Eltern wird geraten, die Medieninhalte ­ihrer Kinder regelmäßig zu kontrollieren Foto: maximkabb/iStock/Thinkstock

In Zeiten der Digitalisierung fühlen sich Eltern immer häufiger über­fordert: Welche technischen Geräte braucht mein Kind, ab welchem Alter ist Fernsehen sinnvoll und wie schütze ich meinen Nachwuchs vor übertriebenem Medienkonsum? Bernhard Heinzlmaier, Mitbegründer des Instituts für Jugendkulturforschung, weiß, wie schwierig es ist, Kinder von Handy, Tablet & Co. fernzuhalten.

Dauerhaft online

„Der Me­dienkonsum der Jugend steigt von Jahr zu Jahr“, erklärt der Experte. „Gegenwärtig geht man davon aus, dass ein Jugendlicher im Alter zwischen 13 und 18 Jahren am Tag ungefähr 200 Minuten schon alleine online verbringt. Hinzu kommen noch andere Medien wie TV, Radio, Print etc.“ Kampflos aufgeben kommt für ihn allerdings nicht infrage: Wer seinen Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit Medien beibringen will, muss hartnäckig bleiben.

Trainierte Oberflächlichkeit

Welche Auswirkungen Tablets, Smartphones und das damit verbundene permenante Online-Sein auf die Kids wirklich haben, darüber streiten Experten gerne, so Heinzlmaier. „Was wir allerdings ganz sicher wissen, ist, dass sich die Aufmerksamkeitsleistung ändert. Wir sehen eine Verschiebung von der deep attention hin zur hyper attention.“ Das bedeutet, dass nicht mehr nur eine Informationsquelle konzentriert genutzt wird, sondern mehrere gleichzeitig. „Die Fähigkeit, viele Infos kurz hintereinander oberflächlich wahrzunehmen steigt, während sich die konzentrierte Auseinandersetzung mit einer Informationsquelle eher zurückentwickelt.“

Sensationsrausch

Eine weitere Kehrseite der Medaille: Junge Menschen haben ein erhöhtes Stimulationsbedürfnis. Sie benötigen ständig mediale Sensationen, um nicht gelangweilt zu sein. Nutzen sie das Medium gerade nicht, denken sie oft darüber nach, welche Nachrichten sie gerade verpasst haben könnten und von wem sie sich weitere Informationen in nächster Zeit erwarten. „Viele Jugendliche spüren das Handy in der Tasche bereits brummen, ohne dass es tatsächlich vibriert oder klingelt. Das ist eine Folge der ständigen Erwartung von Nachrichten“, weiß Heinzlmaier. Der Wunsch, über das Medium etwas zu erhalten, ist also so stark, dass man sich den Impuls sogar einbildet.

Tipps vom Profi

Geht es nach Heinzlmaier, sollten Kinder gut auf ein Leben vorbereitet werden, in dem sie viel Zeit mit Medien verbringen. „Meiner Meinung nach sollte der Medieneinfluss unter dem sechsten Lebensjahr sehr gering gehalten werden, bis zum zehnten Lebensjahr sollte der Konsum der Elternkontrolle unterliegen.“ Ein Handy empfiehlt Heinzlmaier erst ab dem zehnten Lebensjahr. Wichtig ist allerdings auch, dass Kinder und Jugendliche mit nicht-digitalen Medien versorgt werden. „Wir beobachten schon heute, dass die Lesefähigkeit immer weiter abnimmt. Dabei ist Lesen nach wie vor ein wichtiges Mittel der Persönlichkeitsbildung und der Kultivierung des Menschen“, ist Heinzlmaier überzeugt.

Es geht nicht ohne

Schaffen Sie außerdem medienfreie Zeiträume und Zonen, z. B. während des Essens. Kann man seine Kinder heutzutage aber nicht auch ohne Tablet und Co. erziehen? „Leider nicht“, so der Sozialwissenschafter. „Man kann sie ja schwer abschotten.“

Kinder-Medien
Laut Experten sollte der Medienkonsum unter 6 Jahren gering gehalten werden. Foto: SbytovaMN/iStock/Thinkstock

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