Humor ist, wenn man trotzdem lacht Foto: chairboy/iStock/Thinkstock

In Kramsach in Tirol gibt es ein Museum der besonderen Art: 900 makabre, lustige, morbide, haarsträubende, alberne, gruslige und erheiternde Inschriften von Grabkreuzen hat Hans Guggenberger mit seiner Familie in den letzten 60 Jahren gesammelt und in liebevollster und finanziell aufwendiger Kleinstarbeit restauriert. Der Besuch des Museumsfriedhofs kann eine erheiternde Angelegenheit sein, wer allerdings nicht über genügend Humor verfügt, läuft schnell Gefahr, leichenblass zu werden.

Sprechende Steine

Grabsteine kannten schon die alten Römer, der Brauch, in knackig formulierten Inschriften näher auf das Leben der Verstorbenen einzugehen, kam aber erst im 17. Jahrhundert auf und hielt bis ins 19. Jahrhundert an. Diese sogenannten "sprechenden Steine" erzählen – im Museum in Tirol meist in derber Reimform – die Geschichten oder Todesursachen derjenigen, die zu ihren Füßen bzw. unter ihren Sockeln liegen.  Sogenannte "Täfelemaler" waren für die kunstvolle Gestaltung der Inschriften zuständig und sie waren zu dieser Zeit oft die einzigen, die des Schreibens überhaupt mächtig waren. Nun stellt sich natürlich die Frage, ob die Hinterbliebenen die Inschriften überhaupt lesen konnten, bei Sprüchen wie "Hier liegen meine Gebeine, ich wollt es wären deine", wäre es aber wahrscheinlich sogar von Vorteil, nicht all zu viel davon entziffern zu können.

Grabstein 2.0

Auf den ersten Blick mögen solche Grabinschriften befremdlich wirken, die Idee, auf einem Grabstein den Friedhofsbesuchern die Lebensgeschichte des Verstorbenen näherzubringen, ist heute dank moderner Technik allerdings aktueller denn je. Doch anstatt auf kurze Sprüche in Reimform setzt man heutzutage auf QR-Codes, die in die Grabsteine – übrigens Großteilss Importware aus Indien – eingraviert werden. Das Smartphone kann einem so nicht nur die Geschichte sowie persönliche Bilder des Verstorbenen zeigen, sondern das ganze auch noch mit – dem Anlass natürlich angemessen– Musik untermalen. Da bleibt kein Auge trocken – bei diesen gnadenlos ehrlichen Grabinschriften aus längt vergangenen Tagen allerdings auch nicht!

 

"Hier ruht Martin Krug, der Kinder, Weib und Orgel schlug"
 

"Hier ruht Josef Binder. Er hat mit allzuvieler Gier, das helle und das dunkle Bier,

in seinen Körper hineingegossen und damit sein Leben beschlossen."
 

"Unter diesem Rasen liegt die versoffene Kupferschmied Nasen"
 

"Es liegt begraben die ehrsame Jungfrau Nothburg Nindl, gestorben ist sie im siebzehnten Jahr just als sie zu brauchen war."
 

"Hier ruht der Brugger von Lechleithen, er starb an einem Blasenleiden,

er war schon je ein schlechter Brunzer, drum bet für ihn ein Vaterunser."
 

"Hier liegt mein Weib Gott seis gedankt, oft hat sie mit mir gezankt.

O lieber Wanderer geh gleich fort von hier, sonst steht sie auf und zankt mit Dir."
 

"Hier ruht mein lieber Arzt, Herr Grimm, und alle, die er heilte, neben ihm."
 

"Aufigschtieg'n, obagfall'n, hin gwös'n"
 

"Hier ruht Franz Josef Matt, der sich zu Tod gesoffen hat.

Herr gib ihm die ewige Ruh‘ und ein Gläsle Schnaps dazu."
 

"Hier liegt Johannes Weindl, er lebte wie ein Schweindl,

gesoffen hat er wie eine Kuh, der Herr geb ihm die ewige Ruh."
 

"Hier liegt die Jungfrau Rosalind geboren als ungewünschtes Kind,

ihr unbekannter Vater war Kapuziner-Pater."

Lachen erlaubt?

Bei dieser Auswahl an skurrilen Grabinschriften kann man sich beim besten Willen das ein oder andere Schmunzeln nicht verkneifen, doch muss man sich nun schuldig fühlen? Ist der Tod nicht eigentlich etwas, über das man nun wirklich keine Witze reisen sollte? Wer nach dieser lockeren Grabsteinlektüre mit seinem Gewissen hadert, sollte wissen, dass Humor und Tod keine Gegensätze sind. Befragungen von Ärzten auf Palliativstationen ergaben, dass eine ordentliche Prise Humor einer der wichtigsten Schutzfaktoren gegen ein Burnout ist. Wer mit dem Thema Tod auch mal humorvoll umgeht, ist keineswegs pietätlos, sondern schafft eine schützende Distanz, die es einem erleichtert, mit dem Thema überhaupt umgehen zu können.

Todesangst macht kreativ

Eine amerikanische Studie mit 117 Probanden zeigte, dass Menschen, werden sie unterbewusst mit dem Thema Tod oder Schmerz konfrontiert, automatisch humorvoller und kreativer werden. Manche der Teilnehmer bekamen am Bildschirm für 33 Millisekunden das Wort "Tod" oder das Wort "Schmerz" eingeblendet, die Vergleichsgruppe musste hingegen eine kurze Abhandlung über den eigenen Tod oder über Zahnschmerzen schreiben. Anschließend mussten alle vier Gruppen möglichst lustige Überschriften für einen kurzen Comic erfinden, die dann von einer unabhängigen Jury bewertet wurden. Das Ergebnis: Die Beiträge der Probanden, die unterbewusst mit dem Wort "Tod" konfrontiert wurden, wurden allgemein als humorvoller beurteilt. Laut den Forschern kann Humor somit dabei helfen, latent stets vorhandene Ängste besser tolerieren zu können, um so überhaupt seinen Alltag meistern zu können. Diesen Umstand formulierte schon der römische Kaiser Mark Aurel treffend in dem Zitat: "Der Tod lächelt uns alle an, das einzige, was man machen kann, ist zurücklächeln."