit dafür genommen, dich hinzusetzen und ein Buch zu lesen? Wann hast du zum letzten Mal Seifenblasen gemacht? Ich wette, es ist schon längere Zeit her.

Wann hast du zum letzten Mal deine Mails gecheckt? Wann hast du zum letzten Mal nachgesehen, was dein Arbeitskollege gerade auf "Facebook" gepostet hat? Wann hast du zum letzten Mal auf "WhatsApp" geschrieben? Das ist sicher nicht länger als einen Tag her.

Merkst du, worauf ich hinaus will? Wir verbringen so viel Zeit im Netz, dass wir oft gar nicht mehr an unser echtes Leben denken. Ich nehme mich davon nicht aus. Manchmal sitze ich auch am Bahnsteig und warte auf einen Zug. Und was tue ich? Anstatt meine Zeit mit etwas Schönerem zu verbringen wie einen Text zu schreiben, ein Buch zu lesen oder einfach ein bisschen nachzudenken, schaue ich mir den letzten Post von irgendjemandem an, den ich nicht einmal kenne und lese die Kommentare darunter. Und schon wieder habe ich zehn Minuten meines Lebens verschwendet.

Deswegen habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, etwas dagegen zu unternehmen. Wie kann ich es möglichst umgehen, mein Handy herauszuholen, wenn mir langweilig ist? Ich habe zum Beispiel immer ein Buch griffbereit. Oder ein Notizheft, um Texte zu schreiben. Zudem nehme ich gerne einen Rubiks Cube oder einen Rastaball mit. Mit denen kann ich mir die Zeit, vielleicht nicht gerade sinnvoller, dafür aber in der echten Welt, vertreiben. Und davon profitiere ich auch. Ich fühle mich viel wohler, wenn ich mich mit etwas beschäftige, das greifbar ist und nicht nur auf einem Bildschirm existiert.

Gerne stehe ich auch herum und baue Luftschlösser oder träume vor mich hin (vielleicht mag ich deswegen die Musik von "Tagträumer" so gerne). Einige Leute, die mich kennen, würden mich als chaotisch beschreiben - und ja, das bin ich auch. Aber wie Nietzsche einst sagte: "Du musst Chaos in dir tragen um einen tanzenden Stern zu gebären". Also: Hoch lebe das Chaos! Denn das gibt es nur im echten Leben.

Es gibt so viele Dinge, die man nur erleben kann, wenn man sich auf das Hier und Jetzt konzentriert - und so unendlich viele, die man verpasst, wenn man es nicht tut.

In diesem Sinne: Hoffentlich konnte ich euch ein bisschen zum Nachdenken bewegen. Und hoch lebe das Leben!

 

Kunst, Musik, Schreiben und Reisen sind die großen Leidenschaften von Weekend-Bloggerin Luna Levay. Die aus Bregenz stammende Schülerin begeistert sich für Sport und sammelt Schallplatten. Für weekend.at schreibt sie über ihre Erlebnisse und Eindrücke - auf Reisen wie daheim.

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