Schon Hesse schrieb: "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne" Foto: fcscafeine/iStock/Thinkstock

Wecker um 6.30 Uhr, Kaffee um 7, um 7:30 Uhr zum Bus gehen (rennen, wenn es bereits 7.35 Uhr ist), Arbeitsbeginn um 8, zweiter Kaffee um 9, Mittagessen um 13:00 Uhr, tägliche Zeitdauer, in der über die Kollegen hergezogen wird: 30 Minuten, Dienstschluss um 17:00 Uhr, müde zum Bus trotten, Zeit, die man im Supermarkt an der Kassa verbringt: je nach Wochentag fünf bis 12 Minuten, endlich nach Hause kommen, Abendessen um halb 8, Serie, Film, peinliche Castingshow bis 23:00 Uhr, ab ins Bett, letzter Blick zum Wecker, um zu prüfen, ob er am nächsten Tag auch ja wieder verlässlich klingeln wird …

Das kann jahrelang gut gehen – bis irgendwann der Moment kommt, wo es einem reicht. Wo man genug davon hat, den Preis zweier Thunfischdosen zu vergleichen, in der Kantine das kleinste Übel den Fettgehalt betreffend zu wählen und abends mit dem Partner um die Fernbedienung zu rangeln. Dann steht man plötzlich da und fühlt: Es muss sich etwas ändern! Nur wie?

Routinen & Angst hemmen

Viele Menschen befinden sich in ihrem Leben an einem Punkt, an dem sie eigentlich nicht mehr glücklich sind und tief in sich den Wunsch verspüren, etwas zu ändern – nur tun sie es nicht. Schuld daran ist unser Gehirn. Denn Routinen kosten zum einen wenig Energie und Konzentrationen, schenken zum anderen aber auch ein Gefühl von Sicherheit. Wenn etwas bisher (mehr oder weniger) gut funktioniert hat, wieso sollte man es nun ändern? Das Risiko, dass man vom Regen in die Traufe fällt und alles noch viel komplizierter wird, kann man schließlich nicht leugnen – wer tut sich das schon an? So verhindern Angst und bequeme Gewohnheiten häufig einen Neubeginn und der Wunsch, etwas zu ändern, flammt bei vielen Menschen nur kurz auf, um in als unrealistisch abgetanenen Träumen alsbald wieder zu verglühen. 

Je älter, desto schwieriger

Je länger man in unbefriedigenden Lebensumständen lebt, desto schwerer fällt ein radikaler Neubeginn. Eine 20-jährige Ehe wirft man eben nicht so schnell weg wie eine 2-jährige Beziehung, schließlich hat man ja auch jede Menge investiert. Nach einer so langen Zeit zuzugeben, dass man den falschen Job ergriffen hat, den falschen Partner neben sich im Bett (oder im Zimmer nebenan auf der Couch) liegen hat, das erfordert Courage – viel einfacher ist es, stur beim Altbewährten zu bleiben und den unangenehmen "was wäre wenn" Fragen auszuweichen. Wer in seinem Leben etwas ändern möchte, der sollte es sich also nicht allzu gemütlich machen, denn große Veränderungen gelingen am besten im Alter unter 30. In diesem Sinne: Nur Mut, die Zeit drängt!

1. Wie geht es mir?

Bevor man überhaupt an einen Neuanfang denkt, muss man sich einmal ganz ernsthaft fragen, wie es einem überhaupt geht. Nervt der Job? Oder hat man gerade einfach nur einen Durchhänger und jeder andere Job würde einen genauso anöden? Und bringt einen wirklich nur das Schnarchen vom Partner dermaßen zur Weißglut oder hat man sich in seinem Leben einfach anderes gewünscht und ist nun zutiefst frustriert? Stellt man für sich fest, dass einen das Leben so, wie es im Moment ist, nicht glücklich macht, ist es Zeit für den nächsten Schritt.

2. Was wünsche ich mir?

Nun weiß man also schon einmal, was man nicht möchte. Immerhin! Nun kann man sich überlegen, was man sich vom Leben eigentlich erhofft oder früher erhofft hat. Dabei muss nicht der Kinderwunsch, Astronaut zu werden, realisiert werden, aber es hilft, sich zu überlegen, welche Ideale man früher verfolgte, was einem wichtig war und zu schauen, was davon man in der Zwischenzeit verwirklichen konnte und was bis dato ein Traum blieb, den man aber immer noch als lebenswert erachtet.
Aber was, wenn man genau an dem Punkt im Leben angelangt ist, an dem man laut Plan sein wollte? Was, wenn das Haus, die Kinder, der Partner, der Job zwar all das repräsentieren, was man sich vor zehn Jahren gewünscht hat, man sich aber leer fühlt? Ganz einfach, dann ist es an der Zeit, sich den Wünschen zuzuwenden, die bis jetzt noch unentdeckt in der Tiefe schlummerten.

3. Träumen Sie – aber realistisch

Aus Routinen auszubrechen ist schwer – jeder, der schon einmal versucht hat, mit dem Rauchen aufzuhören, weiß, wovon die Rede ist. Unser Gehirn ist ein Gewohnheitsorgan, das am liebsten die ausgetrampelten Pfade beschreitet. Also muss man es motivieren: Träume sind sozusagen die Karotte, die man dem Gehirn vorhält, damit es mutig neue Wege beschreitet und die Kraft für eine Veränderung findet. Je emotionaler die Tagträumereien dabei sind, desto effektiver. Sie wollen sich schon seit Langem bei dieser neuen Firma bewerben, trauen sich aber nicht? Stellen Sie sich einfach einmal vor, wie euphorisch Sie sich nach einem gelungenen Bewerbungsgespräch fühlen werden und staunen Sie, wie viel Motivation Sie auf einmal in sich haben, Ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Träume können inspirierend sein, dennoch sollte man nicht naiv mit einer rosaroten Brille auf himmelblauen Wolken der Wirklichkeit entschweben, sondern realistisch bleiben. Denn Studien zeigten, dass Menschen, die bei all ihren Zukunftsvisionen auch immer an die Schwierigkeiten dachten, die ihnen begegnen könnten und sich dazu auch gleich eine passende Lösungsstrategie ersannen, ihre Ziele erfolgreicher umsetzen konnten.

4. Step by Step

Neue Stadt, neues Leben, neuer Partner, neue Freunde – plötzlich sollte alles Schlag auf Schlag gehen und alles muss natürlich perfekt werden! Die Ernüchterung, wenn dann doch nicht alles so läuft wie geplant, wenn man sich schon mindestens fünfmal auf dem Weg zum Bäcker verirrt hat und die neuen Arbeitskollegen sowieso alle etwas seltsam sind, schmerzt sehr. Und dann? Dann bereut man seinen mutigen Schritt vielleicht, wünscht sich, man hätte doch nur alles beim Alten gelassen und wäre einfach zufrieden gewesen … Vermeiden kann man so einen Durchhänger, indem man die kleinen Erfolge feiert. Sich freut, beim zehnten Mal dem Duft der Croissants richtig gefolgt zu sein und ohne Irrwege beim Bäcker gelandet zu sein. Und sollte man doch schon wieder falsch abgebogen sein – wer weiß, ob das kleine Ecklokal in der gerade neu entdeckten Gasse nicht das neue Stammbeisl wird!

5. Was, wenn alles gut geht?

Denkt man über einen Neubeginn nach und wägt das Für und Wider ab, hat man meist mehr Angst vor einem möglichen Misserfolg, als dass man sich von den Freuden, die einen erwarten könnten, ermutigen lässt. Meist überwiegt die Furcht vor dem Scheitern so sehr, dass man bestimmte Dinge lieber gar nicht erst probiert. Bevor man sich von seiner Angst lähmen lässt, sollte man sich einfach einmal die Frage stellen: "Und was, wenn alles gut geht?"