Die Lücke zwischen Kinderwunsch und unerfülltem Kinderwunsch wird de facto immer größer Foto: unsplash.com

Zwischen dem Wunsch nach einem Kind und der tatsächlichen Geburt eines Kindes liegt eine breite Spanne. Die sogenannte "Fertility Gap", so heißt es bei ORF Science, liegt in Österreich bei 0,28. 1,95 Wunschkinder hätte es – der Statistik zufolge – geben können, doch nur 1,67 Kinder gab es tatsächlich – und zwar 20 Jahre nach der Erstbefragung. Zum Vergleich: In Frankreich liegt die Lücke bei gerade mal 0,12, in Spanien hingegen liegen zwischen Wunsch und Realität 0,75.

Besonders deutlich zeigte sich die "Fertility Gap" in Österreich mit Blick auf den Bildungsabschluss der Frauen. Akademikerinnen (die ausbildungsbedingt spät mit der Familienplanung begannen) wünschten sich 1,8 Kinder, bekamen aber statistisch betrachtet nur 1,5 Kinder. Auch klafft eine Lücke zwischen den fünf Prozent der Frauen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die kinderlos bleiben wollten, und den 20 Prozent jener, die de facto kinderlos blieben.

Warum ein Kinderwunsch unerfüllt bleibt, kann ganz unterschiedliche Gründe haben

Wer sich als Paar entscheidet, gemeinsam in die Familienplanung zu starten, der setzt sich oft selbst unter Druck. Dabei müssen viele Faktoren zusammenspielen, damit es nach dem Geschlechtsverkehr auch zur Befruchtung und Einnistung der Eizelle und damit zur Schwangerschaft kommt.

Hindernisse auf diesem Weg können diese Gründe sein:

  1. Medizinische Ursachen. Erkrankungen der Geschlechtsorgane wie ein Eileiterverschluss bei der Frau oder eine Nebenhoden- oder Prostata-Entzündung beim Mann können eine Fruchtbarkeitsstörung bedingen. Auch hormonelle Störungen, wie etwa eine Schilddrüsenfehlfunktion, können die Eizellreifung verhindern. Darüber hinaus gibt es eine Reihe an Erkrankungen bei Frauen (organische Defekte, Veränderungen an Eileiter, Eierstock, Gebärmutterhals, Gebärmutter, Eileiterschwangerschaften, Endometriose) und Männern, die der medizinische Auslöser für eine Unfruchtbarkeit sind.
  2. Seelische Ursachen. Reproduktionsmediziner gehen davon aus, dass in zehn bis 15 Prozent der Fälle von Kinderlosigkeit keine organischen Gründe für den unerfüllten Kinderwunsch verantwortlich sind, sondern seelische Gründe. Der emotionale und auch äußere Druck, der auf Paaren lastet, die beispielsweise frisch verheiratet sind und bei denen die Gesellschaft kritisch jedes Quäntchen mehr in der Bauchgegend beäugt, kann ebenfalls einen unerfüllten Kinderwunsch bedingen.
  3. Äußere Faktoren. Zu den gängigsten äußerlichen Faktoren, die einen unerfüllten Kinderwunsch bedingen könnten, gehören Stress, eine ungesunde Lebensweise, beispielsweise mit schädlichen Genussmitteln, Übergewicht oder gar schwere körperliche Belastungen. All diese Faktoren sind kontraproduktiv auf dem Weg zu einer regulären Schwangerschaft. Zudem wollen Forscher herausgefunden haben, dass sich Licht im Schlafzimmer nicht gerade positiv auf eine Schwangerschaft auswirkt.

Wann ist von einem unerfüllten Kinderwunsch die Rede?

Wenn sich nach einem Jahr ohne Verhütung und mit regelmäßigem Geschlechtsverkehr keine Schwangerschaft eingestellt hat, müsste geklärt werden, ob medizinische Gründe beim Paar vorliegen, die eine Schwangerschaft unmöglich machen. Das erklärt Dr. Brunnbauer in diesem Video.

Um herauszufinden, welche Gründe dem unerfüllten Kinderwunsch zugrunde liegen, um anschließend passende Maßnahmen einleiten zu können, um den Kinderwunsch Wirklichkeit werden zu lassen, gibt es verschiedene Untersuchungsmethoden bei Männern und Frauen:

  • Untersucht werden bei der Frau der Urin und das Scheidensekret. Via Ultraschall oder per Bauch- und Gebärmutterspiegelung wird überprüft, ob der unerfüllte Kinderwunsch organischen Ursprungs ist. Hormonuntersuchungen sollen ausschließen, dass eine hormonelle Dysfunktion zugrunde liegt.
  • Beim Mann erfolgt eine Untersuchung der Geschlechtsorgane via Ultraschall. Darüber hinaus wird in der Regel ein Spermiogramm erstellt, das aufzeigt, wie intakt, beweglich und schnell die Spermien des Mannes sind. Auch eine Hormon- und/oder Genuntersuchung ist eine Möglichkeit, um herauszufinden, ob bzw. inwiefern Hormone und Gene dem Kinderwunsch entgegenwirken.

Kinderwunsch
Warum ein Kinderwunsch unerfüllt bleibt, kann auf der Seite der Frau und auf der Seite des Mannes medizinische, seelische und äußerliche Gründe haben Foto: unsplash.com

Mit dem Befund in Händen den passenden Weg gehen

Ein unerfüllter Kinderwunsch muss heute in den wenigsten Fällen unerfüllt bleiben. Stattdessen gibt es diverse Behandlungsmethoden die beispielsweise auch in der Wunschkind-Klinik Dr. Brunnbauer, Wien angeboten werden.

Die mittlerweile gängigsten Methoden auf dem Weg zum Wunschkind sind diese:

  • Insemination. Bei dieser Form der künstlichen Befruchtung werden die Samenzellen direkt in die Gebärmutter übertragen. Im Vorfeld wird die Frau meist mit Hormonen behandelt, um eine Einnistung der Eizelle zu begünstigen. Auch der Samen wird aufbereitet, um die Befruchtungschancen zu erhöhen.
  • In-vitro-Fertilisation (IVF). Diese Form der künstlichen Befruchtung ist ein langwierigerer Prozess. Nach einer Hormonbehandlung werden Eizellen aus den Eierstöcken entnommen. Im Reagenzglas werden sie mit den Spermien des Partners zusammengebracht. Erfolgt eine Befruchtung, wird die befruchtete Eizelle in die Gebärmutter zurück übertragen.
  • Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI). Die ICSI-Behandlung birgt größere Chancen auf eine Schwangerschaft als die IVF-Methode, denn: Die Samenzelle wird direkt in die Eizelle injiziert. Das erhöht die Chancen einer Befruchtung. Anschließend wird die befruchtete Eizelle in die Gebärmutter übertragen.

Neben diesen klassischen Methoden der künstlichen Befruchtung gibt es eine Reihe an unterstützenden Maßnahmen, weiterführenden Behandlungen und Methoden der psychologischen Betreuung auf dem Weg zum Wunschkind.