Foto: WKO/Robert Maybach

Weekend: Das Land ist im Ausnahmezustand – und damit auch die Wirtschaft. Wie erlebten Sie als Kammerpräsidentin die letzten beiden Wochen?

Hummer: Es ist eine grenzwertige Situation. Wir sind in der Kammer rund um die Uhr im Einsatz, um für Unternehmen gute Informationskanäle aufzubauen und persönlich da zu sein. Das sind fordernde Zeiten wie ich sie noch nie habe und mein Leben war bisher schon nicht langweilig.
 

Weekend: Wie geht es Ihnen als Unternehmerin – Sie haben ja einen Betrieb in Vöcklamarkt und eine Marktforschungs-Agentur in Linz?

Hummer: In meinen eigenen Firmen erlebe ich genau das, was andere Unternehmen in unserem Land auch erleben. Bei meiner Beratungsagentur erleiden wir hundert Prozent Umsatzausfälle – und das wird für die nächsten zwei, drei Monate so bleiben. Der Grund: Wir können unsere Mystery-Shopping-Dienstleistung, mit der wir die Servicequalität im Einzelhandel testen, nicht durchführen, weil die Läden geschlossen sind. Anders läuft es in meinem Produktionsbetrieb: Dort wurde ein Betriebsurlaub vorgezogen. Ab nächster Woche beliefern wir wieder Baustellen mit unseren Produkten. Planung ist allerdings nur von einem Tag auf den nächsten möglich. Langfristige Konzepte kann man im Moment nicht erstellen.
 

Weekend: Im Unterschied zur Finanzkrise 2008 sind besonders kleine und mittlere Unternehmen betroffen. Wie ist die Stimmung?

Hummer: Die Lage ist nicht vergleichbar mit damals. Wir haben in den vergangenen zwei Wochen rund 50.000 Beratungsgespräche durchgeführt. Die Reaktionen der Unternehmer reichen von blanker Verzweiflung bis Pragmatismus. Manchen wird die Existenzgrundlage unter den Füßen weggezogen, andere haben zum Glück finanzielle Polster in der Vergangenheit aufgebaut und können solche schwierigen Phasen gut durchtauchen. Jetzt geht es darum, mit den in Rekordzeit entwickelten Hilfspaketen, Unternehmen rasch unter die Arme zu greifen. So gut und schnell zusammengearbeitet haben Interessensvertretung und Politik noch nie in diesem Land.
 

Weekend: Viele Betriebe brauchen sofort Geld. Kommt das schnell genug bei den Betroffenen an?

Hummer: Wir haben uns gleich zu Beginn um entsprechende Kredite mit Haftungsgarantien gekümmert, damit Unternehmen, Löhne und Rechnung bezahlen können. Wir schnüren jetzt gemeinsam mit dem Land Oberösterreich ein ähnliches Hilfsinstrument. Und wir waren auch mit den Banken und Sozialversicherungen in Verhandlung, um rasch und unbürokratisch Stundungen zu ermöglichen. 7.000 Firmen in Oberösterreich haben Mitarbeiter zur Kurzarbeit angemeldet. Das zeigt, wie wichtig dieses Instrument ist. Ab heute, Freitag, tritt der Härtefallfonds für Kleinunternehmen des Bundes in Kraft. 70 Kammermitarbeiter sind für den Härtefallfonds im Einsatz. Sie werden nichts anderes tun, als die Anträge der betroffenen Unternehmen zu bearbeiten. 2.000 Anträge sollen pro Tag abgewickelt werden.
 

Weekend: Wie rasch geht es nach der Krise wieder aufwärts?

Hummer: Wir werden die Verwerfungen noch länger spüren. Manche Bereiche wie der Tourismus werden schneller anziehen. Andere Branchen werden Umsätze nicht nachholen können. Mode- und Spielzeughandel hätten jetzt Hochsaison, aber das Ostergeschäft ist verloren. In gewissen Bereichen werden wir gravierende Einschnitte sehen. Jetzt geht es darum, dass rasch Medikamente gegen den Coronavirus entwickelt werden. Dann ist alles andere lösbar.


Wichtige Informationen zu den COVID-Härtefallfonds

Bis zu 6.000 Euro für Klein- und Kleinstunternehmen. Anträge sind ab heute möglich, erste Auszahlungen erfolgen ab Montag.

 

38 Milliarden Euro beträgt das gigantische Hilfspaket für die Wirtschaft. Aber was davon erhalten die vielen kleinen Firmen und Einpersonenunternehmen, denen die Aufträge von einem auf den anderen Tag weggebrochen sind? Seit gestern ist es beschlossene Sache: Von dem mit einer Milliarde Euro dotierten Härtefallfonds sollen Kleinunternehmer mit maximal neun Mitarbeitern sowie Selbstständige, freie Dienstnehmer und Einpersonenunternehmer profitieren. In einem ersten Schritt werden bis 1.000 als Soforthilfe ausgezahlt, danach gibt es bis 2.000 Euro für  maximal drei Monate. Die Auszahlungen starten nächste Woche, die Anträge sind ab heute, 17:00 Uhr, bei der Wirtschaftskammer https://www.wko.at/service/haertefall-fonds-epu-kleinunternehmen.html möglich. Der größere Nothilfefonds in der Höhe von 15 Milliarden Euro soll später eine Mischung aus Krediten und Zuschüssen bereitstellen, damit Unternehmen ihre Rechnungen und Löhne bezahlen können. Dieser Fonds soll den Wiederaufbau im Wirtschaftssystem sicherstelen. 
 

Das Land ist im Ausnahmezustand – und damit auch die Wirtschaft. Wie erlebten Sie als Kammerpräsidentin die letzten beiden Wochen?
Hummer: Es ist eine grenzwertige Situation. Wir sind in der Kammer rund um die Uhr im Einsatz, um für Unternehmen gute Informationskanäle aufzubauen und persönlich da zu sein. Das sind fordernde Zeiten wie ich sie noch nie habe und mein Leben war bisher schon nicht langweilig.
 
Wie geht es Ihnen als Unternehmerin – Sie haben ja einen Betrieb in Vöcklamarkt und eine Marktforschungs-Agentur in Linz? 
Hummer: In meinen eigenen Firmen erlebe ich genau das, was andere Unternehmen in unserem Land auch erleben. Bei meiner Beratungsagentur erleiden wir hundert Prozent Umsatzausfälle – und das wird für die nächsten zwei, drei Monate so bleiben. Der Grund: Wir können unsere Mystery-Shopping-Dienstleistung, mit der wir die Servicequalität im Einzelhandel testen, nicht durchführen, weil die Läden geschlossen sind. Anders läuft es in meinem Produktionsbetrieb: Dort wurde ein Betriebsurlaub vorgezogen. Ab nächster Woche beliefern wir wieder Baustellen mit unseren Produkten. Planung ist allerdings nur von einem Tag auf den nächsten möglich. Langfristige Konzepte kann man im Moment nicht erstellen.
 
Im Unterschied zur Finanzkrise 2008 sind besonders kleine und mittlere Unternehmen betroffen. Wie ist die Stimmung?
Hummer: Die Lage ist nicht vergleichbar mit damals. Wir haben in den vergangenen zwei Wochen rund 50.000 Beratungsgespräche durchgeführt. Die Reaktionen der Unternehmer reichen von blanker Verzweiflung bis Pragmatismus. Manchen wird die Existenzgrundlage unter den Füßen weggezogen, andere haben zum Glück finanzielle Polster in der Vergangenheit aufgebaut und können solche schwierigen Phasen gut durchtauchen. Jetzt geht es darum, mit den in Rekordzeit entwickelten Hilfspaketen, Unternehmen rasch unter die Arme zu greifen. So gut und schnell zusammengearbeitet haben Interessensvertretung und Politik noch nie in diesem Land. 
 
Viele Betriebe brauchen sofort Geld. Kommt das schnell genug bei den Betroffenen an?
Hummer: Wir haben uns gleich zu Beginn um entsprechende Kredite mit Haftungsgarantien gekümmert, damit Unternehmen, Löhne und Rechnung bezahlen können. Wir schnüren jetzt gemeinsam mit dem Land Oberösterreich ein ähnliches Hilfsinstrument. Und wir waren auch mit den Banken und Sozialversicherungen in Verhandlung, um rasch und unbürokratisch Stundungen zu ermöglichen. 7.000 Firmen in Oberösterreich haben Mitarbeiter zur Kurzarbeit angemeldet. Das zeigt, wie wichtig dieses Instrument ist. Ab heute, Freitag, tritt der Härtefallfonds für Kleinunternehmen des Bundes in Kraft. 70 Kammermitarbeiter sind für den Härtefallfonds im Einsatz. Sie werden nichts anderes tun, als die Anträge der betroffenen Unternehmen zu bearbeiten. 2.000 Anträge sollen pro Tag abgewickelt werden.
 
Wie rasch geht es nach der Krise wieder aufwärts?
Hummer: Wir werden die Verwerfungen noch länger spüren. Manche Bereiche wie der Tourismus werden schneller anziehen. Andere Branchen werden Umsätze nicht nachholen können. Mode- und Spielzeughandel hätten jetzt Hochsaison, aber das Ostergeschäft ist verloren. In gewissen Bereichen werden wir gravierende Einschnitte sehen. Jetzt geht es darum, dass rasch Medikamente gegen den Coronavirus entwickelt werden. Dann ist alles andere lösbar.