Stephan Koudelka bei der Herstellung seines 5020 Gin. Foto: 5020 GIN/Stephan Koudelka

Gin ist in aller Munde – für die hierzulande auch als Wacholderschnaps bekannte Spirituose hatte nicht nur „Queen Mum“, die immerhin 101 Jahre alt wurde, eine besondere Vorliebe, auch in Salzburg scharrt sich rund um das Trend-Getränk eine Fan-Gemeinde. Woran das liegt, verrät uns Gin-Brenner Christoph Vogl vom Halleiner Guglhof, dessen Großvater seinen ersten Gin 1928 brannte: „Die Grundzutat ist Wacholder, bei allen weiteren Botanicals, wie die Ingredienzen im Fachjargon genannt werden, ist nach oben keine Grenze gesetzt. So gleicht kein Gin dem anderen, es gibt eine große Vielfalt, jede Menge Cocktail-Varianten und die Mix-Getränke sind nicht so alkohollastig wie andere.“

Brennheiß

Während der Guglhof-Ur-Gin aus drei Zutaten (Wacholder, Waldheidelbeere und Mehlbeeren) gebrannt wurde, kommen in den Alpin Gin mittlerweile 23 ausschließlich in Gebirgsregionen heimische Botanicals hinein. Neutraler Alkohol (z.B. Korn oder Vodka) wird dabei mit Kräutern, Wurzeln, Blüten uvm. angesetzt, es entsteht das sogenannte Mazerat. Das landet folglich in einem Brennkessel, wird erhitzt und spuckt sozusagen das klare Destillat aus. Nach einer mehrwöchigen Ruhephase, wodurch sich die Aromen bestmöglich entfalten, wird der Gin so lange mit Wasser vermengt, bis der Alkoholgehalt von rund 70 Prozent auf knapp über 40 Prozent sinkt. „Auch die Anzahl der Destillationsvorgänge kann variieren. Wir klären insgesamt 13 Mal, so können sich einzelne Zutaten noch besser entfalten“, erklärt Christoph Vogl

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Anton Vogl jun., Anton Vogl sen. und Christoph Vogl verfeinerten am Guglhof in Hallein das Ur-Gin-Rezept aus 1928. Foto: Stefan Zenzmaier

Ursprung

Den Gin soll übrigens der hessisch-niederländische Arzt Franciscus Sylvius Mitte des 17. Jahrhunderts erfunden haben. Genannt hat er seinen Wacholderschnaps „Genever“ und präsentierte ihn König Wilhelm III. von Oranien- Nassau als der 1689 den englischen Thron bestieg. Erst dort erhielt die Spirituose ihren bis heute gültigen Namen „Gin“. Ab 1769 nahm „Gordon Co.“ in Nordlondon die Gin-Produktion auf, Gefallen an dem Getränk fanden damals allen voran Soldaten der Britischen Marine.

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23 Essenzen aus rein biologischem Anbau kommen in den „5020er“. Foto: 5020 GIN/Stephan Koudelka

Gin-Land

Gordon, Bombay und Hendricks sind international bekannte Gin- Sorten. Was für viele Salzburger neu sein dürfte: Auch hierzulande gibt es so einige ausgezeichnete Gin-Lokal- Matadore, die handgefertigte und teils spezielle Versionen anbieten. So zum Beispiel auch Familie Vogl. „Wir brennen pro Jahr exakt 999 Flaschen unseres Alpin Gins Safran. Das edle Gewürz stammt aus dem Burgenland und verleiht der Spirituose einen unverkennbaren Charakter“, so Christoph Vogl. In Koppl hingegen verfeinert Hermann Deisl seinen Gin mit Torf aus dem Koppler Moor. Kreativität zeigt auch der Salzburger Imker Daniel Pfeifenberger und mischt seinem Bio-Gin Bien Honig und Bienenwachs bei – das sorgt für einen unverwechselbaren Geschmack.

Gin-Tasting

Auch immer mehr Bars folgen dem Trend und bieten ein großes lokales sowie internationales Gin-Sortiment, das sich durchaus sehen lassen kann. Glaubt man Gin-Liebhabern, erfreut man sich im „Darwins“ in der Steingasse nicht nur am ansprechenden Ambiente, sondern auch an Gin Tonics und anderen Mixgetränken in allen Farben und Facetten. Ebenfalls empfehlenswert in puncto Gin ist „Mentor’s Bar Kultur“ (Gstättengasse) – klein, aber richtig fein. Ein wahrer Gin-Tempel findet sich in der Getreidegasse im Innenhof des Sternbräus: Das im urig-amerikanischen Stil gehaltene „Little Grain“ bietet ein nahezu unübersichtliches Angebot. Fündig wird man unter anderem auch in der Pepe Cocktailbar, Paradoxon Gin-Bar sowie in der noch relativ neuen Bar „Burdock Punch & Cocktails“ und in „Soliman’s Bar im Elefant“, wo nach eigenen Angaben der Elephant Gin die Hauptrolle spielt.

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Imker Daniel Pfeifenberger bei der Herstellung seines Bio-Gin Bien. Foto: EVA TRIFFT FOTOGRAFIE

Salzburger Gin-Produzenten und ihre Kreationen

Alpin Gin - Brennerei Guglhof, Hallein

Am Guglhof wird bereits seit fast 100 Jahren Hochprozentiges hergestellt, darunter Gin Varianten aus 23 Botanicals. Auf Basis des Klassikers „Alpin Gin“ werden auch ein fruchtiger Sloe und extravaganter, limitierter Safran Gin gebrannt. Erhältlich u. a. ab Hof und bei Azwanger. www.guglhof.at

Mountain Mood Gin – Mandlberggut/Dachstein-Destillerie, Radstadt

Von Hand verlesene Kräuter, Früchte und Gewürze landen im Mountain Mood Gin, wodurch ein vollmundiges Aroma entsteht. Wacholderbeeren werden mit Rosenblüten und Lavendel kombiniert und schließlich mit Angelikawurzel, einer Messerspitze Zimt, Zitronenschalen, Koriander und Bitterorange veredelt. Erhältlich im Hofladen (Mandlberggut, Radstadt), im Onlineshop und in ausgewählten Spezialitätenläden. www.mandlberggut.com

Gin Bien – Bio-Imkerei Bienenlieb, Salzburg

In kleinen Mengen produzierter Bio-Gin aus insgesamt 12 Zutaten. Neben Beeren, Früchten und Kräutern sind auch Honig und Bienenwachs für den unverkennbaren Geschmack verantwortlich. Kaufen kann man den Gin Bien im Online-Shop und direkt am Bienenhof in Salzburg. www.ginbien.at

Koppler Moor Gin – Hermann Deisl, Huberbauer, Koppel

Der Name sagt schon, was diesen Gin besonders macht: die Kombination aus 12 Kräutern und Gewürzen (darunter Melisse, Baldrian, Minze, Frauenmantel, Thymian, und Engelwurz) mit Torf aus dem Koppler Moor. Erhältlich direkt am Hof von Hermann Deisl in Koppl, auf Wunsch findet auch ein persönliches „Gin-Tasting“ statt.

5020 Gin – Stephan Koudelka, Salzburg

Der „5020er“ mit floralem Aroma wird aus 23 Essenzen aus rein biologischem Anbau in einer kleinen Kupferblase schonend destilliert. Erhältlich u. a. bei Azwanger, Sporer und im „Feinkost Salzburg“-Geschäft. www.5020-gin.at

Hagmoar Gin – Siegfried Herzog Destillate, Saalfelden

Der Hogmoar Gin mit ausgewogenem Süss-Bitter-Aroma wurde 2011 aus der Taufe gehoben und besticht mit 15 erlesenen Kräutern und Gewürzen, darunter kandierte Veilchenblüten, Muskat, Kardamom, Eisenkraut uvm. Zu haben ist der Gin in Herzogs Onlineshop, im Hofladen sowie bei Sporer, Azwanger oder im Stiegl Getränkemarkt. www.herzogdestillate.at

Enngin – Schnapsbrennerei Enn, Hinterglemm

Aus 44 handverlesenen Botanicals wird im Glemmtal seit 1995 feiner Gin hergestellt. Alle vier Sorten (Klassiker, Vogelbeere, Pfeffer und Pink mit Himbeere) haben eines gemein, die Vogelbeere ist die maßgebliche Zutat des EnnGin und verleiht ihm sein besonders Aroma. Wo erhältlich? Direkt vor Ort in der Brennerei, im Onlineshop und bei Feinkost Lumpi in Zell am See. www.enn-schnaps.at