Antibiotika-Rückstände in Fleisch und zu häufige Einnahme fördern die Resistenz und unliebsame Nebenwirkungen Foto: tibor13/iStock/Getty Images Plus/Getty Images

Zum mittlerweile zwölften Mal steht der 18. November heuer im Zeichen des Europäischen Antibiotikatages, der ein Bewusstsein für die Gefahr, die von Antibiotikaresistenzen ausgeht, schaffen und zu einem verantwortungsvollen Umgang mit den Medikamenten anregen möchte. Und wie aus mehreren aktuellen Studien hervorgeht, ist dies auch bitter nötig, da sich eine wachsende Zahl an Patienten mit antibiotikaresistenten Bakterien infiziert, woraus sich mitunter fatale Konsequenzen sowohl für den Einzelnen als auch die Gesellschaft als Ganzes ergeben.

Geburtsstunde

Dabei galten Antibiotika lange als eine der durchschlagskräftigsten Waffen der Medizin, deren Entwicklung auf die Ent­deckung des Penicillins zu­rückgeht. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts experimentierte der französische Militärarzt Ernest Duchesne mit der antibakteriellen Wirkung bestimmter Schimmelpilz­arten. Der Durchbruch gelang schlussendlich dem schottischen Mediziner und Bakteriologen Alexander Fleming, der 1929 einen bakterieneliminierenden Stoff aus einer verschimmelten Staphylokokkenkultur extrahierte und Penicillin taufte, wofür ihm 1945 der Nobelpreis zuerkannt wurde.

Siegeszug. Die Erfolge des Penicillins befeuerten daraufhin den Forscherdrang, der in einem wahren Studienboom in den 1970er- und 1980er-Jahren sowie der Entdeckung zahlreicher weiterer Antibiotika gipfelte. Heute zählen Antibiotika zu den weltweit am öftesten verschriebenen Medikamenten, von denen 2018 allein in Österreich laut Statistik rund 70.000 Kilogramm Wirksubstanz verbraucht wurden und deutschlandweit ca. 3.000 Präparate zugelassen sind.

Wirkungsweise

Antibio­tika töten Bakterien ab oder hemmen deren Wachstum, was sie für einen Einsatz gegen Infektionskrankheiten bei Menschen, Tieren und fallweise auch Pflanzen prädestiniert. So werden sie etwa zur Bekämpfung von bakteriellen Infektionen wie Lungenentzündungen oder Blutvergiftungen verschrieben. Mittel, die gegen virale Erkrankungen helfen, werden Virustatika genannt und beispielsweise gegen HIV oder Herpes verabreicht. Antibiotika sind immer gegen nur eine oder aber mehrere Arten von Bakterien wirksam, nie jedoch gegen alle. Im Laufe der Geschichte habe sie unzähligen Menschen das Leben gerettet, die Ausbreitung katastrophaler Epidemien unterbunden und vormals tödliche Krankheiten komplett ausradiert.

Zwecklos

In letzter Zeit lässt sich allerdings ein beunruhigender Trend beobachten: Immer häufiger versagen Antibiotika ihren lebensrettenden Dienst, da sich Bakterien auf ihre Wirkstoffe einstellen konnten und Resistenzen gegen sie ausgebildet haben, wofür ein unsachgemäßer oder übermäßiger Antibiotikakonsum verantwortlich zeichnet. Das ­jeweilige Antibiotikum ist ­somit nicht mehr in der Lage, die Krankheitserreger unschädlich zu machen oder sie an ihrer Reproduktion zu hindern. Dadurch verzögert sich nicht nur der Heilungsprozess erheblich, sondern er muss mitunter auch intensiviert und um den Einsatz von Reserveantibiotika, die nur für gravierende Notfälle vorgesehen sind und schwere Nebenwirkungen mit sich bringen können, erweitert werden. Doch selbst diese „Superantibiotika“ müssen sich zunehmend besonders aggressiven multiresistenten Keimen geschlagen geben. Schlimmstenfalls kann das sogar zum Tod des Patienten führen, was Schätzungen zufolge jährlich ca. 33.000 Menschen in Europa das Leben kostet.

Gegenmaßnahmen

Um dem Voranschreiten der Antibiotikaresistenz Einhalt zu gebieten, ist daher ein Umdenken sowohl von Ärzten als auch von Patienten notwendig. So sollte etwa der Rezeptblock der Mediziner bei der Verschreibung der Arznei nicht zu locker sitzen. Experten gehen nämlich davon aus, dass bis zu 30 Prozent der Verordnungen vermeidbar wären. Da Antibiotika keine Viren auslöschen, sind sie z. B. für die Therapie von Fieber, Grippe oder Erkältung ungeeignet. Patienten wiederum dürfen die Medikamente nicht verfrüht absetzen oder deren Dosierung eigenmächtig ändern. Etwaige dem Partner verschriebene Antibiotika sind ebenfalls tabu. Eine Reduktion des Fleischkonsums kann ferner auch nicht schaden, da Antibiotika überdies verstärkt in Tierfutter vorkommen.

Forschungserfolg

Da die Entwicklung neuer Antibiotika wirtschaftlich nur wenig attraktiv ist, wurden diesbezügliche Forschungsaktivitäten seitens der Pharmaindustrie in den vergangenen Jahrzehnten weitestgehend vernachlässigt. Kürzlich haben jedoch Wissenschaftler der Universität Zürich mit der Entdeckung einer neuen Antibiotikaklasse aufhorchen lassen, die allen bekannten Resistenzmechanismen trotzen soll. Ob der neue Wirkstoff jedoch das Ende der Bedrohung durch multiresistente Keime einläuten wird, wird sich erst in den kommenden Jahren weisen.