Foto: Rafaela Khodai

Über ein Jahr ist vergangen, seit ich Österreich verlassen habe, um praktisch "open end" durch die Welt zu reisen – mit nichts als einem zugegebenermaßen recht schweren Koffer und meinem Laptop im Gepäck. Und ein dreiviertel Jahr ist vergangen, seit ich den ersten Blog-Post hier geschrieben habe – darüber, wie wohl ich mich in der vietnamesischen Stadt Da Nang gefühlt habe und warum ich trotzdem nicht darauf verzichten möchte, mich von liebgewonnenen Orten loszureißen. Viel hat sich seither verändert. Teilweise habe ich hier darüber berichtet, teilweise waren es kleine, kaum wahrnehmbare Veränderungen, die das große Ganze meines Lebens geformt und gewendet haben. Ich bin vorübergehend wieder sesshaft – mit allem, was dazugehört. Und das bringt neue Herausforderungen mit sich: Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich richtig endgültig weg von Österreich, bin ich langfristig von meiner Familie getrennt, fühlt sich nichts mehr vage an oder so, als würde ich jeden Moment ein Heimreise-Ticket kaufen und einfach da weitermachen können, wo ich in Wien aufgehört habe. 

Wie ich heute verreise

Und die größte bedeutendste Veränderung für eine Nomadin im Grunde ihres Herzens wie mich: Die Art, wie ich jetzt reise. Wenn ich meinen Koffer packe, dann stopfe ich nicht mehr mit dezenter Gewalt alles hinein, was ich besitze und lasse nicht mehr zurück, was ich loswerden möchte. Ich öffne plötzlich wieder meinen Kleiderschrank und wähle aus, welche Kleidung für die nächste Reise passt. Statt schwer an meinem Koffer mit allem Hab und Gut zu schleppen, miete ich gemeinsam mit meinem Freund ein Auto, um ein Wochenende in der nächsten Weinregion zu verbringen. Meine Jeansshorts tausche ich gegen schicke Sommerkleider, die ausgelatschten Sneakers gegen High Heels. Statt stundenlang durch staubige asiatische Großstädte zu wandern, gehe ich morgens laufen – in richtigen Laufschuhen, die ich nur zum Laufen anziehe. Undenkbar noch vor wenigen Monaten!

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Foto: Rafaela Khodai

Aber die allergrößte aufregendste Reiseveränderung: Der Trip, den ich für meinen Geburtstag geplant habe. Zehn Tage in einem schicken Ressort in Thailand mit Pool, westlichem Frühstück und Cocktailabend! Kann es einen größeren Kontrast zu Beginn meines Nomadenlebens geben, als ich – ebenfalls in Thailand – in einer winzigen Hütte im Dschungel gehaust, Cents gezählt und voller Unsicherheit und ebenso überwiegender Vorfreude davon geträumt habe, was das nächste Jahr wohl bringen wird?

 

Weekend-Bloggerin Rafaela Khodai ist als freie Journalistin und Autorin tätig. Ihre große Leidenschaft ist das Schreiben, ihre Lieblingsdestination Südostasien. Ihre Reise-Eindrücke und -Erlebnisse hält sie in ihren Beiträgen fest.

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