„Lesen, Schreiben, Rechnen: Diese Grundkompetenzen sind die Basis dafür, dass jeder seinen Bildungsweg erfolgreich gehen kann.“ Robert Klinglmair, Bildungsdirektor Foto: Helge Bauer

weekend: Als erster Bildungsdirektor Kärntens werden Sie ab 1. Jänner 2019 die Schulabteilung des Landes mit dem Landesschulrat zu einer Mischbehörde zusammengeführt haben. Welche Punkte sind Ihnen besonders wichtig? 
Robert Klinglmair: Im Pflichtschulbereich sollen die Grundkompetenzen - Lesen, Schreiben und Rechnen - verbessert werden. Hier ist man noch nicht, wo man hin will. In den höheren Schulen gilt es, darauf zu achten, dass man jene Projekte und Initiativen, die bereits bestehen, weiter ausbaut. Wir haben neuartige Konzepte wie die Industrie-HAK in Althofen, die eben eröffnet worden ist. Wir haben in der HTL viele innovative Projekte - etwa zu Industrie 4.0 - und tolle Absolventen. Bei Erasmus+ Projekten ist Kärnten - bezogen auf die Schüleranzahl - österreichweit führend. Digitalisierungsprojekte und Projekte in den MINT-Fächern reichen bis in den Bereich der Elementarpädagogik hinein. Diese vielen positiven Initiativen und Fakten sind medial sichtbarer zu machen. Dann steigt auch das Vertrauen ins Schulsystem und in die ganze Behörde.

weekend: Stichwort: Chancengerechtigkeit.
Robert Klinglmair: Das österreichische Bildungssystem ist im internationalen Vergleich extrem sozial selektiv. Die Bildungskarrieren von Kindern hängen in den meisten Fällen davon ab, welche Ausbildung oder welchen finanziellen Hintergrund die Eltern haben. In unserer Verfassung steht jedoch, dass Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer sozialen und finanziellen Herkunft die gleiche Chance auf Bildung zusteht. Dem wollen wir nachkommen. Der Status-quo: Bildung „vererbt“ sich. Kinder, die in einem schwierigen Umfeld aufwachsen, in dem es auch an finanziellen Mitteln etwa für Nachhilfe fehlt, brauchen mehr Unterstützung. Wir leben in einer Wissensgesellschaft - Bildung muss das Thema sein.

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Robert Klinglmair (39) lebt seit 12 Jahren in Klagenfurt. Er war als Volkswirt Assistenzprofessor an der Uni Klagenfurt. Seit 1. 8. 2018 ist er erster Bildungsdirektor von Kärnten Foto: Helge Bauer

weekend: Was sagt die Statistik dazu?
Robert Klinglmair: Nur fünf Prozent der Kinder, die aus einem bildungsfernen Haus stammen, schaffen ein Studium. Ein Drittel bricht die Schule ab. In Akademikerhaushalten schaffen zumindest zwei Drittel eine Matura.

weekend: Wie will man das abfedern?
Robert Klinglmair: Wichtig ist, Bildungsmaßnahmen bereits in der Elementarpädagogik zu setzen, damit die Kinder schon mit ähnlichen Voraussetzungen in die Volksschule kommen und man sich dort auf die Grundkompetenzen konzentrieren kann. Auch Initiativen wie das „Jugendcoaching“ und Berufsorientierung sind zu begrüßen, damit der Übertritt in eine weiterführende Ausbildung nach der Pflichtschule auch funktioniert. Wird erst in der neunten Schulstufe damit begonnen, ist das zu spät. Bei neuen Initiativen ist es wichtig, Pilotversuche zu starten, bevor etwas großflächig in der Praxis umgesetzt wird. Denn hier gehts um die Zukunft unserer Kinder und damit auch um die Zukunft unserer Gesellschaft.