Richtig gelagert hält Whisky locker mehrere Jahrzehnte Foto: MOLPIX/iStock/Thinkstock

Jeder weiß, dass er nur ein paar Tage hat, um die leckeren Himbeeren, die in der Küche stehen, zu verzehren und damit einem ein zu altes Ei keine Salmonellen beschert, steht auf jedem einzelnen ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Meistens liegt die Haltbarkeit der Lebensmittel sogar darüber, einen verfallenen Joghurt kann man meist ohne Probleme essen. Doch wie sieht es eigentlich bei Wein und Bier aus? Können Spirituosen überhaupt verfallen?

1. Bier

Jeder, der schon einmal eine Bierflasche genauer inspiziert hat, wird entdeckt haben, dass am Etikett ein kleines Mindesthaltbarkeitsdatum aufgedruckt ist. Wer eine Palette Bier kauft, sollte sich also im Klaren sein, dass er nicht unbegrenzt Zeit hat, sie auszutrinken. Doch wieso steht bei Bier ein MHD drauf, bei der teuren Rotweinflasche sucht man hingegen vergeblich danach? Ab einem Alkoholgehalt von zehn Prozent müssen Spirituosen mit keinem MHD-Datum mehr versehen werden, da der Alkoholgehalt verhindert, dass sich gefährliche Keime vermehren. Das heißt aber dennoch nicht, dass ein Jahrzehnte gelagerter Wein auch noch gut schmeckt! Wie lange kann man sich aber noch guten Gewissens die Kiste Bier, die von der letzten Fußball-WM übrig blieb, schmecken lassen? Auch wenn einem gesundheitlich nicht allzu viel passieren wird, kann das Aroma des Hopfens bereits einige Monate nach Verstreichen des Verfallsdatums leiden. Es kommt jedoch auch auf die Biersorte an: Bockbiere halten länger und werden für die geschmackliche Reife sogar extra lange gelagert. Ein Pils hingegen verändert seinen Geschmack bereits einige Monate nach Ablauf des MHD, stört einen das nicht, kann man es meist aber noch problemlos trinken, Gefahren für die Gesundheit muss man nicht befürchten.

2. Wein

Auf Wein steht zwar kein MHD drauf, dennoch altert auch ein gutes Fläschchen. Grund dafür ist die Oxidation, sprich die Reaktion mit Sauerstoff. Auch wenn die Flasche noch nicht geöffnet ist, dringen kleinste Mengen Sauerstoff in die Flasche und der Prozess beginnt – allerdings sehr langsam. Wärme kann den Prozess jedoch beschleunigen und bewirkt, dass Flüssigkeiten in der Flasche verdunsten. Nun ist auch klar, wieso man den Wein am besten in einem kühlen Keller lagert, er hält sich so einfach länger. Auch die Weinsorte macht einen Unterschied: Je mehr Säure der Wein hat, desto länger kann er gelagert werden – allerdings benötigt er in der Herstellung auch eine längere Reifezeit. Ebenso spielt der Tanningehalt eine Rolle, Weine mit hohem Tanningehalt, wie etwa der Cabernet Sauvignon, sind länger haltbar als andere. Auch saure Weißweine wie der grüne Veltliner halten sich länger als fruchtige Sorten. Pauschal kann man also nicht sagen, wie lange eine geschlossene Flasche Wein haltbar ist, die Spannweite reicht von einigen Jahren bis hin zu 100 Jahren.

Ist die Flasche bereits offen, sollte sie – egal, ob Weiß- oder Rotwein – kühl gelagert werden. Im Kühlschrank hält sich eine fast volle und gut verschlossene Flasche bis zu einer Woche. Praktisch: Je voller die Flasche, desto länger hält sie auch. Ist in der Flasche nicht einmal mehr die Hälfte vorhanden, sollten Rotweine innerhalb fünf, Weißweine innerhalb zwei oder drei Tagen ausgetrunken werden.

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Foto: svedoliver/iStock/Thinkstock

3. Liköre

Süße Liköre die weniger als 30 % Alkohol enthalten, tragen zwar kein MHD, dennoch sollte man sie nicht ewig lagern. Denn auch wenn eine jahrzehntealte Flasche Likör nicht gesundheitlich bedenklich wäre, hat sich das Aroma durch die Oxidation massiv verändert, sprich, man könnte die Flasche zwar noch trinken, schmecken wird sie aber garantiert nicht. Im Sinne des guten Geschmacks sollte man diese Getränke geschlossen nicht länger als fünf bis zehn Jahre lagern – je höher der Alkoholgehalt, desto länger kann die Lagerzeit betragen. Bei einmal geöffneten Flaschen kann man die Haltbarkeit verlängern, wenn man sie im Kühlschrank lagert.

4. Eierlikör

Süße Getränke die Sahne, Ei oder Milch enthalten, haben zwar meist den gleichen Alkoholgehalt wie andere Liköre, verfügen aber über ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Grund dafür sind die etwas heikleren Inhaltsstoffe, schließlich möchte niemand nach einem Eierpunsch ein vermiestes Weihnachtsfest haben …

5. Whisky, Tequila und Co.

Alle Spirituosen, die mehr als 36 % Alkohol haben, sind geschlossen im Grund unbegrenzt haltbar. Damit man aber auch an einer geöffneten Flasche lange Freude hat, ist es wichtig, sie richtig zu lagern. Spirituosen sollten stets stehend gelagert werden, damit nichts ausrinnt, die Korken schließen nicht so gut wie Weinkorken. Auch direktes Sonnenlicht sollte vermieden werden. Theoretisch wäre auch eine geöffnete Flasche Whisky durch den hohen Alkoholgehalt jahrzehntelang haltbar, allerdings kann es sein, dass bereits einige Jahre nach dem Öffnen der Geschmack abnimmt. Anstatt 20 Flaschen Whisky gleichzeitig zu öffnen, um den ultimativen Vergleichstest machen zu können, ist es also besser, sich genussvoll einer Flasche nach der anderen zu widmen.