Wenn sich das Baby nicht beruhigen will... Foto: Spotmatik/iStock/Thinkstock

Säuglinge kommen zur Welt und alles ist neu, ständig machen sie neue Erfahrungen, die verarbeitet werden müssen. Außerdem haben Babys nur eine einzige Möglichkeit, sich mitzuteilen: schreien. Körperkontakt, Hunger, Nahrungsaufnahme und Verdauung, Temperaturempfinden und Tageslicht können Babys überfordern und zum Weinen bringen. Schreibabys gelten dabei als besonders sensibel und nehmen diese äußeren Einflüsse noch stärker wahr als andere Neugeborenen.

Wann gilt ein Kind als Schreibaby?

Studien haben gezeigt, dass jedes vierte Kind als Schreibaby gilt. Zur eindeutigen Definition hat Morris Wessel 1954 die sogenannte Dreierregel erstellt. Laut dieser gelten Neugeborene als Schreibabys wenn sie mehr als drei Stunden pro Tag, an mehr als drei Tagen pro Woche und seit mehr als drei Wochen ab der sechsten Lebenswoche schreien.

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Auch der Körper reagiert auf das Schreien Foto: Halfpoint/iStock/Thinkstock

Körperliche Ursachen

Meist ist das stundenlange Schreien nicht auf körperliche Ursachen zurückzuführen. Früher wurde das Weinen der Kinder auf die sogenannten Dreimonatskoliken zurückgeführt. Diese Koliken bringen starke Bauchschmerzen und Blähungen der Babys mit sich, da der Magen-Darmtrakt erst in Gang kommen muss. In manchen Fällen können auch Mittelohrentzündungen, Fehlstellungen der Wirbelsäule, Blockaden am Kopfgelenk oder im Rippenbereich die Ursache für häufiges Schreien sein. Allerdings schreit das Kind in den meisten Fällen, weil es nicht zur Ruhe kommt.

Gründe für endloses Weinen

Psychologen sind sich einig, dass das Dauer-Schreien nur sehr selten durch die Eltern selbst ausgelöst wird. Stattdessen wird das Schreien auf Regulationsprobleme zurückgeführt. Das bedeutet, dass sich das Kind nicht selbst beruhigen kann und die sogenannte Schlaf-Wach-Regulation fehlt. Schreibabys gelten außerdem als hypersensibel. Sie reagieren extrem feinfühlig auf äußere Einflüsse und neue Erfahrungen, die für die Neugeborenen extrem schwer zu verarbeiten sind. Aufgrund ihrer niedrigen Reizschwelle nehmen diese Babys mehr auf, als sie verarbeiten können und sind damit heillos überfordert. Andere Schreibabys sind wiederum sehr empfänglich für visuelle Reize und wollen unterhalten werden, obwohl sie bereits sehr müde sind. Wenn das Kind beispielsweise eine Rassel bekommt, beruhigt es sich kurz, sobald der Reiz weg ist, beginnt es wieder zu weinen.

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Schreibabys sind meist überfordert Foto: MitaStockImages/iStoch/Thinkstock

Kindlicher Körper reagiert auf vieles Schreien

Durch das andauernde Schreien schlucken die Babys viel Luft, wodurch sie Blähungen und einen harten Bauch bekommen. Das führt zu Schmerzen und verstärkt das Weinen erst recht. In vielen Fällen reagieren Schreibabys auch anders als erwartet. Wenn sie beispielsweise müde sind, reißen sie die Augen weit auf statt sie zu reiben. Dieses Verhalten deuten Eltern meist falsch. In der Meinung, das Kind wolle Aufmerksamkeit, sprechen sie mit dem Baby, was dieses in der Regel überfordert.

Stress meiden

Für Schreibabys sind bereits Kleinigkeiten zu viel. Daher raten Experten zu sehr viel Ruhe: wenig Besuch, kein Fernsehen, keine großen Unternehmungen und keine ständig wechselnden Bezugspersonen. Außerdem ist es wichtig, dass die Neugeborenen nach maximal eineinhalb Stunden Wachsein wieder schlafen, um sich erholen zu können. Wenn das Kind schreiend ins Bett gelegt wird, oder zu schreien beginnt, nachdem es hingelegt wurde, sollte es nicht sofort wieder herausgenommen werden, da das ein zusätzlicher Reiz ist, der Überforderung auslöst. Stattdessen sollte die flache Hand auf den Bauch des Babys gelegt werden. Das beruhigt und hilft beim Einschlafen. Generell brauchen Schreibabys viel Körperkontakt und lassen sich in manchen Fällen auch durch rhythmisches Schaukeln im Auto oder im Kinderwagen beruhigen. Ebenfalls beruhigend wirken warme Bäder und sanfte Massagen auf das Baby. Am besten erkundigen sich Eltern bei der Hebamme oder dem Kinderarzt über geeignete Massage-Punkte.

Ruhe bewahren!

Das ist die wichtigte Regel für Eltern. Wenn das Baby bereits stundenlang über mehrere Tage hinweg schreit, ist das leichter gesagt als getan, aber wenn Eltern gestresst reagieren, wirkt sich das negativ auf das Baby aus und führt zu noch mehr Geschrei.

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Einw armes Bad oder eine sanfte Massage können (kurzzeitig) helfen Foto: Vilches/iStock/Thinkstock

Um Hilfe fragen

Mit einem ständig schreienden Kind stoßen Mütter und Väter sehr schnell an ihre nervlichen Grenzen. Daher ist es wichtig, sich frühzeitig Hilfe zu holen. In allen österreichischen Bundesländern stehen Beratungsgruppen, Schreiambulanzen, Stillgruppen, Hebammen oder Kinderärzte mit Rat und Tat zur Seite. Das Fachpersonal begleitet betroffene Eltern und Kinder durch diese schwierige Phase. In vielen Fällen empfehlen Ärzte, ein Tagebuch über die Schlaf-, Schrei-, Essens- und Spielzeiten des Babys zu führen. Durch eine gemeinsame Analyse können erste Gründe für das andauernde Schreien gefunden und mögliche Stör- und Stressfaktoren entdeckt werden.

Nicht schütteln !!!

Auf keinen Fall darf das Neugeborene geschüttelt werden, damit es aufhört zu schreien! Dabei könnte es zu lebensbedrohlichen Verletzungen des Babys kommen. Wenn Eltern merken, dass sie die Nerven verlieren, sollten sie das Kind sicher hinlegen und kurz den Raum verlassen. Tief durchatmen und eventuell den anderen Elternteil oder eine Vertrauensperson anrufen - das kann beruhigen.

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Mütter sind oft am Rande der Verzweiflung Foto: fizkes/iStock/Thinkstock