Soll man einen Neuanfang wagen oder ist das von vornherein keine gute Idee? Foto: Jupiterimages/PHOTOS.com>>/Thinkstock

Gründe für eine Trennung gibt es viele, Gründe für ein Liebesrevival allerdings auch. Die beste Freundin wird einem meist davon abraten (zu viel Kummer hat man im Laufe der Beziehung bei ihr abgeladen), man selbst ist ebenso hin- und hergerissen: Schließlich gab wundervolle Momente in der Beziehung, aber die Trennung kam auch nicht von ungefähr. Kann das gut gehen, dieser Beziehung noch eine zweite Chance zu geben oder sollte man vom Ex-Partner prinzipiell die Finger lassen?

Ende gut – oder ist nun gar nichts mehr gut?

So ein Beziehungaus kann einen in eine tiefe Krise stürzen. Plötzlich ist man alleine, fühlt sich einsam und fragt sich: "Wie konnte das nur passieren?" Man war doch so verliebt. Dabei hat man aber vielleicht viele Warnzeichen übersehen, besonders Männer nehmen die Anzeichen während der Beziehung nicht ernst und fallen dann bei einer Trennung aus allen Wolken. Plötzlich erfährt man mit voller Wucht, was ein Leben ohne den anderen bedeutet.

Jeder Zehnte wünscht sich den Ex-Partner zurück

Mit dem Wunsch, der alten Beziehung eine zweite Chance zu geben, steht man übrigens nicht alleine da. Eine Umfrage ergab, dass 11 % der Singles eine erneute Beziehung mit ihrem Ex für möglich halten. Mehr als 12 % der Befragten hatten sogar schon einmal Sex mit dem Ex. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Ist es nur die Angst vor dem Alleinsein, ist es allerdings keine gute Idee, wieder zum ehemaligen Partner zu laufen. Vielleicht sollte man sich in so einem Fall lieber Zeit geben und dann nach einem neuen Partner Ausschau halten. Eine deutsche Studie zeigte nämlich, dass Menschen ihren Ex erst dann wirklich loslassen, wenn sie eine neue Beziehung beginnen. Da wäre eine Rückkehr in die alte Beziehung zu voreilig gewesen. Ob eine zweite Chance in der Liebe funktionieren kann, hängt nämlich immer von den Gründen für das Liebesrevival ab. 

Illusionen sind unerwünscht

Finanzielle Gründe, die Angst vor dem Alleinsein, den Kindern zuliebe – kehrt man aus diesen Gründen wieder zum Ex-Partner zurück, stehen die Chancen schlecht. Auch wer sich blind Tagträumen hingibt und sich denkt, dass diesmal sicher alles besser wird, ist mit einem Liebesrevival nicht gut beraten. Denn die Gründe, die zur Trennung geführt haben, werden auch diesmal über kurz oder lang zu einer neuerlichen Trennung führen. Sie möchte Familie, er nicht? Dann kann eine Beziehung auch beim zweiten Versuch nicht von Dauer sein. Laut Paarpsychologen ist eine erneute Beziehung nur dann erfolgreich, wenn beide Partner in sich gehen, sich Fehler eingestehen und bereit für Veränderungen sind. Ein klärendes Gespräch, in dem alte Probleme offen diskutiert werden, ist zwingend notwendig. Hat man diese zur Zufriedenheit von beiden Partnern erörtert, kann man einen Neuanfang wagen. Unabdingbare Voraussetzung ist aber, dass man absolut ehrlich ist und nichts beschönt. Nur wenn beide Partner wirklich den Wunsch hegen, es noch einmal zu versuchen und bereit sind, aufrichtig an sich zu arbeiten, kann es funktionieren. Dann bringt eine zweite Chance in der Liebe durchaus auch Vorteile mit sich:

1. Eine Trennung als Weckruf

Eine Trennung muss nicht immer das Ende bedeuten, sondern kann auch einen Neuanfang einläuten. Nur durch das Beziehungsaus konnte man erfahren, wie das Leben ohne den anderen wirklich ist. Auch wenn eine Trennung bereits lange Zeit drohend im Raum stand, erst wenn es tatsächlich dazu kommt, erfährt man den Schmerz mit aller Wucht. Das kann dazu führen, dass man einen Punkt erreicht, an dem man tatsächlich bereit ist, sich zu ändern. In so einem Fall war eine Trennung ein notwendiger und heilsamer Weckruf! 

2. Keine bösen Überraschungen

Wer mit dem Ex einen zweiten Versuch wagt, erlebt – anders als beim ersten Mal – keine bösen Überraschungen mehr. Auch wenn Jahre zwischen der Trennung und dem neuerlichen Versuch liegen, beide Partner sich beruflich verändert haben und man allgemein etwas älter geworden ist – bestimmte Macken bleiben bestehen! Ein unverbesserlicher Chaot wird nicht plötzlich zum Ordnungsfanatiker, ein verschlossener Charakter, der ungern über Gefühle spricht, wird nicht auf einmal mit einer Packung Taschentücher in der Hand über sein Innenleben philosophieren. Sind einem die Eigenheiten des anderen jedoch bewusst und hat man sich dafür entschieden, diese in Kauf zu nehmen und einen zweiten Versuch zu wagen, so können einen diese wenigstens nicht mehr unvorhergesehen aus der Bahn werfen, schließlich wusste man ja genau, auf was man sich einlässt. 

3. Probleme sind oft selbstgemacht

Manchmal denken wir, der Partner hat Schuld an all den Beziehungsproblemen – hätte man nur einen neuen, wäre alles gut und man wäre der glücklichste Mensch der Welt. Wäre eigentlich recht praktisch, denn man selbst wäre stets das absolute Unschuldslamm und müsste nicht an sich und seinem Charakter arbeiten. Nur leider (oder zum Glück) ist es in der Realität so, dass beide Partner ihren Anteil an den Beziehungsproblemen haben. Und seine persönlichen Probleme nimmt man in eine neue Beziehung mit. Deswegen ist es häufig so, dass in einer neuen Partnerschaft immer wieder die gleichen Probleme auftauchen. Erst wenn man bestimmte Dinge mit sich selbst ins Reine gebracht hat, können sich diese Probleme auflösen. Und dafür braucht es keinen neuen Partner, sondern nur sehr viel Ehrlichkeit und guten Willen sich selbst gegenüber.