Foto: Icehotel 2015/2016_Asaf Kliger
Foto: Icehotel 2015/2016_Paulina Holmgren
Foto: Icehotel 2015/2016_Paulina Holmgren
Foto: Icehotel 2015/2016_Asaf Kliger
Foto: Icehotel 2015/2016
Foto: Icehotel 2015/2016

Seit 27 Jahren wird in Jukkasjärvi jährlich das Eishotel errichtet: Im Jahr 1989 ließ der Eishotel-Gründer Yngve Bergqvist, inspiriert von den Eisskulpturen der Japaner, erstmals das Hotel erbauen, um das nordische 500-Seelen-Dörfchen auch im Winter zu einem Ziel für Touristen zu machen. Anfangs handelte es sich bei diesem Gebilde aus Schnee und Eis lediglich um ein etwas größeres Iglu, in welchem Kunstwerke aus Eis ausgestellt wurden – bis eines Tages eine Touristengruppe darum bat, in diesem damals „ARTic Hall“ genannten Raum übernachten zu dürfen. So wurde die Idee zum weltweit ersten Eishotel geboren.

ICEHOTEL2_-_Photo_Martin_Smeds___n.jpg
Von außen sieht das Eishotel relativ unscheinbar aus – doch hinter den mit Fell behängten Türen verbergen sich rund 50 Zimmer und Suiten. Foto: Icehotel 2015/2016_Martin Smeds

Großprojekt

Rund 60 Architekten und Designer arbeiten jährlich am Kunstwerk, das jedes Jahr im Dezember seine Pforten öffnet und im Frühling mit den ersten Sonnenstrahlen langsam wieder verschwindet. Sämtliche Bausteine des Hotels werden direkt nebenan in der Eishotel-Manufaktur gefertigt. Das Wasser stammt aus dem Fluss Torne, der durch Jukkasjärvi fließt und als einer der reinsten Flüsse Europas gilt. 1.000 Tonnen Wasser werden jährlich dem Torne entliehen, um damit das größte Eishotel der Welt herzustellen. Durch die Reinheit des Wassers, aus dem das Eis für das Eishotel gewonnen wird, kommen auch die Lichteffekte besonders zur Geltung – denn das gesamte Hotel wird mit blauen und grünen Lichtern stimmungsvoll beleuchtet.

50 Zimmer und Suiten

Beim Einchecken (im Warmen) wird uns das Procedere erklärt: Bis 19 Uhr sind die Zimmer des Eishotels öffentlich zugänglich – für Gäste des Hotels kostenlos, für Touristen, die nicht im Eishotel übernachten, gegen einen Eintritt von etwa 40,– Euro. Danach gehört unser gefrorenes Zimmer tatsächlich uns. Zum Hotel gehören übrigens auch beheizte Chalets – daher können Packages gebucht werden, die beispielsweise eine Nacht im Kalten und zwei Nächte im Warmen beinhalten. Beim Betreten des Eishotels wird klar, dass es sich hier nicht um ein kleines Projekt von Hobby-Schneemannbauern handelt: Das Hotel verfügt über etwa 50 Zimmer in verschiedenen Ausstattungskategorien, hat Gänge und einen Empfangsbereich und auch eine kleine Bar aus Eis sowie eine Kirche (für Hochzeiten). Die einzelnen Zimmer reichen vom Schneezimmer, in dem sich nichts außer einem Bett mit Fellen befindet, über die „Northern Light Suite“, in der Nordlicht-Effekte an die Decke projiziert werden, bis hin zu riesigen Suiten mit mehreren Zimmern, Sofas und Eisskulpturen. Verschiedene Themenzimmer überraschen mit kreativem Eisschmuck, etwa das „Counting-Sheep“-Zimmer, das voller Schäfchen ist. Die Zimmer werden Jahr für Jahr von neuen Künstlern und Designern entworfen und umgesetzt.

Überlebenstraining

Für die Nächtigungsgäste des Eishotels ist ein spezieller Eingang reserviert: Ein warmer Raum, in dem sich Schließfächer für das Gepäck sowie die WCs, Duschen und eine Sauna befinden, dient als Aufenthaltsraum, bevor die Schlafenszeit beginnt. Im Eishotel selbst gibt es keine Aufbewahrungsmöglichkeiten für das Gepäck. Jeden Abend gibt es „Überlebenskurse“, um die Gäste – großteils aufgeregt und ängstlich vor der Nacht im Eis – zu beruhigen und ihnen Tipps für die passende Kleidung und die richtige Verwendung des Schlafsacks zu geben. Schlafsäcke und dicke Winterschuhe erhält man vor dem Zubettgehen; die Schlafsäcke sind für arktische Temperaturen bis –25 Grad gemacht und daher richtig schön warm.

PH_141211_7235.jpg
Mit beleuchteten Eisskulpturen werden die Zimmer von verschiedenen Künstlern stimmungsvoll in Szene gesetzt. Foto: Icehotel 2015/2016

Coole Nacht

Wir sind also guter Dinge, als wir mit den Schlafsäcken unter dem Arm und bekleidet mit Thermounterwäsche, einem Pyjama und einer Haube, in unser Zimmer spazieren. Tatsächlich wird es im Schlafsack rasch warm – nicht jedoch im Gesicht. Trotz Haube und dick eingepackt bis zum Kinn wird die Nasenspitze recht schnell kalt. Wohlig-warme Gefühle kommen auch in der Nacht nicht auf: Denn bei jeder Bewegung zieht ein Schwall –5 Grad kalte Luft in meinen Schlafsack. Die Minusgrade sind eben doch gewöhnungsbedürftig und nichts für Zart-Besaitete. Von der schlaflosen Nacht mit Erfrierungen im Gesicht, vor der ich mich gefürchtet habe, bin ich aber Gott sei Dank weit entfernt. Geweckt werden wir am nächsten Morgen mit einem heißen Preiselbeersaft, dann geht’s ab unter die heiße Dusche oder in die Sauna. Der folgende Tag ist vor allem vom Gedanken an ein warmes Bett in einem warmen Zimmer geprägt, auf das ich mich so freue, als hätte ich seit Monaten keinen beheizten Raum mehr betreten. Fazit: Es war cool – im wahrsten Sinne des Wortes. Und es war eine Erfahrung, die man nicht unbedingt öfter als einmal im Leben machen muss.