Endlich ein Geschwisterchen! Foto: befa/iStock/Thinkstock

Während der Schwangerschaft

Kinder müssen nicht von Anfang an von einer erneuten Schwangerschaft erfahren. Vor allem im Kleinkindalter sind neun Monate eine Ewigkeit, die die Sprösslinge nicht begreifen können. Wenn der Bauch größer und immer sichtbarer wird (zwischen dem 5. und 6. Monat), kann das Kind eingeweiht werden. Ab diesem Zeitpunkt sollten Eltern das große Geschwisterchen in die Schwangerschaft miteinbeziehen und viel mit dem Babybauch in Berührung bringen.

Erste Berührungen mit dem Babybauch: Das Kind kann das Ohr auf den Bauch legen und hören, was das Baby macht, oder mit den Händen spüren, wenn es tritt. So kann das große Geschwisterchen einerseits besser begreifen, dass ein kleiner Mensch in Mamas Bauch heranwächst und gleichzeitig eine Bindung zum zukünftigen Bruder oder Schwester aufbauen. Altersgerechte Aufklärungsbücher helfen Eltern und Kindern in dieser ersten Phase.

Gemeinsame Entscheidungen: Wenn das Kind über die zukünftigen Veränderungen aufgeklärt worden ist, kann es in viele Vorbereitungen miteinbezogen werden. Die Einrichtung des Kinderzimmers, die Wahl der Wandfarbe oder auch Kleidung kann gemeinsam mit dem älteren Geschwisterchen ausgesucht werden. Eltern sollten dem Kind außerdem die Ultraschallbilder des Babys zeigen und erklären wo der Kopf, Arme und Beine sind.

Keine falschen Hoffnungen machen: Vorfreude ist gut, falsche Erwartungen zu schüren nicht. Wenn das Kind davon ausgeht, einen Spielkameraden zu bekommen, wird es in den ersten Monaten sehr enttäuscht sein, da Babys zunächst nur schlafen, essen und schreien. Babypuppen helfen dem Geschwisterchen spielerisch zu lernen, wie es mit dem Baby umgehen muss, außerdem sollten Eltern die älteren Geschwister genau über das Leben mit Baby aufklären.

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Geschwisterliebe bereits vor der Geburt fördern Foto: gpointstudio/iStock/Thinkstock

Das erste Treffen

Wenn die Geschwister sich das erste Mal begegnen, kann es sein, dass das ältere Kind das Baby ignoriert und nicht einmal ansehen will. Keine Sorge liebe Eltern, das legt sich nach spätestens ein oder zwei Tagen. Beim ersten Treffen raten Therapeuten, dem Kleinkind (sehr) viel Aufmerksamkeit zu schenken, das Baby in seine Arme zu legen, wenn es das möchte, und die elterliche Freude darüber ausdrücken, dass beide Kinder nun vereint sind.

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Ältere Geschwister sind sehr fürsorglich Foto: alexandr_1958/iStockThinkstock

Der neue Alltag nach der Geburt

Nach der Geburt zieht ein neuer Alltag ins Familienleben ein und die bisher gekannte Routine hat Pause. Eltern sollten allerdings darauf achten, dem älteren Kind das Gefühl von Stabilität zu vermitteln und gewisse alltägliche Rituale beizubehalten. Der große Sprössling erlebt viele Gefühle und da er bisher mit den Eltern alleine war, entwickelt er möglicherweise gewisse Verhaltensmuster, die zunächst problematisch erscheinen, sich mit dem richtigen Zugang aber schnell verflüchtigen.

Kleinkind will wieder Schnuller und Fläschchen: Wenn Kleinkinder ein Geschwisterchen bekommen, sehen sie die Aufmerksamkeit, die das Neugeborene bekommt und wollen selbst wieder ein Baby sein. Meist fragen sie nach einem Schnuller oder wollen ein Fläschchen, statt fester Nahrung. Diesem Wunsch kann "im Spiel" nachgegeben werden, aber das Verhalten sollte nicht zur Gewohnheit werden. Eltern erklären den Kindern in diesen Situationen am besten die Vorteile des "Älterseins" und lassen sie diese auch spüren. Das bestärkt die Fähigkeiten des Kindes und wirkt sich positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung und das Selbstbewusstsein aus.

Geschwisterchen ist grob gegenüber Baby: Eifersucht kann sich auch versteckt äußern, indem das größere Kind das Baby zwickt oder sogar schlägt, wenn es der Meinung ist, dass niemand hinsieht. Wenn Eltern dieses Verhalten bemerken, sollten sie sofort das Gespräch mit dem älteren Kind suchen.

Zugehörigkeitsgefühl stärken: Da Kinder ihre Eltern nachahmen, wollen sie das Baby meist genauso sehr bemuttern, wie Mama und Papa das tun. Experten raten dieses Verhalten unbedingt zu unterstützen. Geschwister können Aufgaben übernehmen, wie den Bauch des Babys eincremen, mit Brei füttern oder auch beim Wickeln helfen. Das macht den kleinen Spaß, sie können ein bisschen Verantwortung übernehmen  und haben das Gefühl gebraucht zu werden.

Aufmerksamkeit schenken: Babys sind klein, niedlich und bekommen meist die gesamte Aufmerksamkeit von Mama, Papa, den Großeltern und auch sonst allen Verwandten und Freunden. Damit das ältere Kind nicht das Gefühl hat, zu kurz zu kommen, können Eltern bestimmte Zeiten nur für das große Kind reservieren. Dann wird gekuschelt, vorgelesen, oder auch Ausflüge mit Oma, Opa oder Tante und Onkel unternommen. Diese Momente prägen sich in das Gedächtnis der Kinder ein und lassen Eifersucht und Neid verschwinden.

Loben und Belohnen: Eigenständigkeit und Hilfsbereitschaft der älteren Geschwister dürfen nicht als selbstverständlich angesehen werden. Eltern sollten liebevolles Verhalten der Geschwister durch lobende Worte hervorheben und dem Kind zeigen, wie sehr sie es schätzen. Außerdem hat das "Ältersein" auch Vorteile, die die Eltern dem Kind schmackhaft machen könne. Der Klassiker ist beispielsweise länger wach zu bleiben, als das Baby.

Erklären und Gefühle zulassen: Kommunikation ist alles! Damit können Eltern gar nicht früh genug beginnen. Bereits während der Schwangerschaft raten Familientherapeuten zu vielen erklärenden Gesprächen mit dem älteren Geschwistern und auch nach der Geburt ist es wichtig, dass das erstgeborene Kind versteht, dass auch negative Gefühle wie Eifersucht normal sind und Platz haben. Wenn Eltern bemerken, dass das Kind verändertes Verhalten zeigt, empfehlen Experten sofort das Gespräch zu suchen und offen alle Sorgen des Kindes anzunehmen.

Geschwistergefühl stärken: Bereits während der Schwangerschaft sollten Eltern ein positives Gefühl zwischen den zukünftigen Geschwistern fördern. Das Kind kann den Bauch fühlen, abtasten und sein Ohr darauf legen. Auch Rituale, wie ein gemeinsames Gute-Nacht-Lied für das Baby im Bauch zu singen, stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl der ganzen Familie. Wenn das Baby auf der Welt ist, vermitteln Eltern dem erstgeborenen Kind das Gefühl dem Baby wichtig zu sein. Sätze wie "Er lächelt immer, wenn er dich sieht" oder "Wenn du ihn streichelst, hört er auf zu weinen" helfen dabei etwaige Eifersucht abzulegen.