Mario Kunasek im Weekend-Interview über den blauen Machtanspruch. Foto: geopho.com

Weekend: Herr Klubobmann, jetzt einmal Hand aufs Herz – wer wäre Ihnen nach der Nationalratswahl im Bund als Koalitionspartner lieber?

Mario Kunasek: Ich kann da überhaupt keine Wunschkoalition nennen. Wenn Sie mich nach einer Momentaufnahme fragen, dann schaut es natürlich schon so aus, also ob wir mit Sebastian Kurz leichter FPÖ-Positionen durchsetzen können. Bei der SPÖ hoffe ich, dass bald einmal Vernunft einkehrt und die Herrschaften sich endlich klar deklarieren, ja oder nein – das bisher ist ja der reinste Eiertanz. Bevor es zu irgendwelchen Koalitionsverhandlungen kommt, ist aber einmal der Wähler am Wort.

Weekend: In der Steiermark haben Sie für die Wähler zuletzt offenbar die richtigen Argumente gefunden – verraten Sie uns doch das Erfolgsgeheimnis der steirischen FPÖ.

Mario Kunasek: Ich glaub, da muss man ausholen. Wir haben als einzige Partei einen echten Neustart hingelegt – und zwar im Jahr 2005, als wir bundesweit durch das BZÖ unter die Räder gekommen sind und es uns auch aus dem Landtag geschmissen hat. Das war der Anfang von etwas wirklich Neuem. Nämlich das Auflösen alter Strukturen. Wir haben damals mit einem Schlag 40 Mitarbeiter verloren, haben eine Landespartei mit 25.000 Euro im Jahr finanziert. Das hat dann die Mischung aus alten Kämpfern, die dabei geblieben sind, und Jungen, die etwas bewegen wollen, ermöglicht. Dazu die Eckpfeiler der freiheitlichen Politik: Hausverstand gepaart mit Pragmatismus und Heimatverbundenheit – das hat uns diese Wahlsiege eingebracht.

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Weekend: Sie haben gerade betont, die einzige Partei, die einen völligen Neustart vollzogen hat – das heißt, der Neustart von Sebastian Kurz und der ÖVP ist keiner?

Mario Kunasek: Das ist kein Neustart, wie wir ihn vollzogen haben. Uns hat es damals ja sämtliche Strukturen zerschlagen. Kurz übernimmt bestehende Strukturen, hier und da werden vielleicht Nachbesserungsarbeiten vorgenommen. Es bleibt aber abzuwarten, ob diese strukturelle Revolution dann auch wirklich so stattfindet. Ich kann es mir etwa nicht vorstellen, dass sich ein Reinhold Lopatka als Klubobmann einfach so abmontieren lässt. Und im Endeffekt ist es eben die ÖVP, die er als Bewegung führen möchte.

Weekend: Aber prinzipiell ist Kurz ideologisch ja nicht so weit weg von der FPÖ …

Mario Kunasek: Ja, auf der einen Seite muss man natürlich froh sein, Partner zu finden und das eine oder andere gemeinsam umsetzen zu können. Andererseits war er bei allen Beschlüssen der Bundesregierung dabei. Ich kann also nicht sagen, dass ich Sebastian Kurz vertraue, dass er alles umsetzt, was er ankündigt. Aber natürlich, wenn er wirklich daran geht, gewisse Themen anzupacken, die mit der SPÖ nicht umsetzbar sind – im Bereich der Zuwanderung, Asyl, Soziales – dann herzlich willkommen.

Weekend: Laut Innenministerium hat es heuer bis Mai 10.520 Asylanträge gegeben – im Vorjahr waren es 22.419, 2015 noch mehr. Haben wir überhaupt noch ein Asylproblem?

Mario Kunasek: Natürlich, es hat sich nur verlagert – vom Nahen Osten nach Afrika. Wir haben jetzt etwa mehr Menschen, die übers Mittelmeer nach Italien kommen, als 2015. Da zu sagen, das Problem ist nicht mehr vorhanden, stimmt also schlichtweg nicht.

Weekend: Aber reicht dieses eine Thema für den Wahlkampf? Zumal sich ja auch Bundeskanzler Kern und eben Kurz deutlich nach rechts orientiert haben …

Mario Kunasek: Die Herren müssen einmal den Beweis antreten, dass es Ihnen auch ernst ist. Inserieren kann ich bald einmal etwas – ich muss es dann aber auch politisch leben. Ich glaube außerdem, dass die Leute zum Schmied und nicht zum Schmiedl gehen werden. Außerdem wird Asyl nicht unser einziges Thema sein – klarerweise. Wir haben ja vielfältige Problemstellungen, wir haben etwa massive Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt …

Weekend: … der sich aber ja zu erholen scheint.

Mario Kunasek: Natürlich kann ich immer sagen, so schlecht wie im Vorjahr stehen wir nicht da – aber das kann doch nicht der Anspruch für Österreich sein. Wir haben 50.000 Menschen, die in der Steiermark ohne Job sind – denen hilft es überhaupt nichts, wenn der Herr Minister sagt, dass es eh aufwärts geht. Wir haben vielfältige Problemstellungen und Rot und Schwarz waren nicht in der Lage, dies pragmatisch anzugehen.

Weekend: 2020 haben wir in der Steiermark wieder Landtagswahlen – Ihr Ziel kann da eigentlich nur sein, Landeshauptmann zu werden, oder?

Mario Kunasek: Selbst wenn wir stimmenstärkste Partei werden, die Garantie, dass ich auch Landeshauptmann werde, habe ich nicht. Ich kann nur sagen, dass wir so stark werden wollen, dass man an uns nicht mehr vorbeikommt. Und die gleiche Position haben wir in Wien bei den anstehenden Nationalratswahlen.