Maya-Pyramiden in Chichen Itzá Foto: Medioimages/Photodisc/Photodisc/shalamov/iStock/Thinkstock

Diese Aussage zu begründen, ist zwar einfach, jedoch nicht unaufwendig, schließlich haben mich die zahlreichen Facetten des Landes fast (positiv) erschlagen. Vor Reiseantritt habe ich mich gefragt, wie das bunte Land und seine endemische Kultur, die Herr Trump doch so verabscheut, wohl sein wird. Gefährlich, wild, unzivilisiert, laut? Natürlich fühlte ich mich – nicht alleine meiner Trump-Antipathie wegen - schon fast dazu gedrängt, dem Ganzen nachzugehen und das feurige Volk kennenzulernen.

Top 10-Tauchparadies

Gemeinsam mit meiner guten Freundin Isabella habe ich einen Roadtrip durch die Halbinsel Yucatán gemacht, ausgehend von Cancún, wo wir allerdings keinesfalls länger als eine Nacht bleiben wollten. Der Grund: Zu wenig mexikanische Kultur, viel zu viel nordamerikanische Kultur. Das ist nicht Mexiko! Also machten wir uns gleich am nächsten Tag auf den Weg nach Cozumel, einer kleinen Insel nicht weit von der berühmten, mittlerweile auch touristenüberfüllten aber dennoch entzückenden Stadt Playa del Carmen. Die Insel ist bekannt für ihre paradiesischen Tauchgebiete, die zu den Top 10 auf der ganzen Welt gehören. Wir können das bestätigen! Natürlich standen auch Yucatáns Hauptstadt Mérida oder die hippieske Trendstadt für Partylöwen Tulum (tausend Mal besser als Cancún) auf unserer To-Do-Liste – Ziele, die uns mehr über das Leben gelehrt haben als unser langjähriges Studium. Eines sei gesagt: Solch ein freundliches Volk habe ich noch nie kennengelernt, und das soll wirklich was heißen. Sogar die ärmsten Menschen, die wir auf unserer Reise kennengelernt haben, schienen Traurigkeit schlichtweg nicht zu kennen. Wir wurden zu jeder Festlichkeit offen empfangen und unsere Gastgeber wollten im Gegenzug nur, dass wir eine gute Zeit haben. Ich dachte nur: „Und zuhause regen wir uns schon auf, wenn die Temperatur um zwei Grad gesunken oder gestiegen ist". Ich will Mexiko damit nicht idealisieren und sagen, dass Sie das Land kopflos bereisen können, weil alle Menschen dort Pazifisten sind, aber wenn Sie einmal einfach nur die Sunny Side des Lebens kennenlernen möchten, dann ab in den Flieger! Und zum stark debattierten Thema "Sicherheit" noch kurz, da Mexiko "ja so gefährlich ist": "Sicher" sind wir in Europa auch schon längst nicht mehr ...

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Tauchparadies Cozumel Foto: BRIAN LASENBY/iStock/Thinkstock

Die ganz normalen Maya

Doch die wunderbarste Erfahrung war die Zeit mit einer Maya-Familie aus Chichimilà, einem bescheidenen, mikroskopisch kleinen Dorf in der Nähe von Valladolid, im Herzen von Yucatán. Wir hatten nicht einmal annähernd eine Idee, wie die Maya von heute so sein könnten – dazu hatten wir uns zu wenig mit deren Kultur auseinandergesetzt. Schande über uns! Nur durch Zufall und über tausend Ecken sind wir überhaupt zu dieser reizenden Familie gelangt, die uns lediglich den Schlüssel zu unserem Domizil übergeben sollten. Schon bald wurde uns klar, welches Glück uns zuteil wurde, diese interessanten Menschen fernab von Luxus und Stress kennenzulernen. Zu unserer Überraschung sind die Maya in Mexiko überaus modern. Sie tragen die gleiche Kleidung, haben die gleichen Handys, die Kids singen und tanzen zum selben Reggaeton wie wir und sie studieren an den gleichen Unis wie die anderen Mexikaner. Ganz anders als in unserem Kopf. Ihr Lebensstil ist lediglich bescheidener, einfacher.

Geschichten ihrer Vorfahren

Nach einem schüchternen gegenseitigen Beschnuppern wurden wir schon mit offenen Armen in IHREM Haus erwartet, nur 15 Meter von unserer spartanisch, aber hübsch eingerichteten Behausung entfernt. Nachdem nur Mayathan zur Verständigung noch zur Auswahl stand, mussten wir uns mit unserem anfänglich noch holprigen Spanisch ausdrücken. Im Laufe des üppigen Abendessens, bestehend aus selbstgemachten Tacos, frittierter Schweinehaut, viel Chili und Limetten, führte unser schlichtes Vokabular aber zu köstlichen Erzählungen – oder besser gesagt zu einem spannenden Lauschkonzert unsererseits. Die Familie berichtete über ihre Vorfahren, den Maya-Kalender und die genialen Pyramiden (die wir am nächsten Tag in Chichen Itzá besuchten) und über den Verlust ihrer Kultur und Religion, nachdem die Spanier in das Land gedrungen waren und sie zum Katholizismus gezwungen hatten. Isabella und ich waren fasziniert und bestaunten ihre passionierte Gestik beim Erzählen im Licht des Lagerfeuers in ihrer „Küche“. Diese war eigentlich die alte offene Garage, die nach dem Verkauf des Fahrzeugs schlichtweg umfunktioniert wurde. Mit vollen Bäuchen (und Köpfen) haben wir uns von den lieben Familienmitgliedern für den Abend verabschiedet, woraufhin wir auch schon zum Frühstück eingeladen wurden. Eine Freundschaft ward geboren!

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Maya-Kalender Foto: Niciak/iStock/Thinkstock

Unterwegs mit den Maya

Nach einer nicht ganz so erholsamen Nacht in den Hängematten – das traditionelle Bett der Maya, das in modernen Haushalten jedoch von einem konventionellen Bett ergänzt wird - sind wir leicht zerknittert wieder zu unseren lieben Nachbarn spaziert. Sie erzählten uns, dass sie bereits in der Früh nachgesehen hätten, ob wir noch am Leben sind, zumal wir bis am späten Nachmittag geschlafen hatten. Unser „Frühstück“, das für europäische Verhältnisse eher ein üppiges Mittagessen war, stand schon auf dem Tisch – alles selbst gemacht, sogar die Tortillas. Wir bekamen ein schlechtes Gewissen, täglich von ihnen so herrlich verköstigt zu werden und boten an, die nächsten Einkäufe zu erledigen. Doch das wollten sie nicht - wir waren schließlich zu Gast! Wir haben sie eingeladen, mit uns die atemberaubenden Samula-Cenotes, das sind Kalksteinlöcher, die als faszinierende Baderessorts fungieren, zu besuchen und uns mehr von ihrem Volk und Bräuchen zu erzählen. Sie willigten ein und so fuhren wir mit ihren Fahrrädern mit Mutter, Vater und einer drei drei Töchtern zu den heiligen Höhlen der Maya. Geschwommen sind nur wir, denn in Mexiko können nur wenig Menschen schwimmen. Es war einmalig! Das türkisfarbene Wasser war so klar, dass wir den tiefen Boden noch sehen konnten. Durch den kleinen Kalkschlitz schien uns die Sonne ins Gesicht.

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Samula-Cenote Foto: Niciak/iStock/Thinkstock

Tag des Abschieds

Die Maya-Familie war in den drei Tagen viel mit uns unterwegs und zeigte uns - wie auch alle anderen Mexikaner - was der Bund der Familie bedeutet, was Freude bedeutet, ohne viel zu besitzen, was Freundlichkeit bedeutet, auch wenn man sich nicht kennt und vor allem was Leichtigkeit bedeutet, auch wenn es einmal nicht so einfach ist. Ich bin mir sicher, dass das viele Reisende ebenfalls so empfinden, da ich ähnliche Schwärmereien auch von anderen im Laufe dieses Urlaubs hörte. Der Abschied fiel uns dementsprechend schwer – wir hatten uns so aneinander gewöhnt und so viele Details aus unserem Leben ausgetauscht (inzwischen konnten wir schon besser Spanisch), dass wir am liebsten dort geblieben wären. Mexiko ist jedoch zu schön, um seine Diversität nicht gänzlich auszukosten. Was wir von den Maya außerdem noch mitgenommen haben, ist nicht nur ihre Offenherzigkeit, sondern zum Glück auch ihre Facebook-Kontakte.

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