Die Trotzphase ist anstrengend für Kind und Eltern Foto: arnoaltix/iStock/Thinkstock

 Wenn Ihr Kind plötzlich explosionsartige Wutanfälle bekommt, nur noch „NEIN" schreit und in jeder Situation den eigenen Willen durchsetzen möchte, dann hat es die Trotzphase erreicht. Vorneweg sei gesagt, dass alle Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren diesen wichtigen Entwicklungsschritt durchmachen. Manche Kinder sind temperamentvoller als andere, aber kein Elternpaar entgeht den nervenzehrenden und unkontrollierbaren Trotzanfällen des eigenen Sprösslings.

Warum ist die Trotzphase so wichtig?

Die Trotzphase wird auch Autonomiephase genannt und ist laut Entwicklungsforschern der Übergang zwischen Babyalter und Kindergarteneintritt. In dieser Zeit entdecken die Kinder ihren eigene Willen und damit auch den Wunsch diesen durchzusetzen. Die Kleinen wissen bereits, dass sie mit ihrem Verhalten Einfluss auf die Umwelt nehmen können, das Ausmaß ist ihnen allerdings unbekannt.

Trotzanfall als Kommunikationsform

Mit Trotzanfällen drücken Kleinkinder ihr Autonomiebedürfnis aus und da deren Frustrationstoleranz noch nicht sehr ausgeprägt ist, kommen die unkontrollierbaren Wutausbrüche meist ohne Vorwarnung. In Kombination mit Müdigkeit und Stress entstehen Trotzattacken außerdem schneller und häufiger. Gleichzeitig lernen die Kinder dadurch aber auch Emotionen zu regulieren, sich in Geduld zu üben, wenn gewisse Dinge nicht so schnell umsetzbar sind, wie sie das gerne hätten und mit Stress und Frust umzugehen.

Wutattacken sind unkontrollierbar für Kinder

Wenn Sie sich fragen, warum Ihr Kind immer dann einen Wutanfall bekommt, wenn ein breites öffentliches Publikum zusieht, dann sollten Sie wissen, dass Kinder Trotzattacken keineswegs planen, oder aus strategischen Gründen derart explosiv reagieren. Sie können die aufkommenden Emotionen nicht kontrollieren und was zuerst Sturheit und Zorn war, schlägt sehr schnell in Verzweiflung und Ohnmacht um. Daher bringt es überhaupt nichts dem Kind in diesen Situationen mit Sanktionen zu drohen oder generell zu schimpfen. Das einzige, das Eltern tun können, ist die Ruhe und vor allem die Nerven zu bewahren. Trotzanfällen kann auch vorgebeugt werden. Wenn Sie beispielsweise wissen, dass es im Supermarkt immer eine Szene gibt, dann sollten Sie das Kind für eine bestimmte Zeit nicht zum Einkaufen mitnehmen. Versuchen Sie außerdem nicht nur Verbote auszusprechen, sondern auch Kompromisse zu finden. Wenn die Tochter unbedingt mit den aufgesetzten Hasenohren in den Kindergarten gehen will, dann spricht eigentlich nichts dagegen, oder?

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Kinder wollen ihren eigenen Willen durchsetzen Foto: maximkabb/iStock/Thinkstock

Mein Kind ist häufiger bockig als andere – warum?

Jedes Kind ist anders. Während das eine sehr temperamentvoll ist und viele Wutanfälle erlebt, ist das andere eher introvertiert und explodiert nur sehr selten. In Kombination mit Müdigkeit oder Stress können Trotzattacken häufiger aufkommen. Eine plötzliche Häufung von Wutanfällen kann aber auch äußere Ursachen haben, wie eine bevorstehende Veränderung im Leben des Kindes. Ist ein Geschwisterchen unterwegs, ziehen Sie bald um oder beginnt in Kürze der Kindergartenalltag? Diese Situationen können die Sprösslinge überfordern und da sie diese noch nicht artikulieren können, teilen sie ihre Sorgen durch einen Trotzanfall mit.

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Durch Wutanfälle lernen Kinder Emotionen zu regulieren Foto: Lisa5201/iStock/Thinkstock

Erste Hilfe Tipps bei Trotzanfällen:

  • Das Kind soll sich und andere nicht verletzen. Wenn es tritt und haut, signalisiert ein strenger Blick während dem Wutanfall, dass das Verhalten inakzeptabel ist. Im Anschluss müssen klare Worte folgen.
  • Auf das Kind einreden, oder sogar schreien, ist sinnlos. Abwarten und versuchen die Ruhe zu bewahren, ist das einzig Richtige, das Eltern tun können.
  • Nehmen Sie den Wutanfall keinesfalls persönlich! Das Kind ist in diesen Situationen selbst überfordert.
  • Um Trotzanfällen durch Überforderung vorzubeugen, können dem Kind gewisse Entscheidungen abgenommen werden. Wenn das Kind beispielsweise Bananen und Äpfel gleich gerne mag, entscheiden am besten die Eltern, welches Obst das Kind isst.
  • Nicht zu viele Verbote. Sie verunsichern das Kind und schwächen längerfristig das Selbstwertgefühl.
  • Kinder haben noch kein Zeitgefühl und sind daher meist ungeduldig. Kurze Wartezeiten verringern auch das Risiko für Trotzanfälle.
  • Gewisse Regeln gelten immer und an diese muss das Kind auch während einer Trotzattacke erinnert werden. Hauen und Treten ist beispielsweise verboten.

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