Sie sind in uns: animalische Triebe Foto: Vagengeym_Elena/iStock/Getty Images Plus/Getty Images

Wie viel Tier steckt in uns? Würde man Biologen fragen, wäre die Antwort wohl klar: 100 Prozent. 650 Millionen Jahre hat unser Gehirn von der Seeanemone zur Hochleistungsmaschine gebraucht. In dieser Zeit haben wir lediglich ein paar Evolutionsstufen mehr durchlaufen als unser tierischer Mitbewerb. In manchen Punkten sind wir unseren Vorfahren und vierbeinigen Verwandten aber heute noch um einiges näher, als uns das manchmal lieb ist.

Highspeed-Evolution

Um zu sehen wie nah, braucht man lediglich einen Blick auf ein Ultraschallbild zu werfen. In den Frühstadien lassen sich menschliche von tierischen Föten kaum unterscheiden. Menschliche Embryonen durchlaufen die Evolution quasi im Schnelldurchlauf: Schwimmhäute inklusive. Normalerweise bilden sich diese vor der Geburt wieder zurück. Bei immerhin 7 Prozent der Bevölkerung ist unsere amphibische Herkunft aber auch im Erwachsenenalter sichtbar: Sie werden heute noch mit Schwimmhäuten zwischen Fingern und Zehen geboren.

Zum Greifen

Wissenschaftler konnten nachweisen, dass sich der Greifreflex bei Babys bereits um die 32. Schwangerschaftswoche im Mutterleib entwickelt. Das ist jener Zeitpunkt, zu dem Bonoboweibchen ihren Nachwuchs gebären. Für unsere auf Bäumen lebenden Verwandten ist das Festklammern an Mamas Fell überlebensnotwendig. Für Menschenkinder erfüllt der Reflex keine Funktion mehr.

Klicks sind Gold

Aber nicht alles, was uns Mutter Natur als Erbe mit auf die Reise gegeben hat, ist lediglich unnötig oder lästig. Unser Hunger- und Stressmanagement etwa können in unserem modernen Alltag eine ganz schöne Bürde sein.

1. Hunger

Warum ist es nur so schwer, Süßem zu widerstehen? Schuld ist die Evolution, genauer gesagt das Belohnungszentrum in unserem Gehirn. Jahrtausendelang Mangelware, hat unser Gehirn gelernt, uns für die Zufuhr der wertvollen Energiebombe mit dem Glückshormon Dopamin zu überschütten – auch wenn unser größeres Problem heut­zutage Diabetes und Übergewicht ist.

2. Imponiergehabe

Wer glaubt, dass nur Pfaue balzen, der irrt! Das menschliche Imponiergehabe mag zwar mitunter dezenter verlaufen, ist aber nicht weniger eindrucksvoll. In einem Experiment fand man Erstaunliches heraus: Nahm eine attraktive junge Frau die Verkabelung und Durchführung der "Tests" vor, entwickelten die teilnehmenden Männer eine massiv höhere Schmerzresistenz. Die Botschaft dahinter: Ich bin jung, stark und kann dich beschützen!

3. Partnerwahl

Egal wie gleichberechtigt und modern unsere Gesellschaft ist: In puncto Partnerwahl hat sich das noch nicht bis zu unserem Unterbewusstsein durchgesprochen. Bis heute finden Männer junge Frauen mit breitem Becken, glatter Haut und langen Haaren deutlich anziehender. Der Grund: Sie signalisieren eine höhere Gebährfähigkeit – und auch der weibliche Eisprung zeichnet sich im Gesicht ab. Umgekehrt locken bei Männern noch immer ein dicker Gehaltsscheck, Machtposition und imposantes Muskelspiel die meisten Weibchen an. Das Bild vom Beschützer und Versorger hat sich evolutionär eingebrannt.

4. Körper

Früher unser Schwanzansatz, hat unser Steißbein heute keine Funktion mehr. So wie unser drittes Augenlid, das Nicklid, hat es sich zurückgebildet und ist obsolet geworden. Auch körperliche Reaktionen wie Schluckauf sind Relikte aus unserer Amphibienzeit. Er ensteht, wenn der Kehldeckel reflexartig den Eingang zur Luftröhre verschließt. Im Mutterleib und bei Kaulquappen verhindert das "Hicks" das Eindringen von Wasser in die Lunge. Der Haaraufrichtemuskel ist ein kleiner Muskel unter der Haut. Als wir noch Fell hatten, half er uns dabei, Wärme zu speichern oder uns wortwörtlich aufzuplustern. Heute sorgt er bei Kälte oder Angst lediglich für Gänsehaut.

5. Flucht oder Kampf

Unser biologisches Stresssystem ist ein evolutionäres Überbleibsel. Ausgelegt für Situationen, in denen es unmittelbar um Leben und Tod geht, ist es unfähig zwischen einem Konflikt mit dem Chef, einer Prüfungssituation und dem Angriff eines Raubtiers zu unterscheiden. Geraten wir in eine Drucksituation, schüttet unser Körper Adrenalin aus. Muskelspannung, Puls- und Atemfrequenz werden erhöht. Ab jetzt kennen wir nur noch zwei Handlungsmuster: Flucht oder Kampf.

6. Angst vor Spinnen

Die Arachnophobie (Angst vor Spinnen) ist eine der am weitesten verbreiteten Phobien. Evolutionsbiologen gehen davon aus, dass unsere Vorfahren mit gefährlichen Spinnen zu tun hatten. Die Vorsicht wurde so über Generationen vererbt. Was die These stützt: Auch Menschen, die angeben, keine Scheu vor Spinnen zu haben, zeigen im Gehirnscan die gleichen Angstreaktionen auf die achtbeinigen Krabbeltiere wie Phobiker.

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