1639 wurde das Rote Haus an Stelle des 1570 abgebrannten Pfarrhofes erbaut. Die rote Farbe erhielt es durch einen damals üblichen Schutzanstrich, dessen Farbton
als „Ochsenblut“ bezeichnet wurde.
Foto: Stadtarchiv Dornbirn

Genießen auf den Spuren der Dornbirner Wirtshaustradition – das heißt eintauchen in die Vergangenheit alter Dorfgasthäuser und ihrer mutigen Gastronomen, die den ehrwürdigen Mauern der Geselligkeit neues Leben einhauchen. Beim Restaurant Rotes Haus am Marktplatz ist es der Gastronom Bozo Francesevic. Das Haus aus dem frühen 17. Jahrhundert ist eines der letzten barocken Rheintalhäuser Vorarlbergs und gilt außerdem als Wahrzeichen der Stadt. In den niedrigen Stuben atmet Geschichte, die man auf der Speisekarte nachlesen kann. „Diese Tradition ist nicht nur eine Verpflichtung unseren Gästen gegenüber, sondern auch uns selbst gegenüber indem wir immer das Beste geben“, ist sich der 52-jährige Gastronom bewusst. Er und sein Team servieren deshalb Klassiker der Österreichischen Küche, aber auch saisonal und international inspirierte Spezialitäten und dazu erlesene Weine. Kurz eine Cross-over-Küche als Verbindung ins Jetzt.

Rotes Haus
Foto: Dornbirn Tourismus & Stadtmarketing/Marion Hofer

Herzensangelegenheit

Auch im Oberdorf trifft Althergebrachtes auf Modernes. Küchenchef und Gastgeber Gerald Leininger sowie Geschäftsführerin Renate Alge haben das Restaurant „Zum Verwalter“ wieder zum Treffpunkt gemacht. „350 Jahre Tradition sprechen für sich“, sagt der Hauben-Koch, der von Anfang an nur ein Ziel verfolgte: „Die Leute sollen nach einem gemütlichen Abend mit exzellenter Küche und erlesenen Tropfen das Haus mit einem zufriedenen Lächeln verlassen.“ Das ist ihm längst gelungen. Sein Rezept dafür ist einfach: Wie für die Eigentümer-Familie Renate und Joachim Alge selbst, ist das „Zum Verwalter“ auch für ihn eine Herzensangelegenheit. Die Oberdorfer haben wieder ein zweites Wohnzimmer. Eines, das gleich mehrere Möglichkeiten bietet: die traditionelle Gaststube, das Bistro oder die Terrasse.

Zum Verwalter Dornbirn
Küchenchef und Gastgeber Gerald Leininger sowie Geschäftsführerin Renate Alge haben sich dem Ziel verschrieben, den „Verwalter“ zum „zweiten Wohnzimmer“ für Dornbirn zu machen. Foto: Stadtarchiv Dornbirn/studio@fotowerk.cc

Geheimtipp Tafelspitz

Im „Schiffle“ im Dornbirner Ortsteil Mühlebach hingegen wurde das Ansuchen auf Schankwirtschaft erst 60 Jahre später gestellt. Der damalige Besitzer, Josef Diem, legte damit den Grundstein und schuf einen Ort der Geselligkeit, der das Gasthaus bis heute geblieben ist. „Immer noch kommen jeden Sonntagvormittag Leute aus der Umgebung zum traditionellen Frühschoppen“, erzählt Birgit Kanner, die selbst in Mühlebach aufgewachsen ist. Seit je her hat die Gastronomin ein Auge auf das Haus geworfen und es sich dann gemeinsam mit ihrer Familie vorgenommen das altehrwürdige Gebäude wieder zu einem Schmuckstück für Mühlebach und zum Mittelpunkt des Gesellschaftslebens zu machen. Serviert werden zur Tradition passende Klassiker wie Schnitzel, Kalbsleber oder Tafelspitz. Letzterer ist Land auf, Land ab und auch über die Grenzen hinweg ein Geheimtipp. Ebenso wie das Tafelspitzsülzle und die Frischkäsle.

Schiffle Dornbirn
Gastronomin Birgit Kanner vom „Schiffle“ ist bekannt für den besten Tafelspitz landauf landab. Foto: Marion Hofer

Seine Majestät

Auf eine kaiserliche Geschichte kann das Gasthof Gütle zurückblicken. Denn 1881 weilte der Monarch Franz Josef I. in Dornbirn, um das erste Außerhaustelefon Österreich-Ungarns zu bewundern. Es verband das Büro Oberdorf von F. M. Hämmerle mit der Spinnerei Gütle und beeindruckte den Kaiser sehr. Damals eine technische Sensation. Allein schon der Besuch der kaiserlichen Hoheit löste im Ortteil Gütle Feststimmung aus. Zu seinen Ehren wurde das Gütle mit einer Triumphpforte festlich geschmückt. Freilich nutzte das Oberhaupt der k.&k.-Monarchie die Möglichkeit seines Besuches mit einer Einkehr im Gasthaus Gütle. Der Überlieferung nach aß seine kaiserliche Majestät  Rindsuppe, Tafelspitz mit Salzkartoffeln und Gemüse. Dazu wurde ihm Champagner serviert. Heute ist es vor allem regional-saisonale Kost, die Küchenchef Artur Rüscher in der Kaiserstube – und auch in den anderen modernen Räumlichkeiten – serviert. Jetzt im Herbst steht beispielsweise Wild ganz oben auf dem Menüplan. Sei es ein Carpaccio vom Hirschrücken, eine Terrine vom Reh mit eingelegten Feigen oder Wildhasenrücken mit grünem Pfeffer. Die Fassade hat sich nicht geändert. Drinnen wurde jedoch fast alles erneuert und die Modernität mit Tradition verbunden. In der berühmten Kaiserstube, die im urigen Jägerstil eingerichtet ist, steht aber noch viel Originalmobiliar und verkörpert den Slogan „Im Güatle ischt as g’müatle!“ Für das Wirtepaar Rüscher ist das Gasthaus, das am Eingang der Rappenlochschlucht liegt, aber nicht nur Arbeitsstätte. Es ist auch zu ihrem Wohnort geworden.

Guetle Dornbirn
Artur Rüscher führt das Traditionsgasthaus „Gütle“ seit zehn Jahren. Die Kaiserstube ist bei den Gästen immer noch sehr beliebt. Foto: FMH Archiv/Marion Hofer

Neu entdeckt

Mit dem Gasthaus Gemsle schien vor acht Jahren schon ein traditionsreicher Betrieb von der Dornbirner Landkarte zu verschwinden. Über ein Jahr lang blieben die Pforten geschlossen, ehe sich Manfred Leitner „erbarmte“ und es im Mai 2012 wieder zu neuem Leben erweckte. „Ich habe mich beim Vorbeigehen immer wieder gewundert, warum dieses schöne Gasthaus niemand betreibt. Bis mein Entschluss fiel, es selbst zu übernehmen“, erzählt der heutige Küchenchef Manfred Leitner, wie er zum oder besser gesagt ins Gemsle kam. Ein Ende wäre tatsächlich schade gewesen, zumal das Gasthaus 2004 generalüberholt wurde, ohne dass es an Charme verlor. Bewusst wurde auf alt gesetzt. Heute würde man sagen, dass es im Vintage-Stil saniert wurde. Leitner führt es unter dem Motto „tradtionell – originell“, was so viel bedeutet, dass gutbürgerliche Küche auf hohem Niveau kredenzt wird. Auf dem Teller offenbart sich dies mit Backhendl, Hühnerleber, Blutwurst- Serviettenknödel, Wiener Schnitzel oder Vorarlberger Kässpätzle.

Gemsle Dornbirn
Manfred Leitner hauchte dem altehrwürdigen Gasthaus Gemsle in Dornbirn neues Leben ein. Das Gemsle besitzt einen feinen Weinkeller, der auch als origineller Raum für Veranstaltungen dient. Foto: Friedrich Boehringer/Marion Hofer

Facts

Rotes Haus
Montag Ruhetag
Tel. 05572 31555
Zum Verwalter
Sonntag und Montag Ruhetag
Tel. 05572 23379
Gasthaus Schiffle
Montag Ruhetag
Tel. 05572 33023
Gasthof Gütle
Montag und Dienstag Ruhetag
Tel. 05572 201540
Gasthaus Gemsle
Sonntag und Montag Ruhetag
Feiertag geschlossen
Tel. 05572 200918