Christiane Wernig leitet seit zehn Jahren die Spenglerei und Schwarzdeckerei Mitzner in Villach Foto: EL-Media

Theoretisch war es schon immer klar, dass Christiane Wernig den Betrieb ihres Vaters – die „Mitzner Spenglerei & Schwarzdeckerei“ - eines Tages übernehmen wird. „Ich war als Kind schon mit meinem Vater auf den Baustellen unterwegs, habe mich in der Werkstatt versucht und bin auf den Dächern herumgekrochen“, erinnert sich die dreifache Mutter. Praktisch aber wollte sie unbedingt noch vorher andere Erfahrungen sammeln und ging nach ihrer Matura an der HTL für Gebäudetechnik mit Schwerpunkt Installationstechnik nach Graz und Wien zum Studieren.

Vor der Wahl 

Vor rund zehn Jahren – nach dem Studienabschluss und einigen beruflichen Stationen im Planungsbüro, in einem Medienunternehmen und bei einem Steuerberater – ereilte die damals 36-Jährige der Ruf des Vaters, der gesundheitsbedingt zuerst kürzer treten und dann komplett aus dem operativen Geschäft aussteigen musste. „Ich stand vor der Wahl: Entweder meine Steuerberaterprüfung machen oder die Firma übernehmen. Ich sah keine große Chance, mich mit drei Kindern in einer großen Kanzlei hochzuarbeiten. Mein Ziel war ohnehin immer die Selbstständigkeit“, sagt die ausgebildete Emotionaltrainerin. Letztlich sprang die Villacherin ins kalte Wasser. „Ich war anfangs auf allen Baustellen mit, bin aber relativ schnell draufgekommen, dass es wenig Sinn macht, wenn ich aktiv mithelfe, weil ich einfach nicht in der körperlichen Verfassung bin. Ich habe dann organisiert, aufgeräumt und das nötige Werkzeug bereitgestellt. Bis auf Ziegeldeckung habe ich aber alles schon gemacht.“

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Christiane Wernig hat ihre Höhenangst überwunden Foto: Privat

Sich behaupten 

Doch selbst nach zehn Jahren wird sie als Frau an der Spitze einer Männerdomäne nicht immer ernst genommen. Nach wie vor verlangt man am Telefon „nach dem Chef“. Damit geht die Unternehmerin inzwischen ziemlich locker um. „Bei richtig hartnäckigen Telefonkeilern sage ich dann schon: ‚Hätten Sie Ihre Hausaufgabe gemacht, wären wir vielleicht ins Geschäft gekommen.‘ Oft wollen auch Kunden unbedingt, dass ich einen Techniker mit zum Erstgespräch nehme und kommen dann drauf, dass es gar nicht notwendig gewesen wäre.“ Auch besonders schäbige Situationen bleiben der Chefin nicht erspart. „Ich habe einmal zusammen mit einer Malerin eine Baustelle besichtig und da war auch ein Planer vor Ort, der sich damit rühmte, alle – egal ob Mann oder Frau – gleich zu behandeln. Als ich dann am Boden herumkniete, sagte er zum Bauherren: ‚Sehen’s, das gefällt mir, wenn Frauen vor mir knien‘ und das war so widerlich.“

Hindernisse überwinden

Dass sie als Frau anders behandelt wird, hat die Villacherin auch beim Bau ihres neuen Standortes in der Maria Gailer Straße gemerkt, der als Ort der Kooperation dient und drei Firmen eine Heimat bietet. „Als Bauherrin musste ich nur zwei Mal meinen Mitarbeiter mit Meisterprüfung vorschicken, weil ich merkte, dass es nicht funktionieren würde. Mit der Bankfinanzierung war es dann schon schwieriger. Offenbar ist man es bei den Banken nicht so gewohnt, dass eine Frau baut.“

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Ort der Kooperationen: Im Vorzeigeprojekt "MG27" hat nicht nur die Firma Mitzner Platz, sondern auch Joka Möbel und ChriSport Foto: Astrid Falosch

Nachfolge geklärt?

Ob sie selbst einen Nachfolger in der Familie finden wird, wenn es so weit ist, weiß die 46-Jährige noch nicht. Drängen will sie niemanden. Eine Anwärterin gibt es aber bereits: „Meine elfjährige Tochter ist sehr technikaffin, immer schon gewesen. Wohingegen die beiden Söhne eher Kopfmenschen sind. Aber drängen werde ich sie sicherlich nicht zur Übernahme. Tradition ist zwar schön, bringt aber nicht viel. Man muss sich nach den Gegebenheiten orientieren.“

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"Ich bin dankbar für mein kompetentes Team", sagt Mitzner-Chefin Christiane Wernig Foto: Privat

Frauen motivieren 

Trotz ihrer zum Teil diskriminierenden Erfahrungen will Christiane Wernig Mädchen und jungen Frauen Mut machen, sich auszuprobieren und für sich herauszufinden, was sie gerne machen. „Als Frau in einer Männerdomäne ist es anstrengend, aber auch sehr spannend. Die Männer müssen einfach nur damit klarkommen, dass auch wir Frauen jetzt auf die Jagd gehen. Wir wollen die Männer aber nicht bekämpfen. Wir müssen das gemeinsam schaffen. Jeder hat seine Stärken und die muss man richtig einsetzen.“ Ohne ein funktionierendes Netzwerk hätte Wernig es nicht geschafft und betont das immer wieder gern: „Ich bin allen so dankbar. Meinen Mitarbeitern, meiner Familie und meinen Freundinnen!“

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