Die unbeliebteste First Lady Foto: Chris O'Meara / AP / picturedesk.com

Eigentlich müssten die Medien über Melania Trump jubeln. Immerhin ist sie die erste First Lady mit einem echten Migrationshintergrund. Und auch eine Karriere kann die 46-Jährige vorweisen. Als sie noch Knauss hieß, hat sie in Mailand, ­Paris und New York als Model gearbeitet, als Mannequin, wie das früher hieß. Aber das leicht anrüchige Metier ist halt nicht gerade das, was sich das politische korrekte Milieu als Betätigungsfeld einer emanzipierten Frau vorstellt.

Idealbild Obama

Ganz anders Michelle ­Obama: Als Harvard-Absolventin und Anwältin verkörpert sie das Idealbild der Karrierefrau, die sich in der Welt der Männer behauptet. Und dabei auch noch gut aussieht, eine Ehe auf Augenhöhe führt und Mutter zweier Töchter ist. Melania Trump wird vorgeworfen, dass sie sich einen Milliardär geangelt habe und als gelifteter Aufputz in einem goldenen Käfig im Trump Tower hocke – quasi der fleischgewordene gesellschaftliche Rückschritt.

Vorbild Jackie

Und auch ihr Auftritt bei der Amtsein­weihung in Washington fiel durch. Mit ihrem himmelblauen, Ralph Lauren-Zweiteiler habe sie ja bloß die Eleganz von Jackie Kennedy kopiert, raunzten die Kritiker. In der Tat scheint sich Melania Trump an das Selbstverständnis der bildschönen Vorgängerin anlehnen zu wollen. John F. Kennedys Gattin sah sich in erster Linie als Ehefrau und Mutter. Obwohl sie vor ihrer Heirat als Journalistin und Verlagslektorin gearbeitet hatte, legte sie ihre Rolle als First Lady sehr traditionell an, als charmante Gastgeberin, Reisebegleiterin und Mode-Ikone.

Große Freiräume

Welchen Einfluss hatten die First Ladies über die Schuh- und Hutmode hinaus? Welche Macht haben sie? Jene, die sie sich selber herausnehmen, sagt die US-Journalistin und langjährige Korrespondentin im Weißen Haus, Kate A. Brower, die das Buch „First Women“ über die Präsidentengattinnen von den 1960er-Jahren bis heute geschrieben hat. Obwohl kein Gesetz die Pflichten und Befugnisse der First Lady regle, im Grunde nichts vorgeschrieben sei, biete das Leben in der Schaltzentrale einer Weltmacht naturgemäß die Möglichkeit, sich in die Weltgeschichte einzumischen.

Die Engagierteste

Eine, die das unbedingt wollte, war Rosalynn Carter, die Gattin von Jimmy Carter. Als Einzige ­aller First Ladies nahm sie an Kabinettssitzungen teil, erzählt Buchautorin Brower. Dass Rosalynn einen großen Beitrag zur Lösung des Nahostkonflikts geleistet hat, wird allgemein anerkannt. Sie hatte sich eng mit dem ägyptischen Präsidenten Anwar as-Sadat und dessen Frau angefreundet und ging mit dem Paar sogar Skilaufen. Scheinbar nur eine Fußnote, aber ihre Charmeoffensive trug wesentlich dazu bei, dass sich die Präsidenten Israels und Ägyptens in Camp David auf ein ­Friedensabkommen einigten.

Der Hausdrachen

Eine sehr aktive Rolle spielte auch Nancy Reagan – vor allem indem sie kontrollierte, mit welchen Leuten sich der Staatschef umgab. Die Präsidentengattin wurde hinter vorgehaltener Hand „die Personalabteilung“ genannt. In der Öffentlichkeit galt Nancy Reagan als kaltschnäuzig und unnahbar. In der Presse wurde sie acht ­Jahre lang verrissen, was aus heutiger Sicht nicht ganz ­gerecht ist, weil sie sich bei Ronnie für einen Friedens­dialog mit der Sowjetunion einsetzte. So setzte sie etwa durch, dass ihr Mann den Hardliner William Clark als Sicherheitsberater feuerte.

Die Ehrlichste

Eine der populärsten First Ladies war Betty Ford, die Frau des Kurzzeit-Präsidenten Gerald Ford. Obwohl nur drei Jahre im „Amt“, sagt man ihr nach, dass sie mehr US-Staatsbürgern das Leben gerettet habe als alle Präsidenten der Nachkriegszeit zusammen. Sie hatte nur wenig Einfluss auf Gerald, aber sie zog ihr eigenes Ding durch. Die gelernte Tänzerin und Modedesignerin bekannte sich öffentlich zu ihrer Brustkrebsoperation und riet allen Frauen zur Vorsorge – was in den frühen 1970er-Jahren noch ein Tabubruch war. Kurz nachdem ihr Mann die Wiederwahl verloren hatte, gestand sie öffentlich ihre Alkohol- und Tablettensucht ein. Nach einer Entziehungskur gründete sie das Betty Ford Center in Kalifornien, die erste Adresse für Menschen mit Drogen- und Alkoholproblemen.

Märchenprinzessin

Der Film „Jackie“ mit Natalie Portman zeigt eindringlich, wie es die Frau des 35. US-Präsidenten nach dem Attentat von Dallas mit Disziplin und perfekter Frisur geschafft hat, den Mythos JFK in die Welt zu setzen. Und ihren eigenen dazu. Das Märchen vom jungen Präsidenten und seiner jungen glücklichen Frau. In Wahrheit war die Ehe der Kennedys alles andere als harmonisch. Nach heutigen Maßstäben hätte sich JFK in eine Therapie zur Behandlung seiner Sex-Sucht begeben müssen. Von den zahllosen Affären des Präsidenten mit Assistentinnen und Filmstars wusste die gesamte Entourage. Aber für die Presse war es damals noch ein No-Go, in den Schlafzimmern von Politikern herumzustöbern.

Die Betrogene

Im Falle des ähnlich libidogesteuerten Bill Clinton tickte die Medienwelt schon anders. Was der Öffentlichkeit unappetitliche Details und der betrogenen Ehefrau Hillary unendlich peinliche Situationen bescherte – aber auch höchste Sympathiewerte. Die Öffentlichkeit honorierte es, dass Hillary die Affäre trotz aller Demütigungen durchstand und sich zu ihrem Mann bekannte. Als spätere Außenministerin und auch als Präsidentschaftskandidatin genoss sie nie mehr den ­Respekt, den sie als First Lady hatte.

Angst vor Washington

Melania Trump ist die Unbeliebteste aller bisherigen First Ladies, seit das Gallup-Institut diese Umfragen durchführt. Ihre Scheu vor öffentlichen Auftritten verringert das nicht gerade. Sie weiß nur zu gut, dass sie 321 Millionen US-Bürger an ihren Vorgängerinnen messen: an der sympathischen Betty Ford, der brillanten Michelle Obama, der charismatischen Jackie Kennedy oder auch an der mütterlichen Laura Bush. Zwar liegt dem Ex-Model die Mutterrolle durchaus, aber sie beschränkt sie strikt auf die eigene Familie. So erklärte Melania Trump ihr Ausharren in New York damit, dass sie Sohn Barron (10) bis Sommer nicht aus seiner Schule nehmen wolle. Der Präsidentensohn wird an jedem Schultag in einem Konvoi gepanzerter Limousinen zu seiner Privatschule eskortiert – was Manhattan zeitweise lahmlegt und den Steuerzahlern schätzungsweise 500.000 Dollar täglich kostet. Zum gegenwärtigen Stand der Dinge ist Melania Trump die teuerste Mutter der Nation, die Amerika je hatte.

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