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Natürlich: Ich habe leicht reden, wenn mein Zweijähriger noch eine Stunde in der Krabbelstube weilt und ich die Zeit nütze, mit meiner Frau noch gesittet Essen zu gehen – Quality Time, Sie wissen schon. Denn wenn man selbst gerade keine Kinder dabei hat, kann man umso besser die Umgebung beobachten.

Gelangweiltes Kind

Recht schnell fällt die Aufmerksamkeit dabei auf eine bestimmte Familie: Mama und Papa haben ihr Schnitzel gerade in Angriff genommen, die Tochter – ich schätze, vier Jahre alt – ebenso. Der Sohn, wohl so um die eineinhalb Jahre alt, sitzt im Hochstuhl: Einen halben Meter vom Tisch weg, ohne Essen oder Fläschchen, ohne Spielzeug, ohne Beschäftigung und ohne Aufmerksamkeit.

Das Drama ist vorprogrammiert.

Jedenfalls fängt der Kleine schnell an, quängelig zu werden. Es folgt erst einmal ein böser Blick der Mutter, die noch vor einem halbvollen Teller sitzt. Wirkung: Null. Zumindst nicht in die erhoffte Richtung.

Mutter gereizt, Vater versteckt sich

Kurze Zeit später wird der nächste böse Blick von einem erhobenen Zeigefinger begleitet, danach kommt auch noch ein „Hörst jetzt auf!?" dazu. Aus dem maulenden Kleinkind wird schnell ein ungehaltenes, der Geräuschpegel des Buben wird größer, das Nervenkostüm der Mutter dünner – zumal der gegenüber sitzende Vater konsequent so tut, als ginge ihn das nichts an.

Wahrscheinlich hat er Angst, ähnlich angepflaumt zu werden.

„Gib jetzt endlich a Ruh'!“, faucht die Mutter das Kind dann aus kürzester Distanz an. Als die große Schwester den Kleinen auch noch zu ärgern beginnt, ist es endgültig vorbei. Die Mutter steht auf, schnappt die Kinder und geht. Der Vater zahlt verschämt die Rechnung und trollt sich, gesenkten Hauptes.

Feuer mit Feuer bekämpfen

Meine Frau sitzt mit dem Rücken zu dieser Szene, aber die aggressive Stimmung ist ihr nicht verborgen geblieben. „Das Kind stört mich nicht", sagt sie zu mir, „aber die aggressive Mutter ärgert mich furchtbar!“ Mit wachsender Feindseligkeit ein unruhiges Kind beruhigen zu wollen – toi toi toi.

Lustig ist das jedenfalls für keinen der Beteiligten.

Selbstverständlich sollte man nie von einer solchen Begebenheit auf das große Ganze schließen. Es kann viele Gründe dafür geben, ausnahmsweise leicht reizbar zu sein. Eine doofe Woche, eine schlaflose Nacht, Streit mit den Eltern, alles mögliche. Und zwei kleine Kinder sind nun mal zwei kleine Kinder, das bedeutet oft einfach massiven Stress.

Wie man sich bettet, so liegt man

Aber selbst, wenn man das alles berücksichtigt: Besonders klug ist es in keinem Fall, ein kleines Kind einfach so dasitzen zu lassen und zu hoffen, dass es einem gebannt und entspannt beim Essen zusieht (oder vor Langeweile dabei einschläft). Wer ein kleines Kind anfaucht, darf sich nicht wundern, wenn es zurück keppelt.

Logisch, es bekommt ja vermittelt: Mama macht's, also mach ich's auch.

Außerdem trägt diese Form der Kommunikation auch nicht gerade zu beiderseitiger Entspannung bei. Wenn man sich vernachlässigt oder gar ausgeschlossen fühlt, seinen Unmut darüber kund tut und einem darüber heftig der Mund verboten wird: Das finden wir Erwachsene ja auch nicht besonders aufbauend.

Teilhaben lassen

Als ich und meine Frau nach dem Essen aufstehen und uns auf den Weg machen, unseren Junior von der Krabbelstube abzuholen, sind wir uns jedenfalls einig: Wenn wir das nächste Mal zu dritt in ein Wirtshaus gehen, müssen wir darauf achten, entspannt auf den Kleinen einzuwirken und ihn an unserem Essen teilhaben lassen.

Und wir dürfen auf keinen Fall die Spielzeug-Autos vergessen. Man weiß ja nie.

Weekend-Redakteur Philipp Eitzinger ist mit Herz und Seele Fußball–Fan, Ehemann - und Vater. Und wie es sich für einen wahren Sport-Anhänger gehört, ist der Oberösterreicher - auch wenn es um seine Familie geht - mittendrin statt nur dabei. Exklusiv für weekend.at schildert er den gleichermaßen erfüllenden wie hektischen elterlichen Alltag zwischen Krabbelstube und Kinderzimmer, Badewanne und Warteraum – heiter bis nachdenklich.

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