Kann man Depressionen anhand der Sprache erkennen? Foto: finwal/iStock/Thinkstock

Depressionen sind eine sehr ernste Erkrankung – nicht immer wissen die Betroffenen jedoch, dass sie daran leiden und die Krankheit bleibt lange unbehandelt. Doch wie könnten Ärzte und Psychologen eine mögliche Depression rascher diagnostizieren? Forscher fanden nun heraus: Auch die Worte, die Menschen gebrauchen, verraten viel über deren psychischen Zustand.

Immer und nie

"Immer lässt du deine Schuhe neben der Eingangstür liegen", "nie bringst du den Müll raus" – Wer in einer Beziehung lebt, kennt verallgemeinernde Ausdrücke wie "immer" und "nie" meist zur Genüge. Auch wenn man sich in einem Streit manchmal dazu verleiten lässt, von diesen Wörtern Gebrauch zu machen, konnten Forscher jüngst in einer Studie nachweisen, dass depressive Menschen solche absolutistischen Wörter häufiger gebrauchen als andere. Beziehung hin oder her, für solche Menschen ist einfach häufig "alles schlimm", "nie gelingt ihnen etwas" oder sie haben "immer Pech".  

Ich bin immer traurig

Die Forscher Al-Mosaiwi und Johnstone fanden in ihrer Studie aber noch mehr heraus: Menschen mit Depressionen verwenden auch häufiger negative Adjektive wie traurig, einsam oder verloren.

Und auch die Art und Weise, wie Betroffene sprechen, unterscheidet sich stark von der Sprechweise Gesunder. Sie benutzen viel öfter Ich-Aussagen. Leidet man unter einer Depression, dreht sich die Welt also vermehrt um einen selbst, man sieht nur noch seine eigenen Probleme und findet sie unüberwindbar.

Forenbeiträge analysiert

Wie gingen die Forscher bei ihrer Studie vor? Sie analysierten 6.000 Beiträge in verschiedenen Internetforen miteinander und fanden heraus, dass in Foren, in denen sich depressive Menschen austauschten, um bis zu 50 Prozent mehr absolutistische Wörter benutzt wurden als in anderen Foren. War die Depression so stark, dass Suizidgedanken aufkamen, wurden sogar 80 Prozent mehr verallgemeinernde Worte wie "immer" und "nie" benutzt.

Diagnostisch relevant?

Können Depressionen und Angststörungen nun durch den Sprachgebrauch diagnostiziert werden? Nein, so einfach ist es nicht. Nur weil jemand ständig von sich selbst redet, muss noch lange keine Depression dahinterstecken – auch Eitelkeit wäre eine Option. Aber bei Menschen, bei denen bereits eine Depression diagnostiziert wurde, kann der Sprachgebrauch in der Tat Aufschluss darüber geben, wie die Krankheit verlaufen könnte und ob eine Besserung in Sicht ist.

Wer bei sich selbst oder Bekannten eine Depression vermutet, sollte sich umgehend an einen Therapeuten wenden. 

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