Bis 2025 will China in zehn Schlüsseltechnologien die Nase vorne haben Foto: NanoStockk/iStock/Getty Images Plus/Getty Images

Die hübsche Kaffeekapselhalterung (18,20 Euro), das praktische Plastikschneidbrett (1,99 Euro), sogar die stylischen Nike-Treter (139,90 Euro) – sie alle haben eines gemeinsam: ihren chinesischen Ursprung. In der Zahnbürste, dem Fernseher und Kopiergerät lauert der Rote Riese. Täglich kommen wir unzählige Male mit Produkten aus dem Reich der Mitte in Kontakt, täglich werden es mehr. Und immer öfter ordern wir unsere Alltagsobjekte direkt in Fernost.

Wish und Klick

Onlinehandelsplattformen wie Alibaba, Wish und Co. verzeichnen zweistellige Zuwachszahlen. Selbst wer sich aufs altbekannte amerikanische Amazon verlässt, importiert immer häufiger aus China. Denn der Onlinegigant wird mittlerweile mit chinesischer Billigware geflutet. Wer nicht aufpasst, den kommt die Shoppingtour in Asien mitunter teuer zu stehen. Wird die Zollfreigrenze von 22 Euro überschritten, drohen nicht gerade zimperliche Zollnachzahlungen – zusätzlich zu Zeitverzögerungen bei der Lieferung.

iPod-City

70 Prozent aller technologischen Gerätschaften kommen bereits heute zumindest teilweise aus China. Oft ist uns der Ursprung unserer Utensilien gar nicht bewusst. Samsung, Apple und Sony mögen ihren Firmensitz in Südkorea, Kalifornien und Japan haben; produzieren lassen sie allesamt in China. Leistungsstärkster Lieferant ist der Fertigungsbetrieb Foxconn. Für ihn arbeiten allein in "iPod City" in Shenzhen mehr als 300.000 Menschen. Das entspricht der Einwohnerzahl von Graz. 75 Prozent der im Namen von Intel verkauften Mainboards werden in Foxconns Hightechhallen her­gestellt. Produziert wird aber auch für Powerplayer wie Nintendo, Microsoft und Hew­lett-Parker.

Plagiatsprofi

Da die meisten technologischen Produkte oder zumindest wichtige Bauteile in der Volksrepublik gefertigt werden, verwundert es nicht, dass das Reich der Mitte als Kopier-König gilt. China will aber nicht mehr nur Massenware herstellen, sondern sich auch im Bereich Hightech einen Namen machen. Vom Fertigen billiger Fakes verlegt man sich verstärkt auf die Produktion oberflächenschöner Originale, die vermeintlich westlichen Waren um nichts nachstehen. Huawei, Xiaomi und OnePlus sind mittlerweile Fixgrößen am Smartphone-Firmament. Bestellte man vor einigen Jahren ein Handy bei Xiaomi, musste man damit rechnen, es vollgepackt mit Spy- und Malware geliefert zu bekommen. Heute betreibt der Elektronikhersteller in Österreich sogar einen eigenen Shop und mausert sich zum renommierten Anbieter.

China ist auf Schiene

Auch in anderen Branchen hat der Rote Riese den Fuß bereits in der Tür. Ausgerechnet im Bahnfahrerland Österreich werden Europas erste CRRC-Schnellzüge fahren. Die chinesischen Schnellzüge sollen demnächst auf der Westbahnstrecke verkehren. Der Kauf gilt als Präzedenzfall und Schlüssel zum europäischen Markt. Auch die Automobilbranche bekommt das Aufbäumen des ambitionierten Aufsteigers aus Asien demnächst zu spüren. In der Vergangenheit hat sich China mit Desaster-Modellen wie Landwind und Brilliance BS24 eine blutige Nase geholt. Das könnte bald vorbei sein. Ab 2020 sollen die ersten Elektroautos von Byton, made in China, den europäischen Markt erobern und Tesla vom E-Antrieb-Thron verdrängen.

Wichtiges Wissen

War China lange Zeit als Billig-Ramsch-Exportland bekannt, setzt die kommunistische Einheitsregierung in ihrem Fünfjahresplan nun alles daran, in den Olymp der Hightechnationen aufzusteigen. Wichtig für den chinesischen Wirtschaftsfeldzug: Wissen. Die Tage des unverschämten Abkupferns sind gezählt. Heute wird Know-how offen käuflich erworben. Auf dem Weg zur industriellen Supermacht befindet sich der kommunistische Staat aktuell auf Shoppingtour. Zehn Milliarden Euro hat China 2018 alleine in Deutschland investiert. Auch österreichische Unternehmen sind nicht gefeit. Atomic, Wolford und ATB: Immer öfter ist China drin, wo Österreich draufsteht. Gerade für eher finanzschwache Tech­nologie­unternehmen gilt der Ausverkauf ins Ausland als allzu reales Albtraumszenario. Arbeitnehmer fürchten die Abwanderung der Produktion, Betriebe und Regierungen den Abzug von Fachwissen. "Nicht jeder Investor ist ein freundlicher Investor, und nicht immer ist Partnerschaft auf Augenhöhe die Hauptmotivation für einen Markteintritt", warnte auch Exwirtschaftsministerin Margarete Schramböck. "Oft geht es schlicht um ­Technologie- und Know-how-Transfer."

Technologie-Trojaner

Das Pekinger Politbüro hat für 2025 ambitionierte Pläne: In zehn Schlüsseltechnologien soll China den Markt erobern und zum 100-jährigen Jubiläum der kommunistischen Republik 2049 führende Weltmacht sein. In Zukunftstechnologien wie dem Netzstandard 5G ist China bereits in der Poleposition. Der Netzstandard ist für ­Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz und fahrerloses Fahren unverzichtbar. Brisant wird das Wettrennen um die Vorreiterrolle durch eine massive Vertrauenskrise. Die Bedenken der westlichen Welt wiegen schwer: Wird der kommunistische Einparteienstaat die Überwachung seiner Bürger ausdehnen und 5G zur verstärkten Spionage einsetzen? In den USA ist Technologieführer Huawei bereits auf die schwarze Liste gerückt. Amerika wehrt sich mit Händen und Füßen gegen den wirtschaflichen Konkurrenten. Seit März wurden mehr als 250 Milliarden Euro Strafzölle auf chinesische Produkte verhängt. Die Frage bleibt, wie Österreich und die EU auf den Druck aus dem Osten reagieren werden.

9 erstaunliche Dinge über China

  1. Von 2017 auf 2018 wuchs das christliche Bruttoinlandsprodukt um 6,6 Prozent auf rund 12,21 Billionen Euro an.
  2. China ist die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft.
  3. China hat 1,4 Milliarden Einwohner. Das ist ein Fünftel der Weltbevölkerung.
  4. Ikea lässt 27 Prozent seiner Möbel in China fertigen.
  5. Nike produziert ein Viertel seiner Waren im Reich der Mitte.
  6. 300.000 Menschen sind bei Foxconn in China in der iPhone-Produktion beschäftigt.
  7. Mit einem bilateralen Handelsvolumen von 13,17 Milliarden Euro ist China Österreichs wichtigster Handelspartner in Asien.
  8. Jeder sechste Österreicher hat bereits bei Alibaba oder anderen chinesischen Anbietern bestellt.
  9. Österreich hat 2018 Waren im Wert von 9,1 Milliarden Euro aus China importiert.