Dart - bei Frauen immer beliebter Foto: 41330/1181images/Pixabay

Bowling, Kegeln und Flippern

Natürlich wird auch weiterhin gebowlt und gekegelt. Raumsparende Handlichkeit aber war noch nie die Stärke des Spiels mit den großen Kugeln. Diese Sperrigkeit hat sich in Zeiten effizienter Nutzung von Betriebsräumlichkeiten langfristig als Nachteil erwiesen.

Vor 50 Jahren war in Lokalen das Unterhaltungsangebot begrenzt, Darts und Pool-Billard wurden erst nach und nach immer beliebter. Neben den ersten Geldspielautomaten waren jedoch vor allem die Flipper-Automaten ein großer Hit. Auf Englisch heißen sie Pinball Machines, inzwischen sind die aus der Gastronomie verschwunden und wurden in die Hobbykeller älterer Männer verbannt.

Die Darts-Weltmeisterschaft im Ally Pally

Während Snooker und Pool-Billard als Gentleman-Sport gelten, ist der stereotype Dartspieler ein tätowierter Wüstling mit prallem Bierbauch. Immer wieder zur Weihnachtszeit wird dieses Klischee neu bestätigt. Die PDC World Championships gelten als Weltmeisterschaft im Dartsport und ziehen großen Massen an Fans an.

Ausgetragen wird der Wettkampf in Londons Alexandra Palace. Das feudale Gebäude auf dem Hügel heißt bei den Fans einfach nur Ally Pally. Als Preisgeld werden inzwischen 2,5 Millionen Pfund aufgerufen, das entspricht knapp 3 Millionen Euro. Aktueller Titelträger ist zum dritten Mal der glatzköpfige Niederländer Michael van Gerwen, der somit 500.000 Pfund Preisgeld einstreichen konnte.

Die Weltmeisterschaft beim Darts ist aber mittlerweile so kommerziell ausgerichtet, dass die Preisgelder fast zur Nebensache werden. Zwar passen nur zirka 2500 Zuschauer in die Halle des Ally Pally, aber die Stimmung ist wilder als in der Bundesliga.

Der Winter-Ballermann

Der Alkohol fließt in Strömen und die Szenerie erinnert an eine ausgelassene Party. Traditionell befinden sich viele Deutsche im Publikum. Man sagt, es seien vor allem junge Männer, die im Sommer an den Ballermann auf Mallorca reisen. Das Interesse der Zuschauer vor dem Fernseher ist ebenfalls enorm. Weltweit zieht die Darts-WM Millionen von Fans in ihren Bann. Das Zugpferd Phil "The Power" Taylor ist inzwischen nicht mehr am Start, doch das Tut der Popularität des Events keinen Abbruch.

Die aktuelle WM ist bereits in vollem Gange. Die Japanerin Mikuru Suzuki war noch knapp gescheitert, doch mit Fallon Sherrock hat zum ersten Mal überhaupt in der Geschichte des Wettbewerbs eine Frau eine Partie gegen einen Mann gewinnen können.

Farron Sherrock wird zur wandelnden Werbefigur

Das Preisgeld für den Einzug in die 2. Runde ist überschaubar. Jedoch wird sich die 25-jährige Engländerin vor Sponsorenangeboten nun kaum retten können.

Die Spieler sehen wandelnden Litfass-Säulen nicht gerade unähnlich. Dominant ist bei den Sponsoren die Glücksspiel-Branche. Sherrock hat bereits jetzt – wie fast alle Spieler – eine Glücksspiel-Webseite als Hemdsponsor. Expertenportale fassen den besten Casino-Bonus zusammen, ein Blick auf das Teilnehmerfeld bei der Darts-WM würde aber auch reichen.

In Großbritannien ist Darten als Sport viel weiter verbreitet als in Österreich. Das gilt für die Bekanntheit der Profi-Spieler und das gilt ebenfalls für das aktiven Dartsport. In Amateur-Vereinen ist Werfen der Pfeile eine Leidenschaft vieler Österreicher. In den Bars, Lokalen und Vereinsheimen setzten sich aber die Billard-Tische immer mehr durch.

Die Zukunft der Dartscheibe in den Bars

In den Nuller-Jahren hat fast jeder junge Erwachsene ab und zu auf die runde Dartscheibe geworfen. Ob das auch in 15 Jahren noch so ist, bleibt abzuwarten. Die Gründe sind vielfältig. Einer der Gründe scheint ein Platzproblem zu sein.

Der wirtschaftliche Druck auf die Betreiber in der Gastronomie ist in den letzten Jahren weiter gewachsen. Eine Dartscheibe an sich nimmt zwar nicht viel Platz in Anspruch. Für das Werfen der Pfeile aber müssen einige Quadratmeter abgeschirmt werden. Immer mehr Gastwirte wollen lieber noch ein paar weitere Gäste unterbringen, um höheren Umsatz zu erzielen.

Der Sherrock-Effekt

Vielleicht lässt sich der Dartsport auch nicht mehr mit den modischen Stilelementen der jüngeren Generationen vereinbaren. Die PDC World Championships aber werden auch weiterhin für eine gewisse Popularität der Sportart an sich sorgen. Experten gehen nach dem historischen Sieg der jungen Britin von einem Sherrock-Effekt aus. Sie prognostizieren, dass nun vor allem junge Frauen auf die Sportart mit den drei Pfeilen aufmerksam werden. Sherrock selbst hat bei ihrem 3:2-Sieg gegen Ted Evetts stolze sechs 180er-Sets geworfen. Sie inspiriert viele jungen Frauen, sich ebenfalls an der berühmten 180 zu versuchen.