Foto: Rafaela Khodai

"Mama, schau, wie schön, die Berge!" - "Wahnsinn, wieso waren wir denn nie in der Weinregion hier?" - "Bleib' stehen, ich muss unbedingt ein Foto von diesem Baum machen!" Klingt nach Touristen-Gebrabbel? Und zwar von jenen Exemplaren, die noch nicht allzu viel gereist sind? Vielleicht. Aber tatsächlich sind all diese Sätze und noch ganz viele andere in einer ähnlichen Tonlage aus meinem Mund gekommen – und zwar, als ich über die Weihnachtsfeiertage in Österreich war. Ich, die ihr ganzes Leben in Österreich verbracht hat, die die Berge langweilig fand, Altstädte uninteressant und Weihnachtsmärkte und Glühweintrinken für picksüßen Kitsch hielt, die sich noch direkt vor der Abreise über die Winterkälte und Langeweile, die im fadesten Land der Welt auf mich warten würden, beschwert hatte – ich reiste quasi mit der rosaroten Touristenbrille durch Österreich.

DSC00318 (Medium).JPG
Foto: Rafaela Khodai

Überraschung: Heimaturlaub = Happiness

Als ich meinen Heimflug von Australien nach Österreich gebucht habe, hatte ich vor allem drei Dinge im Sinne: Die Weihnachtsfeiertage mit meiner Familie verbringen, meinen Reisepass erneuern (jap, ich habe ihn vollbekommen – kein Platz mehr für neue Visa) und im europäischen Winter nicht erfrieren. Dementsprechend in Grenzen hielt sich meine Vorfreude. Und was bekam ich? Drei wunderschöne Wochen, umgeben von meinen Lieblingsmenschen, die besten Aktivitäten, die Österreich zu bieten hat – und das Gefühl, dass mein Heimatland vielleicht doch nicht so schlecht ist ...

DSC00280 (Medium)_1.jpg
Foto: Rafaela Khodai

Vielmehr waren es meine fehlende Kreativität und – zugegebenermaßen – dieses Gefühl von "das kenne ich ja eh alles schon", die Schuld an der chronischen Langeweile vor meinem Nomadenleben hatten. Es war tatsächlich nötig, ein knappes Jahr auf der anderen Seite der Welt zu verbringen, um auf die Idee zu kommen, eine Weinverkostung in meinem Heimatland zu machen. Es brauchte neun Monate Tropenhitze, damit ich mich im österreichischen Schnee auf meine Ski stelle. Unzählige Schritte durch dreckige asiatische Metropolen waren nötig, um den Charme der Grazer Altstadt zu erkennen. Und: Ich musste die Vorweihnachtszeit in der australischen Sommerhitze verbringen, um den Geschmack von heißem Glühwein an einem kalten Winterabend wirklich schätzen zu können.

Und auch wenn ich definitiv nicht vorhabe, mein Heimatland bald wieder zum Lebensmittelpunkt zu machen, freue ich mich tatsächlich schon auf den nächsten "Urlaub" vom Nomadensein auf vertrautem Terrain!

 

Weekend-Bloggerin Rafaela Khodai ist als freie Journalistin und Autorin tätig. Ihre große Leidenschaft ist das Schreiben, ihre Lieblingsdestination Südostasien. Ihre Reise-Eindrücke und -Erlebnisse hält sie in ihren Beiträgen fest.

Alle Blog-Beiträge von Rafaela Khodai

Kommentare 0