Jugendliche kommunizieren oft nicht mit ihren Eltern Foto: Comstock/Stockbyte/Thinkstock

Sobald die Hirnanhangsdrüse Geschlechtshormone aussendet, setzt die Pubertät ein. Bei Mädchen beginnt dieser Prozess meist mit dem zehnten, bei Buben mit dem zwölften Lebensjahr. Die Geschlechtsorgane werden ausgebildet und Sexualhormone strömen durch den Körper. Untersuchungen zeigen außerdem, dass neurobiologische Faktoren das Gehirn verändern. Synapsen und Nervenverbindungen werden vermehrt gebildet, was in Zusammenhang mit der Persönlichkeitsentwicklung der Teenager steht. In dieser Phase bildet sich auch die Urteilsfähigkeit aus, die zu ersten Konflikten mit den Eltern führen kann. Pubertät bedeutet aber auch eine seelische Entwicklung, die sich meist in Gefühlschaos, Stimmungsschwankungen, Aufmüpfigkeit und Unsicherheit gegenüber der eigenen Persönlichkeit und dem Körper ausdrückt.

Anders als die Eltern

Mit dem Einsetzen der Pubertät hört die Anpassung und Kooperation der Jugendlichen mit den Eltern auf. Von nun an werden eigene moralische Werte vertreten. Diese sind meist als viel besser oder zumindest ganz anders als die der Eltern. Auslöser dafür ist ein Abnabelungsprozess des Kindes. Der Teenager muss sich von den Eltern lösen und tut das, indem er gegen sie rebellieren. Daher brauchen Eltern in der Pubertät  sehr viel Geduld mit ihrem Sprössling. Außerdem müssen sie einsehen, dass die reine Erziehungsarbeit, bereits in den ersten zehn Lebensjahren des Kindes stattgefunden hat. Ab dem 13. und 14. Lebensjahr geht diese in eine Begleit- und Kontrollfunktion über. Der Dialog zwischen Eltern und Kind wird immer wichtiger, um das Kind zur Selbstständigkeit zu erziehen. Dies funktioniert allerdings nur, wenn beide Seiten ein Mitspracherecht haben.

Dauerstreit und tägliche Konfrontation

Teenager befinden sich auf der Suche nach sich selbst. Sie wollen herausfinden wo ihre Stärken und Schwächen liegen und Auseinandersetzungen mit den Eltern helfen dabei. Sie sind außerdem ein klares Zeichen der Ablösung und Neuorientierung der jungen Menschen, die versuchen ins Leben zu finden. Obwohl Töchter tendentiell mit ihren Müttern und Söhne eher mit Vätern streiten, werden Mamas meist als die Hauptkonfliktperson gesehen. Studien zeigen außerdem, dass Jugendliche gezielt Streit suchen. Bei Mädchen sind es rund 15 Minuten in 1,5 Tagen und Buben wollen sich im Durchschnitt innerhalb von vier Tagen sechs Minuten in Konfliktsituationen mit den Eltern messen. Dabei demonstrieren die Jugendlichen meist Gleichgültigkeit und versuchen Eltern kategorisch herabzusetzen. Diese entscheiden wiederum selbst an welchen Konflikten sie teilnehmen und auf welche Provokation nicht eingangen wird. In diesen Jahren heißt es für Eltern, durchatmen und die Ruhe bewahren. Eltern müssen die Klügeren sein und sich dementsprechend verhalten. Nicht jede Provokation muss in einem Streit enden, Grenzüberschreitungen allerdings schon. Nachtragendes Verhalten bringt übrigens gar nichts! Kinder können nicht durch Aufmerksamkeitsentzug sanktioniert werden.

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Streitereien sind auf der Tagesordnung Foto: Jupiterimages/Pixland/Thinkstock

Wie viel Freiheit ist zu viel?

Eine Studie zeigt, dass Jugendliche, die sich in ihren Teenagerjahren stark von den Eltern abgrenzen, eine stabile Persönlichkeit entwickeln. Der Umkehrschluss besagt demnach: Umso weniger Bindung zu den Eltern besteht, desto weniger müssen sich die Kinder abgrenzen und werden im Erwachsenenalter eher zu instabilen Persönlichkeiten. Pädagogen raten Eltern, ihren Jugendlichen wie Sparring-Partnern gegenüber zu treten und maximalen Widerstand zu leisten, wenn Grenzen überschritten werden. Keine Reaktion der Eltern wird von den Jugenlichen meist als Gleichgültigkeit interpretiert. Daher ist es auch wichtig, dass angedrohte Sanktionen durchgesetzt werden, da sie sonst an Wirkung verlieren.

Rückzug!

Jugendliche brauchen viele Ruhephasen und ziehen sich liebendgern in ihr Zimmer zurück. Das ist ganz normal und bedeutet nicht, dass sie keinen Kontakt zu den Eltern wollen. Dieses Verhalten ist ebenfalls Teil des Abnabelungsprozesses. Außerdem brauchen Teenager Zeit zum Nichtstun, um ihren Gedanken freien Lauf zu lassen und einfach abschalten zu können. Diese Phase geht meist damit einher, dass die Jugendlichen beginnen ihre Eltern nicht mehr an allen Einzelheiten ihres Lebens teilhaben zu lassen. Auf Fragen nach dem Schultag oder dem Treffen mit Freunden wird meist nur kurz und knapp geantwortet. Dafür rücken Freunde und auch Großeltern mehr in den Mittelpunkt und werden zu guten Gesprächspartnern. Häufig empfinden pubertierende Kinder ihre Eltern als peinlich, nervig, altmodisch oder zu neugierig und daher wenden sie sich an jemand anderen, um Alltägliches zu besprechen. So lange die Jugendlichen aber spüren, dass ehrliches Interesse aufseiten der Eltern besteht, kommen sie mit ihren Problemen gern zu Mama und Papa.

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Jugendliche genießen die Zeit allein Foto: Jose Luis Pelaez Inc/Blend Images/Thinkstock

Tipps zum harmonischen Zusammenleben

1. Kommunikation ist alles: Egal wie bockig die Jugendlichen sind, Eltern sollten ihr bestes geben und signalisieren, dass sie immer ein offenes Ohr für die Probleme, Sorgen oder auch lustigen Geschichten der Kinder haben.

2. Aufmerksam Zuhören: Jugendliche sind empfindlich und sensibel. Wenn sie das Gefühl haben, dass sie von ihren Eltern nicht gehört werden, wenden sie sich immer häufiger an jemand anderen und weniger an Mama und Papa.

3. Gegenseitiger Respekt: Egal wie sehr man auch zu streiten beginnt, ein gewisser Grundrespekt sollte nie verloren gehen. Wenn doch einmal Grenzen überschritten werden, müssen diese angesprochen und geklärt werden.

4. Regeln mit Sanktionsmaßnahmen: Auch wenn es schwer fällt, müssen angedrohte Strafmaßnahmen durchgesetzt werden. Ein gemeinsames Miteinander braucht fixe Regeln und an diese müssen sich alle halten.

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