Neue Freunde zu finden ist gar nicht so einfach Foto: David Woolley/Photodisc/Thinkstock

Die Anzahl der Jahre nimmt zu, die der Freunde ab. Damit steht man nicht alleine da. Mit 30 hat man meist weniger Freunde als zu Schul- oder Studienzeiten. Dafür sind die, die man hat, goldwert und gingen mit einem schon durch dick und dünn. Studien zeigen, dass ab dem Alter von 30 gute Freunde sogar wichtiger für das emotionale Wohlbefinden werden als die eigene Familie. Da möchte man doch sofort seinen Bekanntenkreis erweitern. Doch wo soll man anfangen neue Freunde zu suchen? Bei den Arbeitskollegen? Im Fitnesscenter? Im Sommer im Park einfach die sympathisch wirkende Gruppe ansprechen? Plötzlich wird einem klar: Neue Freunde zu finden ist gar nicht so einfach …

Die Prioritäten verschieben sich

Mit 30 ist der Terminkalender nun mal praller gefüllt als noch vor 20 Jahren. Man ist umgezogen, die Arbeit nimmt einen wichtigen Stellenwert ein, genauso wie der Partner, wenn man denn einen hat. Und hat man keinen, verschlingt eben die Suche nach einem sehr viel Zeit. Manche haben bereits Kinder, die umsorgt werden müssen. Oft findet man bei all den Verpflichtungen meist schon zu wenig Zeit für seine langjährigen Freunde, wie soll man da bitteschön noch neue finden? 

Hohe Ansprüche

Als Kind hat man keine Ansprüche an sein Gegenüber: Hat der eine im Sandkasten eine begehrenswerte Schaufel, man selbst ein vortreffliches Kübelchen? Wunderbar, der erste Schritt zu einer lebenslangen Freundschaft ist schon getan. Als Erwachsener sieht das schon ganz anders aus: Kann man der Person vertrauen? Bringt ein Kontakt beiden Seiten etwas oder fühlt sich ein Treffen eher wie eine lästige Verpflichtung an – schließlich hätte man ja noch so viel zu erledigen. Und genügt man selbst überhaupt den Ansprüchen der anderen Person? Keimen plötzlich Selbstzweifel auf, verzieht man sich schnell wieder nach Hause in die eigenen, sicheren vier Wände und genießt einen ruhigen Feierabend auf der Couch. Neue Freunde zu finden ist schließlich kein Muss, es gibt genügend andere Dinge, mit denen man sich beschäftigen kann. Anders war das in der Schule: Da gab es außer den Banknachbarn ja nicht viel Interessantes …

Ein Yoga-Freund, ein Kino-Freund …

Und einen fürs Joggen. Je älter man wird, desto differenzierter und spezieller sind die Freundschaften, die man eingeht. Machte man früher mit der besten Freundin einfach alles, pflegt man als Erwachsener Freundschaften, die meist nur einen speziellen Bereich des Lebens abdecken. Das hängt dann natürlich auch davon ab, wo man neue Menschen kennenlernt. Trifft man jemanden beim abendlichen Pilates-Training, wird Sport eben eher ein Thema sein als wilde Partynächte. Der Wunsch nach einer Freundschaft, die das gesamte Leben abdeckt, wird kleiner und man akzeptiert, dass es für jeden Lebensbereich den richtigen Freund gibt. Es fällt auch viel einfacher jemanden anzusprechen, mit dem man eine Gemeinsamkeit hat, und so ist es nicht verwunderlich, dass sich viele Freundschaften wieder auf dem Kinderspielplatz entwickeln – diesmal aber zwischen den Eltern. Denn wer in einer ähnlichen Lebensphase ist, hat sich auch automatisch mehr zu erzählen. 

Wie und wo?

Wie findet man nun am besten neue Freunde? Es gibt viele Möglichkeiten, die Voraussetzung ist aber, dass man sich wirklich auf Neues einlässt und das Unbekannte sucht. Also einfach mal eine neue Sportart ausprobieren, abends zum gemeinschaftlichen Töpfern oder zum Kochkurs gehen oder mit der Arbeitskollegin zur Abwechslung mal nicht nur in der Büroküche über das letzte Wochenende quatschen, sondern gemeinsam den Samstagabend verbringen. Einzige Voraussetzung: Sympathie und den Willen, wirklich Zeit zu investieren und gemeinsam etwas zu unternehmen. Denn meist scheitern neue Freundschaften einfach an unserer Bequemlichkeit …

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