Was in jungen Jahren noch einfach geht, kann im Alter auch für Haustiere zum Problem werden Foto: chendongshan/iStock/Thinkstock

Zugegeben, die kleinen Vierbeiner versuchen ihr Leben lang uns auszutricksen: "Ob Herrchen überhaupt weiß, dass Frauli uns heut schon gefüttert hat? Es wäre einen Versuch wert …" Herrli kann diesem Blick natürlich nicht widerstehen und schon ist das zweite Abendessen für heute gesichert. Ist das Tier noch jung, kann man als Besitzer über so viel Dreistigkeit nur schmunzeln. Doch mit den Jahren kann es leider sein, dass es der geliebte Vierbeiner nicht einfach nur faustdick hinter den Ohren hat, sondern dass er in der Tat vergessen hat, dass er heute schon gefüttert wurde.

Demenz beim Tier?

Immer mehr Menschen werden dement oder leiden an Alzheimer. Da stellt sich die Frage: Sind auch Tiere davon betroffen? Naturgemäß ist die Erforschung von Vergesslichkeit beim Tier etwas komplizierter als beim Menschen, aber die Ergebnisse deuten stark darauf hin, dass auch Tiere irgendwann den Weg nach Hause nicht mehr so ganz genau wissen. Bei Hund und Katz nennt sich das allerdings kognitive Dysfunktion.

Nachweis bei Katzen

Bereits seit mehreren Jahren weiß man aufgrund von Hirnscans, dass Katzen von einer Alzheimer ähnlichen Krankheit betroffen sein können. Eiweißablagerungen, die man im Gehirn von toten Tieren nachweisen konnte, sind dafür ein eindeutiges Indiz. Doch wie erkennt man beim lebenden Stubentiger, ob er betroffen ist? Eine Möglichkeit ist es, beim Tierarzt ein MRT durchzuführen. Besonders gefragt ist aber der Halter, er muss als erster die Anzeichen erkennen.

Verhalten genau beobachten

Tierbesitzer müssen ein waches Auge haben, um Veränderungen zu bemerken. Erste Hinweise können Orientierungslosigkeit, apathisches Starren, grundloses Jaulen und Schreien oder ständiges Futtersuchen sein. Auch mit der Stubenreinheit können es manche dann leider nicht mehr so genau nehmen.

Langsamer Verfall

Ebenso wie beim Menschen ist eine Demenz beim Haustier nicht von einem Tag auf den  anderen erkennbar. Es ist ein schleichender Prozess, der sich langsam bemerkbar macht.

Über die Hälfte betroffen

Aufgrund von Studien können Forscher Schätzungen über die Häufigkeit der Krankheit abgeben. Sie gehen davon aus, dass 60 Prozent der Hunde über elf Jahre betroffen sind. Wer einen älteren Hund hat, sollte also nicht nur auf seine Hüfte und Zähne Rücksicht nehmen, sondern sich auch an den Gedanken gewöhnen, dass der treue Freund nicht mehr so fit im Kopf ist wie früher. Bei den Katzen sieht es nicht viel besser aus, über die Hälfte der Tiere, die über 15 Jahre alt sind, könnten betroffen sein. Und wie die Menschen werden auch Haustiere immer älter – die Zahl der erkrankten Tiere wird also weiter steigen.

Behandlung

Heilung gibt es bei Demenz auch im Tierreich nicht. Bestimmte Medikamente können den Krankheitsverlauf verlangsamen, aufhalten ist aber noch nicht möglich. Alles was man machen kann, ist Rücksicht auf seinen vergesslichen Vierbeiner zu nehmen, ihn zu knuddeln und ihm ein Gefühl von Geborgenheit zu geben. Doch zu langweilig sollte man das Leben der felligen Senioren auch nicht gestalten.

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Gehirnjogging für Hund und Katz?

Menschen wird stets empfohlen sich musikalisch zu betätigen, neue Sprachen zu lernen, Rätsel zu lösen – so würde das Hirn fit bleiben und Demenz könne vermieden werden. Geht das auch bei Tieren? Die erfreuliche Nachricht? Ja, das funktioniert in der Tat! Wer mit seinem Hund regelmäßig Konzentrationsspiele spielt, kann den Verfall aufhalten. Denksportaufgaben für den Hund? Wie soll das bitte gehen? In einer gerade veröffentlichten Studie, die die positiven Effekte nachweisen konnte, hatten die betagten Hundeprobanden einen hundenasenoptimierten Touchscreen zur Verfügung. Im Alltag geht das nicht. Wer aber für abwechslungsreiche Spaziergänge und wechselnde Unterhaltung in der Wohnung sorgt sowie Geschicklichkeitsspiele in den Alltag einbaut, kann seinem treuen Freund dabei helfen, die Vergesslichkeit hinauszuzögern oder ihn sogar ganz davor bewahren.  

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