Das Kernteam: Hemma Mair, Brigitte Luchscheider, Isabella Radler, Engelbert Lindner, Sonja Mitsche, Kristija Rehsmann, Andreas Ruppnig sowie Franz Himmelbauer und Harald Reinisch vorne Foto: 4everyoung.at

Konnten Arbeitssuchende über 50 Jahren, mit gesundheitlichen Einschränkungen und/ oder ohne Berufsausbildung nur in geringem Ausmaß von der guten Wirtschaftslage der vergangenen Monate profitieren, so sinken ihre Chancen auf einen (Wieder)Einstieg in den Arbeitsmarkt trotz eines Wirtschaftsaufschwungs noch weiter. Umso wichtiger ist es, die Betroffenen zu unterstützen, damit Arbeitslosigkeit nicht zur beruflichen Endstation wird. Die gemeinnützige Organisation 4everyoung bietet seit 20 Jahren spezielle Unterstützung, um den Weg zurück in den Regelarbeitsmarkt zu schaffen.

Start mit EDV-Kursen

Begonnen hat alles mit dem österreichweit ersten Internetcafé für SeniorInnen in Klagenfurt, das 4everyoung.at-Mastermind Sonja Mitsche am 1. Oktober 1999 ins Leben gerufen hat. Im „InterNettCafé“ sollten die älteren Menschen den Anschluss an die digitale Welt finden und sich so der drohenden Vereinsamung entziehen . Auch heute noch treffen sich interessierte SeniorInnen, um sich auszutauschen und um sich von den TrainerInnen Hilfe bei digitalen Fragen zu holen.

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Die NahtStelle ist eines der Herzstücke von 4everyoung Foto: 4everyoung.at

Echte Arbeit 

Nur wenige Jahre später kamen Beschäftigungsprojekte und Arbeitstraining für Arbeitssuchende hinzu, die vom AMS und vom Land Kärnten gefördert werden. In den Kreativwerkstätten „NahtStelle“ und „LieblingsDing“ werden qualitative Taschen, Schmuck, Uhren und noch viel mehr designt und hergestellt. Doch als wenig zielführende Beschäftigungstherapie will Sonja Mitsche ihre Herzensangelegenheit nicht sehen: „Wir sind zwar eine gemeinnützige, finanziell geförderte Organisation, dürfen also keine Gewinne machen, müssen jedoch einen großen Teil des Geldes für die Gehälter und die Miete etwa selbst aufbringen. Wir sind keine Übungsfirma. Wir haben echte Arbeit und echte Kunden.“

Werkstätten 

Alte Bühnenbilder, Werbeplanen und Lederstücke werden in stylische Rucksäcke, Kosmetik- oder Brieftaschen verwandelt. Aus nicht mehr funktionstüchtigen Computerteilen zaubern die engagierten MitarbeiterInnen einzigartige Uhren, Schmuck-Unikate oder spezielle Kunstwerke. „Auch Sonderanfertigungen sind für die KollegInnen kein Problem. Wir haben schon eine Aufbewahrungstasche für Yogamatten mit zusätzlichen Fächern für e-Reader, Smartphone und Kosmetiktasche aufgepeppt. Schwimmbadabdeckungen, Beschattungen und Grillerhauben haben auch schon unsere Werkstatt verlassen“, so Mitsche und stellt klar: „Wir basteln nicht! Die Menschen, vor allem Mädchen und junge Frauen kommen mit den Bereichen Holz- und Metallverarbeitung, Schmied- und Konstruktionstechnik in Berührung, sie entwickeln ihre Vorstellungsmöglichkeiten und verbessern ihre Feinmotorik und ihre Genauigkeit beim Arbeiten.“ Außerdem sei es kein Zuckerschlecken mit den großen Industrienähmaschinen zu arbeiten. „Erstens steckt da eine unglaubliche Kraft dahinter, die können immerhin sieben Lagen Leder auf einmal nähen. Zum anderen schnuppern die Teilnehmer in die Maschinenkunde. Geht nämlich etwas kaputt, rufen wir nicht sofort einen Techniker. Unser technischer Leiter und Firmenpartner, Harald Reinisch, repariert die Maschinen mit den KollegInnen gemeinsam. So wird das logische Denken gefördert. Gemeinsam gehen sie der Ursache auf den Grund und finden so heraus, warum etwas passiert ist.“ 

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Edle Schmuckstücke werden aus nicht brauchbaren Computerteilen gezaubert Foto: 4everyoung.at

Ausgezeichnet

Als 2008 mit der Einführung des neuen Windows-Betriebssystems Vista viele Computer unbrauchbar geworden sind, kam Mitsche eine bahnbrechende Idee, die im Jahr darauf mit dem größten österreichischen Sozialpreis ausgezeichnet wurde und die viele Nachahmer gefunden hat. Die Geräte wurden eingesammelt, wieder funktionstüchtig gemacht und an finanziell schwache Familien um einen Anerkennungsbeitrag von 40 Euro pro Set übergeben. Auch heute noch wird dieses Angebot gern in Anspruch genommen.

Digital

Und weil der Umgang mit dem Computer heutzutage in allen Berufen gefragt ist und inzwischen zum Alphabetisierungsprozess wie Schreiben und Rechnen lernen gehört, bietet die Organisation immer noch maßgeschneiderte Kurse an. einzelcoachings, Gruppentrainings bis hin zum "fliegenden Klassenzimmer", das dort seine Zelte aufschlägt, wo es gerade gebraucht wird. Mitsche erinnert sich: "Als wir mit dem fliegenden Klassenzimmer begonnen haben und hauptsächlich die Kurse für Frauen abhielten, haben wir uns an die Erntezeiten gehalten und die Kurse an den unmöglichsten Orten abgehalten. Wir mussten sie damals zum Teil als Spielenachmittag für Kinder tarnen, weil die Frauen ja keine Computerkurse machen durften."

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Die Boutique in der Feschnigstraße 78 lädt zum Schmökern ein Foto: 4everyoung.at

Stärken 

Wichtig für Mitsche und ihr Team ist es, die Stärken der jeweiligen Teilnehmer zu nutzen und nicht an ihren Schwächen zu arbeiten. „Das derzeit groß propagierte Kompetenzarbeiten setzen wir schon seit Jahren um. Was man gut kann und wofür man eine Leidenschaft hat, macht man auch gut. Dann ist es auch völlig egal, ob es sich um einen artfremden Beruf handelt“, ist Mitsche überzeugt.

Mehr über die Projekte erfahren Sie hier

Hier geht es zum Webshop "GuteDinge", wo man die Werkstücke von "LieblingsDing" und "NahtStelle" kaufen kann.