Lieder, bei denen wir lauthals mitsingen können, werden besonders gerne zu Ohrwürmern Foto: Pexels

Plötzlicher ist er da, ohne Vorwarnung, setzt sich fest, quält und will einfach nicht mehr gehen: Ein Ohrwurm kann wahrlich hartnäckig sein und ist schwer wieder loszuwerden (also nicht wundern, wenn Sie während des Lesens immer noch den bekannten Weihnachtssong im Kopf haben). Es gibt aber gute Nachrichten: Meist werden Lieder, die man mag, zu Ohrwürmern. 

Was wird zum Ohrwurm?

Die Frage stellen sich wohl alle Musiker. Wie muss ein Song konzipiert sein, damit er leicht ins Ohr und schwer wieder raus geht? Am besten funktioniert dies bei Songs mit eingängigen Grundmelodien, wie sie auch in Kinderliedern vorkommen. Das Hauptmotiv besteht meist aus drei Tönen. Zu oft darf dieses aber auch nicht wiederholt werden, sondern nach zwei bis drei Wiederholungen braucht das Gehirn etwas Neues. Überraschende Sprünge helfen dabei, den Song in einen Ohrwurm zu verwandeln. Eine Studie ergab zum Beispiel, dass "Bad Romance" von Lady Gaga alle Voraussetzungen für den perfekten Ohrwurm erfüllt. Je öfter ein Song im Radio gespielt wird, desto eher wird er dann auch zum Ohrwurm. Ebenso wichtig ist der Text – irrelevant ist dabei, ob man diesen auch richtig versteht oder amüsante Verhörer zustande bringt. Aber ein Instrumentalstück hat weniger gute Chancen, sich in die Köpfe der Menschen zu bohren. 

Wieso kommt der Ohrwurm so plötzlich?

Untersuchungen zeigten, dass Ohrwürmer besonders dann auftreten, wenn das Arbeitsgedächtnis entlastet ist und man einer Routineaufgabe nachgeht, beispielsweise Autofahren. Hört man dabei Radio und kommt mitten in einem Song am Ziel an und steigt aus dem Auto, spielt auch der Zeigarnik-Effekt eine Rolle bei der Entstehung von Ohrwürmern. Dieser Effekt besagt, dass man sich besser an unterbrochene Gedanken, Aufgaben oder eben Musikstücke erinnert, als an abgeschlossene Aktivitäten. So versucht das Hirn also automatisch, den unterbrochenen Song fortzusetzen.

Wieso sind Ohrwürmer so hartnäckig?

Der Zeigarnik-Effekt erklärt auch, wieso Ohrwürmer so unglaublich hartnäckig sein können. Denn schließlich hat kaum einmal jemand ein komplettes Musikstück im Kopf, sondern nur einzelne Passagen, beispielsweise den Refrain von "Let it Be" von den Beatles … Das Gehirn kann das Lied also nie zu Ende bringen und damit abschließen, und unsere Gedanken kehren unablässig zum Refrain zurück. 

Wie bekommt man den Wurm im Ohr wieder weg?

Jetzt wissen wir zwar, wie Ohrwürmer entstehen, ist man aber akut von einem befallen, interessiert einem mehr, wie man ihn wieder wegbekommt. Die Wissenschaft präsentiert uns eine einfache Lösung: Das Arbeitsgedächtnis muss aktiviert werden, so wird der Ohrwurm verscheucht. Als Kammerjäger eignet sich besonders gut ein einfaches Sudoku. Denn zu hoch sollte die Anstrengung für das Gehirn auch nicht sein, dann würde nämlich wieder der Wurm die Herrschaft an sich reißen. Wer grad keinen Rätselblock zur Hand hat, kann auch auf einem Kaugummi kauen. Durch die Bewegung werden im Hirn die Bereiche aktiviert, die für das Sprechen zuständig sind und der lästige Ohrwurm verschwindet.