Die Caritas Salzburg bietet im Haus Elisabeth täglich ein warmes Mittagessen für Menschen in Not. Foto: Caritas Salzburg

Die Folgen der Corona-Krise bekommen die Schwächsten unserer Gesellschaft am stärksten zu spüren: die Arbeitslosenrate nimmt zu, das Geld wird noch knapper und soziale Märkte sowie Essensausgabestellen schließen ihre Pforten. „Viele, denen wir helfen, befanden sich schon in der Zeit vor Corona in existenziellen Krisen, die sich nun massiv verschärfen. Aber auch Menschen, die bislang noch nicht auf die Hilfe der Caritas angewiesen waren, melden sich jetzt bei uns“, sagt Bernd Wachter, Generalsekretär der Caritas Österreich.

Für nicht wenige betroffene Salzburger stellt sich nun die Frage, wie sie sich die Grundnahrungsmittel derzeit leisten sollen. Erst gestern ging von NEOS Salzburg Sozialsprecher Sebastian Huber ein Appell an die Bundesregierung, dem Lebensmittelhandel eine Möglichkeit zu geben, übrig gebliebene Lebensmittel oder jene, die das Mindesthaltbarkeitsdatum erst knapp überschritten haben und noch genießbar sind, unbürokratisch an bedürftige Menschen verschenken zu dürfen. „Eine Vernichtung dieser Produkte wäre in der jetzigen Situation ein vollkommen falsches Zeichen“, so Huber.

Wir haben bei Caritas Salzburg-Direktor Johannes Dines nachgefragt, wie sich die aktuelle Situation in Salzburg darstellt, ob es Akut-Hilfsprogramme gibt und was er von Sebastian Hubers Aufruf hält.

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Caritas Salzburg-Direktor Johannes Dines im Gespräch mit Weekend. Foto: www.neumayr.cc

Weekend: Herr Dines, wie sehr trifft die Corona-Krise bedürftige, finanziell schwache Salzburger?

Dines: Es sind immer die Schwächsten und Ärmsten in unserer Gesellschaft, die es am härtesten trifft: Mindestpensionisten, kinderreiche Familien, Alleinerziehende, Obdachlose, Menschen mit Behinderung. Dazu kommen aktuell noch viele, die aufgrund der Krise ihre Arbeit verloren haben, in Kurzarbeit sind oder Selbstständige und Kleinunternehmer, die ihre Lebensgrundlage verloren haben. Unser Grundverständnis als Caritas ist es, Not zu sehen und zu handeln – dem wollen und müssen wir gerade in dieser außergewöhnlichen Situation bestmöglich nachkommen. Um so vielen Menschen wie möglich helfen zu können, brauchen wir die Hilfe und Solidarität der Salzburger. Mit Spenden können wir genau da helfen, wo es am nötigsten ist.

Weekend: Hat die Caritas Salzburg spezielle Hilfsprogramme ins Leben gerufen?

Dines: Wir konnten schon einiges umsetzen und arbeiten gemeinsam mit allen unseren Netzwerkpartnern laufend an weiteren Hilfsangeboten. Wir haben bereits eine tägliche Essensausgabe beim „Haus Elisabeth“ auf die Beine gestellt und unterstützen nach wie vor Menschen in Not über unsere Sozialberatung, telefonisch unter der Nummer 05-1760-1760. Hier können wir ganz akut und rasch unterstützen – mit Lebensmitteln oder auch finanzieller Überbrückung.

Weekend: Sind Essensausgabestellen in Salzburg weiterhin geöffnet?

Dines: Mit großartiger Unterstützung der Stadt Salzburg und von Salzburger Unternehmen können wir beim Haus Elisabeth täglich ein warmes Mittagessen an Menschen in Not ausgeben. Etwa 150 Portionen sind es pro Tag, die im Bildungscampus Gnigl gekocht und verteilt werden. Der Großteil der anderen Angebote ist derzeit geschlossen, so ist das für die meisten Menschen in Not die einzige richtige Mahlzeit am Tag. Wir versuchen weiterhin – auch in Kooperation mit verschiedenen Trägern am Land – Menschen in Not zu helfen. Die Caritas lässt Menschen in Not nicht allein.

Weekend: Können Sie nach wie vor Notschlafstellen anbieten?

Dines: Wir haben unsere Notschlafstellen aus dem Haus Franziskus und Elisabeth in die Plainstraße 83 verlegt und auf eine 24-Stunden-Unterbringung erweitert. Dort stehen 37 Schlafplätze zur Verfügung und das deckt den momentanen Bedarf ab. Erfreulich ist, dass wir obdachlose Menschen hier nun rund um die Uhr betreuen können und somit eine Möglichkeit schaffen, dass sie sich nicht tagsüber auf der Straße aufhalten müssen. Dort wären sie dem Risiko einer Erkrankung ausgesetzt und könnten auch die nun gebotene soziale Distanz nicht einhalten.

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Die Notschlafstellen aus dem Haus Franziskus und Elisabeth wurden in die Plainstraße 83 verlegt und auf eine 24-Stunden-Unterbringung erweitert. Foto: Caritas Salzburg

Weekend: Was halten Sie vom Appell des NEOS Sozialsprechers Sebastian Huber an die Bundesregierung, Lebensmittelhändlern in der Corona-Krise zu ermöglichen, übrig gebliebene Produkte an Bedürftige zu verschenken?

Dines: Es ist schon eine alte Forderung der Caritas, dass verwendbare Lebensmittel nicht im Müll landen dürfen. Die aktuelle Krise könnte helfen, dass es neue gesetzliche Regelungen gibt, die eine Win-win-Situation für alle schaffen: Eine ethisch sinnvolle und nachhaltige Verwendung von Lebensmitteln, die nicht mehr gebraucht werden und eine Hilfe für armutsbetroffene Menschen wären. Als Caritas stehen wir gerne als "Drehscheibe" zur Verfügung und helfen so Menschen, die finanziell kaum über die Runden kommen.

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