Schüler und Studenten stehen unter großem Leistungsdruck Foto: demaerre/iStock/Getty Images

Wie kann man am besten lernen?
Daniela Holzer: Dazu gehört, sich erstmal einen Überblick über den Stoff zu verschaffen. Wer einfach darauflos lernt, bei dem besteht die große Gefahr, sich zu verzetteln. Je früher die Schüler beginnen, Lerntechniken einzusetzen, also z. B. strukturiert und geordnet an Lernstoff heranzugehen, desto besser.

Viele Eltern beklagen die Rückmeldung der Lehrer, das Kind könne sich im Unterricht nicht konzentrieren. Was können mögliche Ursachen dieser Konzentrationsprobleme sein?
Eltern fühlen sich mit solchen Äußerungen oft alleine gelassen und wissen nicht wirklich, wie sie das ändern können. Viele Schüler können sich nicht konzentrieren, da sie kein gehirn-gerechtes Angebot erhalten. Damit machen wir den Kindern das Lernen unnötig schwer. Hier liegt es in der Hand der Lehrpersonen. Sie müssen für eine spannende, herausfordernde Lernatmosphäre sorgen, die Neugierde wecken, Bewegung hinein bringen, Freude versprühen.

Liegt das Geheimnis guter Schüler also am Lehrer?
​Lehrerende spielen eine wesentliche Rolle. Sie selbst müssen neugierig und wissbegierig sein. Es gibt diese Art von Pädagogen, die begeistern und ihre eigene Freude am Lernen weitergeben können. Kinder und Studierende wollen authentische Lehrpersonen, die für das Thema brennen – Vorbilder, die einem vorleben, wie aufregend lernen sein kann. Man muss als Lehrerin oder Lehrer zeigen, dass man selbst neugierig ist, noch lernt, noch etwas wissen will. Das gilt natürlich auch für Eltern: Sieht ein Kind öfters, wie Mama oder Papa ein Buch lesen, dann wird es das sehr wahrscheinlich nachahmen.

Und was ist das Geheimnis guter Schüler?
Das Geheimnis, das wenige kennen, liegt im intelligenten Üben. Gute Schüler lernen oft nicht einmal besonders viel, aber dafür effektiver. Sie nutzen kluge Lernstrategien und gewinnen sogar an Freizeit. Sie arbeiten eigenständig, gut organisiert und ehrgeizig.

Daniela-Holzer-Portrait henry welisch.jpg
Buchautorin, Pädagogin und Lerncoach Daniela Holzer gibt Tipps Foto: Henry Welisch

Hilft positives Denken?
Definitiv. Die innere Haltung ist sehr entscheidend. Zu viele negative Erlebnisse im Schulalltag kratzen aber leider am Selbstwertgefühl und es ist für manche oft nicht leicht, sich aus dem Lernfrust heraus zu bewegen. Anstatt mit Beurteilungen Druck zu machen, braucht es im Schulsystem eine qualitativ hochwertige Feedback-Kultur, damit sich Lernende ihrer Stärken und Fähigkeiten bewusst werden. Das hilft ihnen, flexibel auf neue Herausforderungen zu reagieren, Probleme realistisch zu sehen und gelassener mit Stress umzugehen.

Und welche Faktoren haben einen negativen Einfluss auf den Lernerfolg? 
​Prüfungsangst, Desinteresse und Lehrende, die über die Köpfe der Schüler hinweg unterrichten, können das Lernen behindern.

Warum ist die Freude am Lernen so wichtig? 
​Im Kopf springt das Glückszentrum immer dann an, wenn wir etwas Positives erleben bzw. eine Herausforderung gemeistert haben. Damit der Lernstoff im Gehirn hängenbleibt, muss er emotional aufgeladen werden. Die Kunst des erfolgreichen Lernens besteht darin, kontinuierlich kleine Fortschritte zu machen. Das bringt Freude ins Lernen und steigert die Eigenmotivation. 

Wie kann man sich am besten die Freude am Lernen bewahren?
Ganz einfach: Mit gehirngerechten Strategien, weil man damit die Lerninhalte ganz anders speichert als mit dem sturen Auswendiglernen. Außerdem baut man damit ein Wissensnetz auf, auf das man jahrelang Zugriff haben wird. Wenn Schule das vermitteln kann, dann bleibt die Lust am Lernen ein Leben lang erhalten.

Wird in der Schule zu viel getestet und geprüft?
Das Schulsystem sollte meiner Ansicht nach Lehrende nicht ständig dazu zwingen, auf Testungen hinzuarbeiten. Frühes messen und vergleichen, sprich testen, beurteilen, bewerten ist nicht zielführend. Das sogenannte „teaching to the test“ hat nichts mit dem natürlichen Lernen zu tun – im Gegenteil, es wird sogar verhindert.

Welchen Tipp geben Sie Eltern, wenn sie der Schulwahnsinn stresst?
Wenn Lernen mühselig wird und schwerfällt, gilt es die Lerngewohnheiten zu hinterfragen. Kleine Umstellungen in der Herangehensweise ans Lernen, können sehr rasch Fortschritte bewirken. Wichtig ist ein Blick aufs Kind, der über die Noten hinausreicht. Ansonsten plädiere ich für mehr Gelassenheit im Umgang mit den „schulischen Leistungen“.

Warum kommt das „Lernen lernen“ in den Schulen eigentlich zu kurz?
Weil Lehrende, und dabei kann ich für mich sprechen, dafür nicht wirklich ausgebildet werden. All das Wissen dazu habe ich mir in jahrelangem Selbststudium angeeignet. Wir brauchen dringend eine Lehrerausbildung, die das gehirn-gerechte Lernen in den Mittelpunkt stellt! Mir fällt auf, bis heute sind die wichtigen Erkenntnisse aus der Hirnforschung noch immer nicht bis zu den Lehrpersonen vorgedrungen. Sogar Schulbücher kommen dem nicht nach.

Und was raten Sie den Lehrern?
Traut euch was! Nicht alles was verordnet wird, macht Sinn. Viele haben sich dem System schon angepasst, nehmen brav an regelmäßigen Kompetenzmessungen teil oder versuchen krampfhaft alle Kapitel eines Buches durchzudrücken. Das hat mit Lernen nichts zu tun, sondern ist nur ein Anreißen der Themen. Dabei übersehen viele, dass Lernende auch Zeit brauchen, um wichtige Fähigkeiten zu entwickeln (z. B. rechnen, schreiben, lesen). Seid mutig und geht eigene Wege, die den Lernenden zugutekommen!

Daniela Holzer Buch Cover .jpg
Zum Buch "Das leuchtet mir ein! In 30 Tagen zum Lernerfolg" Foto: Henry Welisch

Zur Person

Daniela Holzer übt seit 1997 ihren Beruf als Lehrerin mit großer Begeisterung und Leidenschaft aus. Darüber hinaus ist sie zertifizierter Lerncoach und Referentin in der LehrerInnen-Fortbildung. Das gehirn-gerechte Lernen bzw. Lehren setzt sie täglich in ihrer Arbeit mit den zehn- bis 14jährigen SchülerInnen um. Ihr Ziel ist es, ihnen zu wahrem Lernerfolg zu verhelfen. Daniela Holzer ist überzeugt, dass jeder erfolgreich lernen kann, wenn er die passenden Strategien und das entsprechende Know-How vermittelt bekommt. Diese andere Art zu Lernen bringt (wieder) Freude und Leichtigkeit in den Schulalltag - nicht nur für die Lernenden, sondern auch für deren Lehrende bzw. Eltern. Mehr über Lernstrategien lesen Sie in Holzers neuem Buch "Das leuchtet mir ein! In 30 Tagen zum Lernerfolg" (BoD - Books on Demand), das ab Mai erhältlich ist. 

Mehr zum Thema: