Fake News sind schon seit langem ein Problem Foto: seb_ra/iStock/Thinkstock

Am 25. April 1983 erklärte das Nachrichtenmagazin "Stern" Abdrucke der Tagebücher von Hitler zu besitzen – so dachten es die Zeitungsmacher wenigstens. Denn das Medium wartete die Echtheitsuntersuchung des Bundeskriminalamtes nicht ab und saß einer Fälschung des Betrügers Konrad Kujau auf. Der "Stern" veröffentlichte in den folgenden Tagen aber immer wieder Abdrucke der vermeintlichen Tagebücher und löste natürlich einen Skandal aus. Erst am 6. Mai wurde bekannt, dass es sich um Fälschungen handelte. Kujau wurde später zu vier Jahren Haft verurteilt, ein vom Gericht attestiertes Mitverschulden des Verlags und der Redaktion ließ die Strafe gering ausfallen. Doch nicht nur der "Stern" saß einer Falschmeldung auf, auch andere Zeitungen führten ihre Leserschaft – wissentlich oder unwissentlich – hinters Licht.

1.  Chruschtschow ist tot

Im April 1964 verkündete die deutsche Presseagentur den Tod des damaligen sowjetischen Ministerpräsidenten Chruschtschow. Er sei vier Tage vor seinem 70. Geburtstag an den Folgen einer akuten Hephocapalytirosises gestorben. Was genau das sein sollte, wusste niemand, doch natürlich druckten alle Zeitungen die Meldung ab – die dpa gilt schließlich als vertrauenswürdige Quelle. Nur saß in diesem Fall leider die Presseagentur selbst einer gefakten Meldung auf, denn der Präsident lebte und die Krankheit Hephocapalytirosises gibt es schlicht und ergreifend nicht. Wer für diese Falschmeldung verantwortlich ist, konnte bis heute nicht geklärt werden.

2. Beyoncé und der Butterpreis

Der "Neon"-Redakteurs Ingo Mocek war wohl ein großer Fan der heißblütigen Sängerin Beyoncé. Er führte bereits einige Interviews mit ihr und im Jahr 2010 schien es wieder so weit zu sein, denn der Neon druckte ein neues Beyoncé-Interview von Mocek ab – nur blöd, dass Mocek die Sängerin damals nicht traf, sondern das Interview komplett erfunden hatte. Für die Einleitung dachte er sich übrigens etwas besonders Originelles aus: Er fragte seine imaginäre Interviewpartnerin nach dem aktuellen Butterpreis, woraufhin Fantasie-Beyoncé erklärte, Butter spiele in ihrem Leben keine zentrale Rolle.

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Für Butter interessiert sich Beyoncé angeblich nicht Foto: Chase Rollins / PA / picturedesk.com

3. Jimmy's World

Die "Washington Post" weiß, wie man Leser gewinnt: Mit rührseligen und emotionalen Geschichten, die unter die Haut gehen. Die Reportage "Jimmy's World" konnte besonders viele Leserherzen erweichen, schließlich ging es um einen achtjährigen Jungen, der heroinabhängig war. Die Journalistin Janet Cooke erhielt für die Reportage sogar den Pulitzer-Preis. Die Medien berichteten so auch über die Journalistin selbst und es fiel auf, dass ihr offizieller Lebenslauf nicht mit den Angaben in ihrer Bewerbung für den "Washington Post" übereinstimmte. Irgendwann verdichteten sich die Ungereimtheiten und Janet Cooke gestand, sich nicht nur ihren Lebenslauf aufgehübscht zu haben, sondern auch die Geschichte von Jimmy erfunden zu haben. Ihre Journalistenkarriere war damit zu Ende und sie verdiente ihren Lebensunterhalten von nun an als Verkäuferin.

4. Gunther IV.

Kein Adliger, sondern ein – angeblich – steinreicher Hund verbirgt sich hinter diesem Namen. Als Gräfin Carlotta Liebenstein 1991 verstarb, hinterließ sie angeblich ihr gesamtes Vermögen ihrem geliebten deutschen Schäferhund mit dem doch so adelig klingenden Namen Gunther IV. Auf einen Schlag war der Hund weltberühmt, sämtliche Zeitungen berichteten darüber und wollten ein Bild des betuchten Rüden erhaschen. Seinen Reichtum stellte dieser aber gar nicht protzig zur Schau, sondern sah so normal aus wie jeder andere Schäferhund auch. Erst drei Jahre später erklärten die Nachlassverwalter, dass Gunthers Vermögen sich einzig und allein auf sein großmütiges Hundeherz belaufe, den Rest habe man als Scherz erfunden.

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Foto: WilleeCole/iStock/Thinkstock

5. Prinzessin Dianas angebliche Affäre

Im Oktober 1996 verkündete die "The Sun" Prinzessin Diana beim Turteln mit Armeeoffizier James Hewitt erwischt zu haben. Die Zeitung bebilderte die Aussage natürlich, schließlich will man ja Beweise liefern! Und tatsächlich konnten die Leser eine blonde Frau auf den Bildern erkennen, die aussah wie Diana – auf den ersten Blick jedenfalls. Denn in Wahrheit handelte es sich hier um die Schauspielerin Nicky Lilley, die der Prinzessin der Herzen zum Verwechseln ähnlich sieht.  Kurz darauf sah die "The Sun" ihren Irrtum ein und entschuldigte sich öffentlich. 

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