Dank Google Maps wissen wir immer, wo's lang geht Foto: javi_indy/iStock/Thinkstock

Über 90 % der Internetnutzer vertrauen ihre Suchanfrage Google an, 2 Billionen Anfragen gibt es weltweit jedes Jahr. Man selbst sucht etwa drei bis viermal täglich etwas mit der Suchmaschine, meist benutzen wir dafür nicht den Laptop, sondern unser Smartphone. Und dabei googeln wir alles und jeden: Wo bekomme ich diese tollen Schuhe am günstigsten, was soll ich am besten studieren, wie gelingt das perfekte 1. Date und wie putzt man eigentlich einen Kühlschrank? Da drängt sich schon die Frage auf: Wie konnte die Menschheit ohne Google überhaupt überleben? 

Google – mehr als nur Antwort auf die Frage

Google ist längst nicht mehr nur eine Suchmaschine, sondern beeinflusst unser gesamtes Leben. Mailprogramm, Smartphonebetriebssystem, Augmented Reality Apps, Google Maps und und und … Es gibt kaum einen Bereich unseres Alltags, den Google nicht beeinflusst und verändert. Praktisch ist das, keine Frage! Doch so geben wir auch immer mehr Kompetenzen an Google ab und verlernen die ein oder anderen nützliche Fähigkeit, ohne dass wir uns dessen überhaupt bewusst sind. Denn wer würde heutzutage schon eine Karte lesen, wenn Google Maps einen sicher ans Ziel lotst? Oder einfach einmal, ohne vorher 10 Restaurantkritiken gelesen zu haben, in ein Lokal gehen und mutig die Spezialität des Hauses bestellen? Irgendwie macht Google unser Leben so zwar einfacher, aber auch vorhersehbarer und langweiliger. Wir wissen steht's über alle Öffnungszeiten Bescheid, stehen so nie vor verschlossenen Türen, verirren uns nicht mehr in einer fremden Stadt und würden so Dinge entdecken, die wir mal nicht auf der To-do-Liste hatten. Ohne Google würde das Leben wohl mehr Überraschungen für uns bereithalten. 

Wissen wo suchen

Was ist wichtiger, Dinge auswendig zu wissen oder reicht das Wissen, wo und wie man am besten suchen muss, um die gewünschte Information zu erhalten? Verlieren wir dank Google die Fähigkeit, uns wichtige Informationen zu merken und wird Google so ein Teil unseres Gedächtnisses? Ist das nun schlecht und die Wissensmenge überfordert uns oder erweitert es unseren Horizont, da uns Unmengen an Informationen jederzeit kostenlos zur Verfügung stehen?  

Vergesslich und oberflächlich dank Google

Neurobiologen sehen die Auswirkungen der Onlinesuche auf unser Hirn kritisch. Das hat mehrere Gründe: Durch die unglaubliche Menge an Informationen, die uns das Internet bereitstellt, überfliegen wir Websites oberflächlich. Die Informationen werden heutzutage eher oberflächlich gescannt und gelangen nicht mehr ins Langzeitgedächtnis – wieso auch, man weiß ja, dass man jederzeit wieder Googel befragen kann. Doch das Langzeitgedächtnis hat eine wichtige Funktion, nur mit ihm sind wir zu komplexen Gedanken und kreativen Einfällen in der Lage. Interessanterweise ist unser Selbstbild aber ein völlig anderes: Wir sind nämlich davon überzeugt, dass wir persönlich dank Google über mehr gespeichertes Wissen verfügen. 

Google selektiert

Schon immer haben Menschen ihr Wissen ausgelagert. In einer Gemeinschaft war so einer dafür zuständig, sich sämtliche Geburtstage zu merken, den anderen konnte man hingegen verlässlich fragen, wann welches Gemüse Saison hat. Das bezeichnet die Wissenschaft als kollektives Gedächtnis. Für die Gruppe bedeutet das eine Effizienzsteigerung und eine höhere Informationsmenge. Heute ist Google unser kollektives Gedächtnis– schade eigentlich, so lässt man sich sicher das ein oder andere informative und lustige Gespräch mit Freunden durch die Lappen gehen. Das verpasste Gespräch ist weniger problematisch, man findet bestimmt noch hundert andere Themen über die man reden kann, das Problem liegt eher darin, dass Google die Suchergebnisse selektiert. Die Seiten mit den meisten Klicks landen ganz oben in der Trefferliste und werden dadurch von immer mehr Usern angeklickt – eine hochgerankte Seite muss schließlich seriös sein. So entsteht eine Aufwärtsspirale, und auch wenn das Internet uns unbegrenztes Wissen zur Verfügung stellen würde, kommen wir in der Realität selten über die ersten paar Suchergebnisse hinaus. Ob die Behauptung, das Internet würde unseren Horizont erweitern, da noch gerechtfertigt ist?

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