Jeder Mensch hat Geheimnisse Foto: HbrH/iStock/Thinkstock

Die Hosen sind eigentlich nicht Größe 36, wie man immer gerne sagt, sondern Größe 38, den Kuchen hat man ehrlich gesagt auch nicht selbst gemacht und heut Abend hat man leider keine Zeit, da man wichtige Besorgungen für die Schwiegermutter machen muss. Alles erstunken und erlogen, aber die anderes müssen ja nicht alles erfahren. Und dass man neulich gar nicht mit den Mädels aus war, sondern die Nacht mit dem sexy Barkeeper verbracht hat, muss man dem Partner auch nicht unbedingt auf die Nase binden …

Jeder von uns bewahrt Geheimnisse, ob es unsere eigenen sind oder die der besten Freundin. Doch aufgepassst, allzu viel Heimlichtuerei tut unserer Psyche gar nicht gut.

13 Geheimnisse

Ich? Geheimnisse? Niemals! Diese Aussage Ihres Gegenübers ist eine Lüge, denn Psychologen gehen davon aus, dass jeder Mensch durchschnittlich 13 Geheimnisse mit sich herumträgt. Die meisten Geheimnisse betreffen ein sexuelles Verlangen, Sehnsüchte nach bestimmten Personen oder Lügen. Von den 13 Geheimnissen sind durchschnittlich fünf so pikant, dass wir sie wirklich absolut niemandem erzählen möchten.

Im Schnitt behält man ein Geheimnis zweieinhalb Jahre lang für sich, dann verplappern wir uns entweder oder der Sachverhalt ist so unwichtig geworden, dass es ruhig alle wissen können – es interessiert eh niemanden mehr.

Geheimnisse gehören zum Leben dazu, doch sollte man achtgeben, dass man sich nicht zu viele aufbürdet, denn unsere Psyche leidet unter der Last der Heimlichtuerei.

Depressionen und Ängste

Wer belastende Geheimnisse mit sich herumträgt, ist laut Wissenschaftlern anfälliger für Depressionen und Ängste. In New York ging der Psychologe Slepian der Frage nach, wie stark Menschen von Geheimnissen belastet werden. 1.500 Menschen nahmen an der Studie teil. Das Ergebnis war erschreckend.

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Geheimnisse führen zu Depressionen und Ängsten Foto: Koldunov/iStock/Thinkstock

Selbstbestrafung

Slepian untersuchte die Auswirkungen von schwerwiegenden Geheimnissen, beispielsweise ein nicht gebeichteter Seitensprung. Diejenigen, die ihren Partnern nichts vom Seitensprung erzählt hatten, litten psychisch viel stärker unter ihrer Tat und bestraften sich im Alltag für ihren Fehler, indem sie sich selbst Schmerzen zufügten.

Langfristig kann so ein Verhalten zu Depressionen und Ängsten führen, andere Studien bestätigten dies. 

Denken blockiert

Ein Geheimnis zu hüten ist keine leichte Aufgabe und erfordert unsere Konzentration. Deswegen können Geheimnisse auch dazu führen, das unsere Denkleistung abnimmt, wie eine Studie der Universität Berkeley belegte. Probanden, die ein Geheimnis wahren mussten, schnitten bei der gestellten Denkaufgabe um 17 Prozent schlechter ab. Zusätzlich wurde ihre Motorik getestet, indem sie dazu aufgefordert wurden, einen Ball zu drücken. Die Teilnehmer, die ein Geheimnis hüteten, schnitten um 30 Prozent schlechter ab als die Vergleichsgruppe.

Höher, schwerer, länger

Diese Einbußen die kognitiven Leistungen betreffend konnten Slepian und sein Team bestätigen. Sie fanden heraus, dass Menschen mit Geheimnissen Hügel als höher, Distanzen als länger und körperliche Aufgaben als schwerer einschätzten, als sie eigentlich waren. Geheimnisse nehmen dem Leben die Leichtigkeit und das auf der ganzen Linie.

Beziehungen gefährdet

Besonders zwischenmenschliche Beziehungen leiden unter Geheimnissen. Wer etwas vor anderen verbergen muss, fühlt sich weniger authentisch, was zu einer generellen Unzufriedenheit führt.

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Wer seinem Partner etwas verheimlicht wird unzufrieden Foto: Kerkez/iStock/Thinkstock

Aus den Gedanken aus dem Sinn

Geheimnisse sind deswegen so belastend, weil wir sie die ganze Zeit mit uns herumtragen. Je häufiger wir daran denken, desto mehr unserer geistigen Kapazität opfern wir dafür und desto größer sind die Auswirkungen auf unsere Psyche.

Besteht die einzige Lösung nun darin, sein gut behütetes Geheimnis zu lüften und zu beichten? Die Forscher sagen nein, denn für die Gesunderhaltung der Psyche wäre es bereits ausreichend, wenn man aufhören würde, die ganze Zeit über das Geheimnis nachzudenken. Um das zu erreichen kann es helfen, sich wenigstens einer Person anzuvertrauen.

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Sein Geheimnis mit jemandem zu teilen wirkt befreiend Foto: deniskomarov/iStock/Thinkstock

Vertrauen

Geheimnisse sind nicht nur schlecht, sie zeugen auch von Vertrauen. Nicht umsonst vertraut man bestimmte Dinge nur seiner besten Freundin an, immerhin weiß man jede Heimlichkeit hier in den besten Händen.

Verrät man wenigstens einer Person sein Geheimnis, fühlt die sich nicht nur geehrt, sondern wir selbst empfinden Erleichterung und das Geheimnis wiegt schon etwas weniger schwer auf uns.

Wem seine psychische Gesundheit am Herzen liegt, sollte also ganz schnell seine beste Freundin oder bestem Kumpel anrufen und sich die Last von der Seele reden.

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