Mehrere Folgen am Stück schaden der Gesundheit Foto: tommaso79/iStock/Thinkstock

Nur noch eine Folge … dann wird man zufrieden ins Bett gehen. Nach den 45 Minuten, die Folge Nummer 8 dauerte, ist es allerdings schon 5 Uhr morgens. Eigentlich zahlt es sich jetzt gar nicht mehr aus, sich hinzulegen … Da könnte man doch auch einfach die 9. Folge schauen. Und dann … na also das Staffelfinale muss man sich jetzt schon auch noch ansehen!

80 % der bis zu 25-Jährigen sind nach eigenen Angaben Binge Watcher. Am beliebtesten in Österreich zum Binge Watching sind übrigens die Serien "Breaking Bad", "Orange is the New Black" und "Narcos". Beim Binge Watching taucht man völlig in die Welt seiner Serienhelden ein – eigentlich eine tolle Sache, gäbe es nicht negative Auswirkungen auf unseren Körper und die Psyche.

1. Schlechter Schlaf

Wer exzessiv Serien konsumiert, hat eine um 98 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit schlecht zu schlafen als Menschen, die nur gelegentlich Serien sehen. Je mehr Folgen man am Stück schaut, desto schlechter ist danach auch der Schlaf. Gedanklich sind wir noch ganz bei unseren Lieblingscharakteren und fiebern mit ihnen mit anstatt uns um uns selbst zu kümmern und einfach auszuruhen. Wer wieder erholsam schlafen möchte, sollte nicht zu viele Folgen seiner Lieblingsserie hintereinander schauen, kurz vor dem zu Bett gehen lieber ein paar Seiten in einem Buch lesen und keinen Laptop mit ins Bett nehmen. So kann man sich wieder emotional von der Serie distanzieren und findet erholsamen Schlaf.

2. Man merkt sich weniger

Da schaut man ganz verrückt seine Serie – und erinnert sich dann gar nicht mehr besonders gut daran. Forscher konnten feststellen, dass Binge Watcher zwar mehr in die Geschichte hineingezogen werden, sich nach 140 Tagen aber an weniger Einzelheiten erinnern können als Menschen, die wöchentlich bloß eine neue Folge konsumierten. Grund dafür sind ganz normale Lernprozesse: Je langsamer und aufgeteilter unser Gehirn neue Informationen erhält, desto besser kann es sich das Gezeigte merken. Sieht man sich jede Woche nur eine Folge an, muss man sich das Geschehene immer wieder in Erinnerung rufen, auch das hilft dabei, dass man es sich das Gezeigte besser einprägen kann.

3. Man verarbeitet weniger Informationen

Es wäre ja kein so großes Problem, wenn man sich einfach nur die Inhalte einer Serie nicht so gut merken könnte. Doch leider bewirkt Binge Watching auch, dass wir andere wichtige Informationen nicht korrekt verarbeiten. Besonders Schüler und Studenten bekommen das zu spüren. Bleibende Schäden verursacht die Lieblingsserie jedoch nicht: Eine durchgeschlafene Nacht bringt den Tag-Nacht-Zyklus wieder ins Lot und schon hat auch das Gehirn wieder genügend Kapazitäten.  

4. Binge Watching fördert Depressionen

Hin und wieder – besonders gern bei Schlechtwetter – den Lieblingsserien zu frönen ist nicht so schlimm. Doch exzessives Schauen kann zur Sucht werden und zu psychischen Problemen führen. Depressionen können durch den Rückzug in die eigenen vier Wände und den Abbruch von sozialen Kontakten gefördert werden. Heikel: Genau Menschen, die von sich aus schon depressiv sind, neigen zum Binge Watching.

5. Man schiebt wichtige Dinge auf

Den dicken Statistikwälzer aufschlagen und brav für die kommende Prüfung lernen oder noch eine Serie? Ach, eine geht noch, dauert ja nur 45 Minuten … Und schon hat man drei weitere Folgen intus, fürs Lernen ist es heute eh zu spät und morgen ist ja schließlich auch noch ein Tag. Durch ihre kurze Länge von 45 oder 20 Minuten verleiten uns Serien – mehr als Filme – dazu, noch "schnell" eine Folge zu streamen. Aus der werden dann schnell zwei und schon hat man im Grunde doch Spielfilmlänge erreicht. Bevor man also mal wieder ungeliebte Aufgaben durch das Anschauen einer Folge rauszögert, sollte man sich ehrlich eingestehen, ob es bei einer Folge bleiben wird, ob drei daraus werden oder ob es nicht eine Idee wäre, sich diese eine Folge als Belohnung nach getaner Arbeit zu gönnen.