Eine Glas Wein am Abend: Eine gute Idee? Foto: bowie15/iStock/Thinkstock

Noch fünf Stunden schlafen … noch vier … nur noch drei Stunden, dann läutet der Wecker. Jetzt aber dalli, einschlafen, sofort!

Wer unter Schlafmangel leidet, kennt die immer gestresster werdenden Blicke auf den Wecker, spürt den dringenden Wunsch, jetzt endlich einschlafen zu können. Meistens klappt das dann auch – eine halbe Stunde bevor dieser vermaledeite Wecker dann wirklich klingelt. Gerädert beschließt man, so eine geplagte Nacht nicht noch einmal durchzumachen und sich am Abend ein schönes Glas Rotwein zu gönnen! Danach schläft man schließlich wie ein Baby – oder etwa nicht?

Besser einschlafen, schlechter durchschlafen

Umfragen in den USA ergaben, dass immerhin jeder fünfte Erwachsene gelegentlich mit einem kräftigen Schluck den erwünschten Schlaf herbeitrinkt. In der Tat ist an dem Mythos, ein Glas Wein beim Schlafen hilft, teilweise etwas Wahres dran. Ein Schlummertrunk kann wirklich dabei helfen, selig einzuschlafen – nur leider wird man einige Stunden später mit ziemlicher Sicherheit wieder wach werden. Wer eine entspannte, durchgängige Nachtruhe wünscht, sollte lieber nicht zu tief ins Glas schauen.

shjkg-.jpg
Man möchte doch nur einschlafen Foto: KrisCole/iStock/Thinkstock

Adenosin

Mahesh Thakkar untersuchte an der University of Missouri die Auswirkungen von Alkohol auf den Schlaf. Seine Ergebnisse sind eindeutig: Alkohol hilft zwar beim Einschlafen, stört aber die Tiefschlafphasen. Grund dafür ist der Botenstoff Adenosin.

Adenosin ist ein Neurotransmitter, der uns schläfrig werden lässt. Noch einmal herzhaft gähnen und dann ab ins Bett, wie angenehm. Ein abendliches Glas Wein hilft dem Körper dabei, die Adenosinkonzentration im Körper zu erhöhen. Bis jetzt würde der Plan al jener, die nach Schlaf dürsten, also aufgehen.

Doch die künstlich erhöhte Menge Adenosin führt im Laufe der Nacht dazu, dass sich der Schlaf-wach-Rhythmus verschiebt. Nach einigen schönen Stunden im Traumland erwacht man so um drei Uhr morgens erneut in der bitteren Realität und führt dasselbe Tänzchen mit dem Wecker wie letzte Nacht – ob man heute wachbleiben wird, bis er klingelt?

weind.jpg
Man schläft ein, aber nicht durch Foto: Thiago Santos/iStock/Thinkstock

Schnell betrunken?

Das individuelle Schlafbedürfnis und die Verträglichkeit von Alkohol hängen übrigens zusammen. Auch diesmal ist das Adenosin der Grund dafür.

Wenn Sie zu den Menschen gehören, die schon nach einem Gläschen rote Bäckchen und ein seliges Lächeln bekommen, dann vertragen sie nicht nur Alkohol nicht besonders gut, sondern leiden auch verstärkt unter einem Schlafdefizit.

In einer Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und dem Forschungszentrum Jülich konnten Wissenschaftler zeigen, dass es aufgrund des Adenosins einen Zusammenhang zwischen der Verträglichkeit von Alkohol und dem Umgang mit einem Schlafdefizit gibt. Wer bei der Studie eine größere Menge Alkohol locker wegstecken konnte, der hatte auch mit zu wenig Schlaf kaum Probleme. Hingegen waren Probanden, die schnell betrunken wurden, auch nach einer zu kurzen Nacht müde und ihre Reaktionen waren verlangsamt.

Tun kann man dagegen laut Forschern übrigens nichts, wie genau das komplexe System rund um das Adenosin im Körper wirkt, ist in unserem Erbgut festgelegt.