Getragen vom Erfolg: Game of Thrones-Stars Nikolaj Coster-Waldau, Maisie Williams, Emilia Clarke, Sophie Turner und Kit Harington Foto: Jordan Strauss/AP/picturedesk.com

Rund 200.000.000 Dollar kostet es vermutlich, die noch ausstehenden 13 Episoden zu produzieren. Verdammt viel Geld. Und dennoch: Ein Risiko-Geschäft sind die letzten zwei Staffeln von „Game of Thrones“ – die vorletzte startet am 16. Juli – für den amerikanischen Pay-TV-Giganten HBO nicht. Im Gegenteil: Verglichen mit den Einnahmen ist die Produktion der teuersten Serie aller Zeiten immer noch fast günstig. Der New Yorker Konzern macht pro Jahr über fünf Milliarden Dollar Umsatz.

Einnahmen

Aber nicht nur für HBO ist „Game of Thrones“ ein wahrer Goldesel, sondern für alle ­Beteiligten. Keine Serie in der Geschichte des Fernsehens war eine derart riesige Geldmaschine – für die Produzenten, die Schauspieler, Schriftsteller George R. R. Martin (der die Romanvorlage „Ein Lied von Eis und Feuer“ geschrieben hat) und sogar für die Drehorte. Dafür sorgt neben der Popularität der seit 2011 laufenden Serie auch die geschickte ­Vermarktung des Hypes.

Riesiges Plus

Die Produk­tionskosten der bisherigen 60 Episoden des Epos, in dem mächtige Adelsgeschlechter um den sogenannten „Eisernen Thron“ und damit die Macht kämpfen, betrugen im Schnitt sechs Millionen Dollar pro Folge. Diese Kosten ­allerdings spielt HBO alleine durch den DVD-Verkauf ­wieder ein. Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft – also jeweils erst ein halbes Jahr nach der Ausstrahlung – erscheinen die DVD-Boxen. Das heißt auch: Alle Einnahmen von Abonnenten, internationalen Übertragungsrechten und vor allem von Fanartikeln sorgen für ein riesiges Plus für HBO. Dass „Game of Thrones“ auch die am meisten im Internet raubkopierte Serie der Welt ist, stört die Macher nicht: Im Gegenteil, sie sehen das als Kompliment.

Darsteller

Die letzten 13 Episoden werden aus mehreren Gründen deutlich teurer. Zum einen, weil es viele aufwendige Kampfszenen geben wird, die viel Geld verschlingen. Und zum anderen, weil alleine die fünf Hauptdarsteller ab sofort 1,1 Millionen Dollar kassieren werden – pro Folge, wohlgemerkt. Bisher hatten sie „nur“ ein Drittel davon bekommen. Ein Jackpot für das Quintett, das ­zuvor weitgehend unbekannt war: Für Theater-Mime Kit Harington und TV-Anfängerin Emilia Clarke sowieso, aber auch für den kleinwüchsigen Peter Dinklage und den dänischen Schauspieler Nikolaj Coster-Waldau. Lena Headey war schon in einer Handvoll Hollywood-Produktionen aufgetaucht, aber erst die Rolle in „Game of Thrones“ verschaffte ihr den Durchbruch. Jetzt sind die Fünf die bestbezahlten Seriendar­steller der Welt.

Fanartikel

Diese Zusatzkosten sind locker zu verschmerzen, weil HBO die Fanartikel geradezu aus den Händen ­gerissen werden. Die genauen Zahlen werden zwar gehütet wie ein Staatsgeheimnis, aber es ist bekannt, dass rund drei Viertel aller von HBO vertriebenen Merchandising-Artikel auf „Game of Thrones“ fallen. Ein Drachenei um 55 Euro, eine Buchregal-Stütze in Form des Eisernen Throns um 80 Euro, ein nachgemachtes Schwert aus der Serie um 450 Euro – und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Natürlich gibt es auch von T-Shirts über Tassen bis zu Taschen fast nichts, was es nicht gäbe.

Vergünstigungen

Die vier Länder, in denen gedreht wird – Nordirland, Kroatien, Island und Spanien – locken die Produzenten nicht nur mit vielfältigen Landschaften und besten Bedingungen, sondern vor allem mit finanziellen Argumenten. Nordirland zahlt HBO 15 Millionen Dollar pro Jahr an Förderung und verzeichnet im Gegenzug über 100 Millionen Dollar an Wertschöpfung. Spanien erließ 15 Prozent der Steuern, im Gegenzug stiegen die Einnahmen aus dem Tourismus alleine in der Region Andalusien um über 30 Prozent.

Zu viel

Noch viel extremer ist es in Island: Seit auf den Gletschern der Insel im Nordatlantik gedreht wird, kommen fünfmal so viele Touristen wie vorher. Eine fünftägige Tour zu den Drehorten kostet über 1.000 Euro pro Person. Die Regierung überlegt nun sogar die Einführung einer Sondersteuer auf Touristen, um der (zu) großen Zahl an Besuchern Herr zu werden. Ähnlich sieht es im kroatischen Dubrovnik aus, deren Altstadt für die Serien-­Metropole Königsmund Pate steht: Die Verwaltung hat verfügt, dass sich nie mehr als 6.000 Menschen gleichzeitig innerhalb der Stadtmauern aufhalten dürfen, um die Altbau-Substanz nicht zu gefährden.

Zukunft

Der riesige Erfolg heißt für den produzierenden US-Sender HBO aber auch: Wenn 2018 (oder 2019, eine Verschiebung steht im Raum) die letzte der 73 Episoden gesendet ist, muss eine neue, große Geldquelle her. Und diese hat HBO auch schon ­gefunden: Der Nachfolger von „Game of Thrones“ wird ein Ableger von „Game of Thrones“. Die Romanvorlage von George R. R. Martin enthält so viele Verweise auf ­Geschehnisse vor bzw. neben der Haupthandlung, dass sich damit locker mehrere Serien füllen ließen. Das heißt: Ein Ende des Hypes ist noch ­lange nicht in Sicht.