Bis 2040 verdoppelt sich die Zahl der Flüge in Europa Foto: Chalabala/iStock/Getty Images Plus/Getty Images

Frustrierte Wartende geraten mit entnervten Sicherheitskräften aneinander. Einzelne Passagiere brechen nach Stunden des Wartens zusammen, müssen von Sanitätern versorgt werden. Ganze Fa­milien liegen erschöpft schlafend am Boden. Diese und ähnliche Szenen spielten sich 2018 auf Europas Flughäfen ab. Der Grund: Tausende Flüge hatten stundenlang Verspätung oder fielen gänzlich aus.

Wirrwarr Reloaded

Der Konkurs von AirBerlin, Verschiebungen in den Flugplänen sowie diverse Streiks führten zu Chaos am Himmel und Boden. Für den Sommer 2019 befürchten Experten ähnliche Zustände wie 2018. Wenn der geplante Flug ausfällt und man unerwartet am Flughafen festsitzt, ist guter Rat teuer. "Passagiere sollten unbedingt erst versuchen, das Problem über die Airline zu lösen", rät Reiseexperte Torsten Richter gegenüber der Onlineplattform Urlaubspiraten.

Passagiere haben Rechte

Zum Glück sind die Rechte von Passagieren bei Flugausfällen und Verspätungen in der EU-Verordnung 261/2004 klar festgelegt. Die Verordnung schreibt vor, dass die Flugunternehmen für einen adäquaten Ersatz, Verpflegung und Entschädigungszahlungen sorgen müssen. Mitunter versuchen Airlines, den Zahlungen zu entgehen. Recherchen des Fluggastportals FairPlane zufolge würden einige Fluggesellschaften unrechtmäßig "außergewöhnliche Umstände" anführen, um keine Entschädigungen zahlen zu müssen.

Teure Verspätung

Trotzdem sollte man immer probieren, sein Geld zurückzubekommen. Kostenlose Unterstützung erhält man von der im Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) angesiedelten Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte (apf). Es wird geschätzt, dass Airlines alleine 2018 bis zu 1,78 Milliarden Euro an Entschädigungen zahlen mussten. Sollte den Betreibern nicht umso mehr daran gelegen sein, pünktlich abzuheben?

Es ist kompliziert

Laut Markus Pohanka, Leiter Externe Beziehungen bei der Österreichischen Gesellschaft für Zivilluftfahrt Austro ­Control, lassen sich die Verspätungen nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen. "Schlechtwetter oder technische Defekte, aber auch Streiks führen zu Verzögerungen", erklärt Peter Kleemann, Pressesprecher der Flughafen Wien AG. Hinzu kommt, dass Airlines immer weniger Zeit am Boden einplanen. Hat eine Maschine also bereits morgens Verspätung, wird sich diese auf alle weiteren Flüge des Tages auswirken. "Verzögerungen setzen sich in den nachfolgenden Rotationen fort und können kaum mehr aufgeholt werden", bestätigt Kleemann. "Immer dichtere und enger getaktete Flugpläne lassen wenig zeitlichen Spielraum."

Personalprobleme

"Auch Streikaktionen führen zu Verzögerungen im Flugverkehr“, ergänzt Kleemann. Aber: Lediglich 25 Prozent der Verspätungen seien laut Eurocontrol, der europäischen Organisation zur Sicherung der Luftfahrt, streik- und wetterbedingt. Dramatischer: 75 Prozent aller Verspätungen 2018 lassen sich auf Personal- und Kapazitätsprobleme in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden zurückführen.

Die Lage in Österreich

"Das System geht durch viele Zuwächse schon an seine Grenzen", sagt Pohanka. Noch ist die Lage in Österreich aber entspannt. Um jedoch nicht in ähnliche Bedrängnis zu geraten, hat die Österreichische Gesellschaft für Zivilluftfahrt eine ­Ausbildungsoffensive für Fluglotsen gestartet. Diese soll die bevorstehende Pensionierungswelle und das verstärkte Flugaufkommen kompensieren. Denn eines ist klar: Die Zahl der Flüge, Passagiere und der Personalbedarf werden auch künftig weiter steigen.

Passagierrechte

  • Ab zwei Stunden Verspätung: Essen und Getränke, zwei Telefonate oder E-Mails. Das gilt für eine Distanz bis 1.500 Kilometer. Bis 3.500 Kilometer gilt dies ab drei Stunden, ab 3.500 Kilometern erst ab vier Stunden.
  • Ab fünf Stunden Verspätung: Reisende können ab sofort vom Kaufvertrag zurücktreten und die Rück­erstattung des Flugpreises verlangen.
  • Verspätung über Nacht: Übernachtung in einem Hotel inklusive Transfer.

Entschädigungen für Verspätungen:

  • Unter 1.500 Kilometer und ab zwei Stunden 250 Euro pro Person
  • 1.500 bis 3.500 Kilometer und ab drei Stunden 400 Euro pro Person
  • Über 3.500 Kilometer und ab vier Stunden 600 Euro

Zahlen & Fakten

  • Die Anzahl der Flüge mit einer Verspätung von mehr als zwei Stunden wird sich bis 2040 versiebenfachen.
  • 1,78 Milliarden Euro an Entschädigungen zahlten Airlines 2018.
  • 18.000 Flüge der Lufthansa fielen 2018 aus.
  • Die Anzahl der Flüge verdoppelt sich europaweit bis 2040.
  • 16,2 Millionen Flüge werden 2040 europaweit durchgeführt.