Nach drei bis vier Jahren geraten Beziehungen ins Schleudern Foto: vadimguzhva/iStock/Thinkstock

Hielten Ehen früher meist Jahrzehnte, schaffen heutzutage viele Paare nicht einmal die Siebenjahreshürde. Das verflixte siebte Jahr wurde zum geflügelten Wort und Theorien, wieso besonders das siebte Ehejahr so problematisch, gibt es genügend. Der Anthroposoph Rudolf Steiner beispielsweise ging davon aus, dass es einfach in der Natur des Menschen liege, sich alle sieben Jahre neu zu orientieren. Andere Ansätze sehen den Grund eher darin, dass, sollte es in der Beziehung Kinder geben, diese nach sieben Jahren keine Säuglinge mehr sind, die Eltern wieder gewisse Freiheiten erfahren und sich durch dieses Mehr an Zeit erneut auf ihre persönlichen Bedürfnisse konzentrieren können – der Partner hat da manchmal einfach keinen Platz mehr. Doch neue Studienergebnisse legen nahe, dass die große Bewährungsprobe in der Liebe bereits nach drei bis vier Jahren eintritt. Und auch in Österreich beweist die Statistik: Ehen, die das dritte oder vierte Jahr überstanden haben, werden seltener geschieden.

Das verflixte 4. Jahr

Laut Experten ist es heutzutage eher angebracht, vom verflixten vierten Jahr zu sprechen. Während man die Dauer einer Ehe statistisch leicht einsehen kann, ist es bei Beziehungen schon schwieriger. Eine Befragung von knapp 2.000 britischen Singles ergab: Durchschnittlich hielten deren Beziehungen zwei Jahre und neun Monate. In Deutschland bringt es eine durchschnittliche Beziehung, die sich dann wohl doch nicht als di große Liebe entpuppt, auf immerhin vier Jahre. Auffallend ist: Überdauert eine Beziehung diese ersten kritischen Jahre jedoch, stehen die Chancen gut, dass aus Jahren doch Jahrzehnte werden. Doch was geschieht in diesem dritten und vierten Beziehungsjahr, dass so viele Paare an dieser Hürde scheitern? 

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Hält die Ehe mehr als vier Jahre, stehen die Chancen gut Foto: RyanKing999/iStock/Thinkstock

Ernüchterung

Am Anfang einer Beziehung schwebt man auf Wolke Sieben, sieht die Welt in zarten Rosatönen und kann gar nicht genug vom anderen bekommen. Freunde machen zu dieser Zeit eventuell einen kleinen Bogen um das verliebte Paar, allzu anstrengend kann das zur Schau gestellte Liebesglück sein. Doch nach der überschwänglichen Anfangszeit kehrt Ernüchterung ein. Da sieht man auf einmal Ecken und Kanten, Gewohnheiten des anderen, die man am Anfang noch süß und lustig fand, werden nun zum brenzligen Streitthema und auch im Bett läuft es nicht mehr wie am Anfang.

Mehr Streit, weniger Sex

Die Befragung der englischen Singles ergab, dass bei Paaren nach drei Jahren Beziehung durchschnittlich 2,7 Stunden pro Woche die Fetzen fliegen, während sich frisch Verliebte mit 1,2 Stunden begnügen. Gründe für einen Zwist finden langjährige Paare genug, immerhin gaben 67 % der Befragten an, sich über bestimmte Gewohnheiten ihres Partners in der Beziehung massiv geärgert zu haben.

Darunter leidet natürlich auch das Sexleben. Eine aktuelle österreichische Studie ergab, dass Paare anfangs noch zwei bis dreimal pro Woche Sex haben, nach drei Jahren begnügen sich die meisten allerdings mit einem Stelldichein pro Woche. Die bei der Studie befragten Österreicher gaben an, dass ihre Zufriedenheit in direktem Zusammenhang mit dem Sexualleben stand. Gibt es nur mehr wenige intime Momente es mit dem Partner, vermissen die meisten etwas. Das Verlangen nach Sex und Nähe ist also auch nach drei Jahren noch da, das Problem ist nur, dass die meisten Paare dem nicht mehr genügend nachkommen.

Zu wenig Zeit

Als Hauptgrund, wieso Paare nach den ersten drei bis vier Jahren in eine Krise rutschen, sehen die Forscher zu wenig gemeinsam verbrachte Zeit. Der Alltag hat sich eingeschlichen, man nimmt sich weniger Zeit für den anderen und obwohl der Wunsch nach Intimität immer noch da ist, wird er nicht ausgelebt, da man meist etwas anderes zu tun hat oder man nach einem langen Arbeitstag einfach zu müde ist, sich jetzt auch noch im Bett akrobatisch zu betätigen, gemütliches Lümmeln auf der Couch ist schließlich auch schön. Paare, die jetzt nicht die Kurve kratzen, laufen Gefahr sich alsbald zu trennen.

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Eine Beziehung braucht Zeit zu zweit Foto: Vasyl Dolmatov/iStock/Thinkstock

Die Zufriedenheit steigt mit den Jahren

Schade, denn eine Befragung österreichischer Paare, deren Beziehung das verflixte vierte Jahr überstand, ergab, dass diese durchaus der Meinung sind, dass sich ihre Beziehung zum Positiven hin verändert hat. Immerhin kennt man den anderen immer besser, fühlt sich geborgen und kann nun auch bestimmte Lebensziele gemeinsam verfolgen.

Es lohnt sich also, nach dem Abflauen der ersten Verliebtheit nicht sogleich das Handtuch zu werfen, sondern sich und seinem Partner die Chance geben, sich nun noch einmal neu kennenzulernen und die Liebe auf eine neue Ebene zu bringen. Ein gemeinsames Abendessen im Lieblingsrestaurant wäre dafür ein guter Anfang: Denn gehen frisch verliebte Paare rund viermal im Monat schön essen, genießt man nach drei Jahren nur noch halb so häufig ein romantisches Dinner mit Kerzen, Wein und ausgiebigen Gesprächen – und nach fünf Jahren darf  man sich gerade einmal über einen mickrigen Ausflug ins Lieblingsrestaurant pro Monat freuen.