Die Kassette wird 55 Jahre alt Foto: jakkapan21/iStock/Thinkstock

Die 55 Jahre sieht man ihr – wenn sich das Tonband nicht gerade wieder einmal im Kassettenrekorder verfangen hat und zu Bandsalat wird– gar nicht an. Doch die gute alte Musikkassette feiert am 28. August ihren 55. Geburtstag! Höchste Zeit, mehr über das Geburtstagskind zu erfahren.

1. Wer hat's erfunden?

Philips brachte die erste Kassette 1963 auf den Markt. Anfangs waren die Menschen noch skeptisch, die Kassetten der ersten Generation rauschten und das Musikerlebnis war nicht gerade exquisit. Als 1968 die Dolby-B-Rauschunterdrückung eingeführt wurde, verbesserte sich die Tonqualität massiv und die Kassette konnte auf Erfolgskurs gehen.

2. Raubkopien

Die Musikindustrie war anfangs von den Kassetten gar nicht entzückt. Denn allzu leicht konnte man damit Raubkopien anfertigen. Kampagnen wie "Home Taping Is Killing Music" wurden gestartet. In Deutschland wurden deswegen ab 1985 beim Kauf einer leeren Kassette 19 Pfennig an die GEMA, die Gesellschaft für Urheberrechte, abgeführt.

3. Kassette überholt Platte

In den 80er Jahren, 20 Jahre nach Einführung der ersten Kassette, wurden erstmals mehr Kassetten als Schallplatten verkauft. Gründe dafür gab es einige: Eine Kassette konnte pro Seite 45 Minuten Musik abspielen, bei einer Schallplatte ist die Abspielzeit geringer. Und auch die Einführung des Walkmans hatte Auswirkungen auf die Popularität der Kassette.

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Ein unschlagbares Team: Walkman und Kassette Foto: Shaiith/iStock/Thinkstock

4. Walkman

Der bekannteste Walkman, der je produziert wurde stammt von Sony. Obwohl das Produkt anfangs nicht auf Begeisterung traf, konnte ein geschicktes Marketing die Menschen davon überzeugen, das Musik to go eine phänomenale Sache sei und der Walkman wurde ein Verkaufsschlager, insgesamt mehr als 200 Millionen Stück hat Sony davon verkauft. Bis 2010 hat Sony den Walkman noch produziert, dann stellte das Unternehmen die Produktion ein. Vielleicht zu früh, denn 2014 erlebte der Walkman durch den Film "Guardians oft he Galaxy" ein Revival und die Nachfrage nach Second Hand Walkmans stieg enorm.

5. Revival

Die Menschen sehnen sich nach Analogem. Musikkassetten wecken nostalgische Gefühle, im Geiste hören wir die Mixtapes unserer Jugend wieder und so verwundert es nicht, dass die Kassette ein Revival feiert. 2016 wurden in den USA 129.000 Stück verkauft – ein Anstieg um 74 % im Vergleich zum Vorjahr. 2017 stiegen die Verkaufszahlen erneut um 35 %. Auch in Deutschland sehen die Zahlen ähnlich aus, hier wurden 2017 125.000 Kassetten verkauft. Was die Leute da wohl gekauft haben? Was viele überraschen wird, ist, dass es neben Klassikern und Flohmarktfundstücken auch ganz aktuelle Pop-Alben wie beispielsweise Justin Bieber auf Kassette zu kaufen gibt. Besonders in Malaysia erlebt die Indie-Szene dank der Kassette einen Boom.

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Da kommen Erinnerungen hoch: Bandsalat und Bleistift Foto: LucaLorenzelli/iStock/Thinkstock

6. Robust

In Ländern wie Afrika und West- und Südasien werden nach wie vor die meisten Alben auf Kassette herausgebracht. Denn die meisten Menschen haben keinen CD-Player, sondern einen langlebigen und robusten Kassettenrekorder. Verglichen mit CD's sind Kassetten langlebiger und auch Hitze und Staub kann ihnen weniger anhaben als einer CD. 

7. Bewusstes Hören

Einfach mal schnell zum nächsten Track hüpfen? Geht bei einer Kassette nicht so einfach, da muss man schon mühsam spulen. Das spart man sich lieber und hört ein Album eben mal von vorne bis hinten durch. Ein Musikgenuss, dem man in Zeiten von MP3 nur selten frönt. In Plattenläden werden deswegen vermehrt Listening-Partys abgehalten, bei denen die Gäste bei einem Bier ganz bewusst ein komplettes Album anhören.

8. Nachschub wir knapp

Auch wenn die Kassette noch lange nicht ausgestorben ist, wird es mit dem Nachschub allmählich knapp, da es sich bei aller Nostalgie eben doch um ein Nischenprodukt handelt: In Deutschland werden keine Kassetten mehr produziert. Weltweit gibt es nur noch einen wirklich großen Hersteller von Leerkassetten mit Sitz in Indonesien, diese Kassetten sind aber nicht für den europäischen Markt bestimmt. Auch gibt es immer weniger Konfektionierer, also Unternehmen, die leere Kassetten mit Musik bespielen und vermarkten. 

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