For Forest: Ein Kunstprojekt, das alle bewegt Foto: HERBERT WALDNER

Steuergeldverschwendung, Schildbürgerstreich, Themenverfehlung – das Kunstprojekt „For Forest“ des Schweizer Künstlers und Kulturmanagers Klaus Littmann erhitzt bereits Monate vor seiner Umsetzung die Gemüter und führte schon zu dem einen oder anderen politischen Schlagabtausch. Littmann selbst steht der Aufregung mittlerweile gelassen gegenüber, da er die Erfahrung gemacht habe, das selbige oftmals auf Falschinformationen beruhe und die meisten Menschen, sobald sie alle Fakten kennen, sich von seinem Vorhaben begeistert zeigen würden. Und dieses nimmt fürwahr in der österreichischen Kunst- und Kulturgeschichte bisher ungeahnte Ausmaße an!

Inspirationsquelle

Angeregt von einer Zeichnung Max Peintners („Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“, 1970/1971), wird Littmann von September bis Oktober das Wörthersee Stadion Klagenfurt in eine Freiluftbühne für die Ausstellung eines imposanten Mischwaldes (200 Bäume mit einer Höhe zwischen 10 und 14 m) verwandeln. „Seit ich Max Peintners Bild zum ersten Mal sah, ließ mich der Gedanke, sein beeindruckendes Motiv in der Realität Gestalt annehmen zu lassen, nicht mehr los“, schildert der Beuys-Schüler seine Motivation für diese temporäre Kunstintervention. Das Stadion sei zudem der ideale Ort für diese Aktion, da es mit seiner modernen, künstlichen Bauweise aus Glas, Stahl und Beton den idealen Kontrast zu der Natürlichkeit des Waldes verkörpere.

Denkanstoß 

Während des Veranstaltungszeitraums besteht für interessierte Besucher die Möglichkeit, das Gesamtkunstwerk täglich zwischen 10 und 22 Uhr kostenfrei zu besichtigen. Die unterschiedlichen Verhältnisse (Naturlicht/Flutlicht oder Regen/Sonnenschein) sowie die verschiedenen Perspektiven von den Stadionrängen führen dabei zu einer völlig neuen Wahrnehmung eines Naturphänomens, das vielen von uns bereits als selbstverständlich gilt. „Das Projekt soll in diesem Zusammenhang mehrere Nachdenkprozesse in Gang setzen. Einerseits geht es darum, der Frage nach der Zukunft des Waldes und unserem Umgang mit der Natur nachzugehen, andererseits kann der Stadionwald auch als Mahnmal im Kontext der aktuellen Klimawandeldebatte verstanden werden“, erklärt der Basler Kulturpreisträger die Philosophie von „For Forest“. Insgesamt sollten die Menschen somit zu einem umweltbewussteren Handeln animiert werden. Littmann sucht mit seiner Kunst den Dialog und möchte sie allen Menschen zugänglich machen. In diesem Sinne soll „For Forest“ auch als Kunstwerk und nicht als Event wahrgenommen werden.

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Künstler unter sich (v. li.): Max Peintner und Klaus Littmann bei der Besichtigung des Wörthersee Stadions Foto: Gerhard Maurer

Finanzierung 

Ein Kritikpunkt, der Klaus Littmann allerdings nach wie vor verärgert, ist die fälschliche Behauptung, das Projekt werde mit Steuergeldern finanziert. „Für „For Forest“ wird kein einziger Cent Steuergeld in die Hand genommen. Die Stadt stellt uns lediglich das Stadion für zwei Monate gebührenfrei zur Verfügung. Der Löwenanteil des Projektbudgets wird von Schweizer Mäzenen erbracht, da die Kulturförderung in der Schweiz einen ganz anderen Stellenwert genießt“, stellt er diesbezüglich klar. Zudem könne er sich über die vitale Unterstützung der Kärntner Kulturszene sowie einflussreicher Persönlichkeiten freuen, die von dem Projekt sehr angetan seien. Zu einer treibenden Kraft hat sich etwa der Immobilienunternehmer Herbert Waldner entwickelt, der Littmann eine Villa als kostenfreies Projekthauptquartier zur Verfügung gestellt und mit ihm eine Gesellschaft gegründet hat, die die korrekte Verwaltung sämtlicher Projektgelder garantiert.

Kulturimpuls 

„For Forest“ wird außerdem von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet, das der heimischen Kulturszene wertvolle Impulse verleiht. Neben einer Ausstellung im MMKK und in der Stadtgalerie (Touch Wood), in der Kärntner Künstler auf Augenhöhe mit internationalen Größen wie Beuys und Christo präsentiert werden, sind auch Kooperationen mit dem Musilhaus, dem Stadttheater oder dem Klagenfurter Ensemble geplant. Des Weiteren werden im Wulfenia-Kino & Cinecity Klagenfurt zweit Monate lang Gratisvorführungen von Filmen mit Waldbezug und Slam-Poetry-Veranstaltungen im öffentlichen Raum stattfinden (u.v.a.m.). Seit 9. Mai gastiert zudem auf Littmanns Betreiben eine Ausstellung von Skizzen des weltberühmten Künstlers Alberto Giacometti in der Stadtgalerie.

Nachhaltigkeit

Nach Abschluss der Intervention werden zusätzlich zu dem in Klagenfurt verpflanzten Wald noch ein Dokumentarfilm von Robert Schabus, mehrerre Begleitpublikationen und ein Ausstellungs-Pavillon aus nachhaltigem Holz an das Projekt erinnern. Außerdem bekommt der SK-Austria-Klagenfurt einen neuen Rasen für die kommende Saison spendiert.

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Nicht nur im Stadion spielt der Wald eine große Rolle, sondern auch im MMKK, in der Stadtgalerie Klagenfurt, im Musihaus und im Stadttheater Foto: STUDIOHORST

For Forest kompakt

  • Veranstaltungszeitraum: September bis Oktober (täglich von 10.00 bis 22.00 Uhr, Eintritt frei)
  • Zahlreiche Ausstellungen, Veranstaltungen und Aufführungen flankieren die Aktion.
  • Das Projekt finanziert sich ausschließlich über private Zuwendungen, Sachspenden und den Verkauf von Baumpatenschaften.
  • Ein Dokumentarfilm, Printpublikationen und der Wald selbst garantieren einen lang anhaltenden Nachhall von „For Forest“.
  • ​Nähere Informationen: forforest.net