Das erste Bambusfahrrad wurde 1894 vorgestellt Foto: KK

Klagenfurt, Ferlach, Ebenthal - das sind alles Stationen der weltweit ersten industriell organisierten Bambusfahrradproduktion. Eine beinahe vergessene Tradition, die erst jetzt wieder aus dem Schatten tritt. Im nächsten Jahr werden Schüler des 5. Jahrgangs der Abteilung Industriedesign der EUREGIO HTBLVA Ferlach in ihren Diplomarbeiten untersuchen, wie auf Grundlage der Ideen der Firma K.k. priv. Bambusfahrräderfabrik Grunder & Lemisch verbunden mit modernen Materialen und Herstellverfahren heute nachhaltige und wartungsfreundliche Bambusfahrradrahmen gebaut werden können.

Ideengeber

Den Anstoss gab das eben erschienene Buch von Oswald Wieser „Grundner & Lemisch Bambusfahrräder – in die Zukunft geholt“, dessen Inhalt sein Klappentext so beschreibt: "Auf der Stanley Cycle Show wurde im November 1894 das erste Bambusfahrrad der Bamboo Cycle Co. Ltd. vorgestellt als ‚the most elegant machine upon the market, and up to date in any respect‘. Es wurde sofort zur Sensation der Fahrradausstellung und die Nachricht darüber elektrisierte auch die Fahrradenthusiasten und Technikfreunde in Klagenfurt, Österreich. Es waren vor allem Franz Grundner, Otto Lemisch und Karl Bräuer, denen es gelang in den folgenden zwei Jahren Bambusfahrräder zur Serienreife zu bringen, die notwendigen internationalen Patente zu erwerben und eine Firma mit Produktionsstätte aufzubauen. 1898 hatte das Unternehmen bereits 63 Mitarbeiter und belieferte über Vertriebspartner und den damals aufkommenden Katalogvertrieb viele Länder Europas. In diesen Zeitraum fällt auch der Wettlauf von Erfindern in England, den USA und Österreich, die alle Patente für Bambusfahrräder einreichten. Aus diesem Fundus stellt das Buch diejenigen Ideen dar, die heute in Verbindung mit digitalen Fertigungstechniken und neuen Materialen geeignet sind, wartungsarme und nachhaltige Fahrräder zu bauen.”

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Das Bambusfahrrad und seine Möglichkeiten sind Thema einer Diplomarbeit an der EUREGIO HTBLVA Ferlach Foto: KK

Workshops

Parallel zu der Diplomarbeit an der HTL Ferlach plant der MAKERSPACE Carinthia in Klagenfurt - zusammen mit der Firma Smart Grass Bicycles aus Deutschland - Workshops zum Selbstbau maßgeschneiderter Bambusfahrräder anzubieten. Mit seiner hervorragenden Ausstattung an Know-how und Maschinen ein idealer Ort, um auch die Entwicklung und Erprobung neuer Materialen und Herstellungsverfahren in Angriff zu nehmen. Ziel ist es, einen Bambusfahrradrahmen zu entwickeln, der leicht zerlegbar ist und aus biologisch abbaubaren Materialien besteht. Wenn man so will, treffen in diesem Projekt der Universalschlüssel von IKEA auf den vielversprechenden Stoff Lignin („flüssiges Holz“), der als Nebenprodukt in der Papierproduktion anfällt. In den Zellwänden eingelagert ist es Lignin, das jedem Baum erlaubt aufrecht zu stehen, eine Eigenschaft, die bei Bau von Bambusfährrädern sehr gut genutzt werden kann. Lignin ist biologisch abbaubar und der erste Kandidat um das Kunstharz Epoxid zu ersetzen.

Wiederverwendung

Die konstruktiven Ideen von Grundner & Lemisch sind aber nicht nur im Zusammenhang mit biologisch abbaubaren Materialien interessant. Die Firma plasticpreneur, ebenfalls im MAKERSPACE Carinthia angesiedelt, beschäftigt sich seit Jahren mit der Wiederverwendung von Plastik. Sie unterstützt Firmen bei der Gründung und bei der Entwicklung ihres Geschäftes. Sie bietet Plug-and- Play-Recyclingsysteme an mit deren Hilfe Plastik geschreddert und zu neuen Produkten verarbeitet werden kann. Rahmenverbindungen aus Altplastik herzustellen, die wie die gleichen Teile aus Lignin konstruiert wurden, sind das Ziel das plasticpreneur in diesem Projekt verfolgt. Mit dem Angebot von Bambusfahrradbaukursen parallel zu den Diplomarbeiten und der Entwicklungstätigkeiten besteht eine Möglichkeit sich näher mit dem Thema Bambusfahrrad heute zu beschäftigen.

Hinter die Kulissen blicken

Wer nur mal schnuppern möchte, kann in die Geschichte der Ferlacher und Ebenthaler Bambusfahrradproduktion durch Teilnahme an den geführte Radtouren von RadKULTUR Delsnig teilnehmen. Pörtschach, Ferlach, Ebenthal und Klagenfurt sind die für das nächste Frühjahr geplanten Stationen, an denen sich die Geschichte der Firma Grundner & Lemisch erfahren lässt und wo heute dem Thema Bambusfahrräder neues Leben verliehen wird.