Serie statt Sex?  Foto: David-Prado/iStock/Thinkstock

Was für ein Tag: Morgens schon im Stau gestanden, im Büro von Mails und Anrufen bombardiert worden und mittags zu spät in die Kantine gekommen – na Mahlzeit. Um so schöner, wenn man dann abends nach Hause kommt und gemeinsam mit seinem Schatz auf der Couch vor dem Fernseher kuscheln kann. Man sieht die Nachrichten, später vielleicht Sport, eine Castingshow oder doch die informative Doku – die Wahl des passenden Programms hängt davon ab, wer gerade die Kontrolle über die Fernbedienung innehat –, doch irgendwann wird es dann doch Zeit fürs Bett, schließlich will man am nächsten Tag ja wieder fit sein. So begibt man dann gegen zehn ins Schlafzimmer und eigentlich könnte man doch ein wenig mit seinem Partner kuscheln und eventuell auch … Doch nein: Immer mehr Menschen ziehen spätabends die Intimität ihrer Serienhelden derjenigen ihres Partners vor!

Netflix statt Sex?

Streaming-Dienste sind so beliebt wie nie zuvor! Bereits die Hälfte der Deutschen nutzt entweder Netflix, Amazon Prime oder Sky, besonders bei den Jungen sind die Dienste beliebt. Eine Studie der Lancaster University untersuchte nun, wie wir mit Streaming-Diensten auf mobilen Endgeräten umgehen. Dazu wurde auf 400 Tablets und Smartphones der Datenverkehr gemessen. Zusätzlich dazu mussten die Teilnehmer ein Tagebuch führen und darin ihr Nutzerverhalten dokumentieren. Und dabei fiel den Forschern auf: Das Streamen von Serien und Filmen kollidiert mit unserem Sexualleben: Anstatt Sex gibt es im Bett nun die neuste Folge der geliebten Serie.

Das Wort mit S …

Lautet nun wohl Serie. Denn die Forscher entdeckten, dass besonders die Zeit zwischen zehn und elf Uhr abends dazu genutzt wird, Serien und Filme auf Tablets und Co. zu streamen. Durch die Tagebucheinträge der Probanden wusste man: Die meisten lagen um diese Zeit schon gemütlich in ihrem Bett und beschäftigten sich lieber mit dem düsteren Krimi oder der flotten Comedyserie als mit dem realen Menschen an ihrer Seite. Blöd nur, dass genau dieses Zeitfenster – früher muss man wohl sagen – dazu genutzt wurde, Sex zu haben. Für die Forscher der Lancaster University ist diese erhöhte Nutzung zwischen zehn und elf Uhr abends ein klarer Hinweis dafür, dass Streaming-Dienste einen negativen Einfluss auf unser Sexualleben haben können. Professor Spiegelhalter von der Universität Cambridge warnte bereits vor Jahren, dass dieser ständige und zeitlich flexible Zugang zu TV-Inhalten einen negativen Einfluss auf unser Liebesleben haben könnte.

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Gemeinsam statt jeder für sich Foto: bernardbodo/iStock/Thinkstock

Millenials haben keine Lust

Die Ergebnisse und Befürchtungen der Forscher decken sich auch mit anderen Studienergebnissen. Die Generation Y, also alle zwischen 1980 und 2000 Geborenen, haben tendenziell weniger Sex. Jeder achte Amerikaner zwischen 20 und 24 hatte seit Jahren keinen Sex mehr, eine Umfrage mit 16.000 Teilnehmern ergab sogar, dass einer von acht mit 26 Jahren noch Jungfrau ist. Den Jungen scheint die Lust also gehörig abhandengekommen zu sein – ob die alleinige Schuld daran spannende Serienformate haben, darf allerdings bezweifelt werden.

Serien als Beziehungsretter

Denn es gibt auch andere Studien, die zeigen: Das gemeinsame! Schauen von Serien kann Paare durchaus einander näher bringen! Sieht man sich mit seinem Partner gemeinsam eine Serie an, in der Beziehungskonflikte gezeigt werden und thematisiert diese anschließend mit seiner besseren Hälfte, zeigt man Bereitschaft, an der Beziehung zu arbeiten und fühlt sich mit dem anderen stärker verbunden. Serien von Grund auf zu verteufeln ist also unangebracht, viel eher geht es um den richtigen Umgang damit. Wer Folge um Folge mit seinem Partner gemeinsam schaut und hin und wieder auch einmal ganz wagemutig den Aus-Schalter betätigt, ist sicher auf dem richtigen Weg!

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