Schöne heile Welt: Auf Instagram kann man sich inszenieren, wie man möchte Foto: Rohappy/iStock/Thinkstock

Lisette Calveireo ist eine von vielen Instagram-Stars, die ihre perfekten Fotos mit uns Normalsterblichen teilen – wir fühlen uns geehrt, nehmen mit Freude Anteil und verfolgen interessiert, ob es denn zum Frühstück einen biozertifizierten Frischkäsebagel mit selbst gezogenen Sprossen gab oder ob es doch das neuste Chiasamen-Porridge mit Avocado-Knäckebrot aus dem trendigen Laden im Stadtzentrum (zweistündige Anreise erforderlich) wurde. Mit genügend Filtern bearbeitet sind bestimmt beide Varianten fototechnisch ein Hit – dass viele Lokalbetreiber darüber klagen, dass Instagrammer ihren Laden stürmen, die ganze Karte bestellen, die Gerichte penibel abfotografieren, dann allerdings keinen Bissen davon essen (man darf ja nicht zunehmen, schließlich zeigt das nächste Foto im Account schon den perfekten Beachbody) und alles im Müll landet, erfährt man auf dem sozialen Netzwerk nichts. Der Schein hat Vorrang. Dass aus Schein Realität wird, erhoffte sich Lisette Calveireo, widmete ihr Leben dem perfekten Foto und verschuldete sich.

Alles Schein

Mit Anfang 20 zog Lisette Calveireo von Miami nach New York – das musste natürlich für die Ewigkeit festgehalten werden. Am besten teilt man die Bilder dann auf Instagram, so können die Freunde in Miami staunen, was man im Big Apple alles erlebt und vielleicht kann man ja auch den ein oder anderen Follower dazugewinnen. So jedenfalls der Plan. Nur blöd, dass ein inszeniertes Leben ordentlich zu Buche schlägt und Calveireo als Praktikantin gerade einmal eine Fahrtkostenpauschale erhielt. Da ist tägliches frühstücken außer Haus mit frisch gepresstem Orangensaft um 8 Dollar das Glas nun mal nicht drin – außer, man stellt sich mit seinem Bankberater gut.

Ein Leben auf Pump

Lisette Calveireo nahm einen Nebenjob an, bekam von der Bank Kredit gewährt und "investierte" das Geld in Designerklamotten und Luxusreisen. Ihre Erlebnisse teilte sie dann auf Instagram, die Zahl ihrer Follower erhöhte sich – bald würden sicher die ersten namhaften Firmen auf sie aufmerksam werden, als wichtige Influencerin erkennen und ihr all die teuren Luxusgüter gratis zur Verfügung stellen. So der Traum der jungen Frau. Das böse Erwachen kam, als keine der großen Firmen Interesse an ihrer Person zeigte, sie mittlerweile aber 10.000 Dollar Schulden angehäuft hatte. Der Weckruf ereilte sie noch früh genug, sie entkam der Scheinwelt, fuhr ihren Lebensstandard drastisch herunter und zahlte ihre Schulden zurück.

Schlecht für die Gesundheit

Ein Like bringt uns dazu, mehr Oxytocin auszuschütten – kein Wunder, dass man sich immer und immer wieder auf die Jagd nach dem perfekten Foto macht, das man seiner Fangemeinde präsentieren kann. Aber Instagram ist auch für schlechte Gefühle verantwortlich: Wer ständig nur die perfekt scheinenden Fotos der anderen sieht, ist mit seinem eigenen Leben nur allzu schnell unzufrieden.

Scheinwelt

Dabei sollte man sich nicht zu schnell täuschen lassen. Jedes Bild ist nur ein kurzer Ausschnitt und so wie Lisette Calveireo geht es vielen vermeintlich finanzkräftigen Instagrammern. Blättert man ein Modemagazin durch, weiß man, dass alle Bilder retuschiert sind, auf Instagram scheint man das jedoch gerne zu vergessen und glaubt, das Foto entspricht der Realität. Zum Glück gibt es mittlerweile Gegentrends, die zeigen, was das richtige Timing und die vorteilhafteste Pose ausmachen.

Ist es das wert?

Für wen inszeniert man sich eigentlich? Für Hunderte unbekannte Follower, die man gar nicht kennt und die einem eigentlich auch nichts bedeuten? Zählen nicht andere Dinge im Leben mehr? Beim nächsten Foto mit seinen Liebsten sollte man vielleicht einfach einmal versuchen, im Hier und Jetzt den Moment zu genießen und als schöne Erinnerung festzuhalten und sich nicht schon fragen, wie viele Likes es wohl auf Instagram bringen wird.