„8 von 10 Industrieunternehmen leiden gegenwärtig unter Rekrutierungsproblemen in Technik und Produktion, sowie Forschung und Entwicklung.“ Valentin Drexel und Katharina Rhomberg Foto: walser-image.com

Weekend: Welche Themen beschäftigen die Junge Industrie?
Katharina Rhomberg:
Die inhaltlichen Schwerpunkte, die wir 2018 in den Fokus rücken stehen unter dem Jahresmotto „Arbeit 5.0“. Wie gehen wir in Vorarlberg mit dem Thema Fachkräftemangel und den neuen Arbeitsanforderungen um und wie kann die zukünftige Arbeitswelt aussehen?
Valentin Drexel: Ganz aktuell haben wir einige Mitgliedertreffen, die sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt und digitalen Jobs befassen.

Weekend: Was bedeutet das konkret?
Valentin Drexel:
Das bedeutet, dass zum Beispiel flexible Arbeitszeiten in Zukunft wichtiger werden. Dieses Thema wird entscheidend sein, damit Unternehmen und Beschäftigte in der modernen Wirtschafts- und Arbeitswelt erfolgreich sein können. Aufträge werden immer kurzfristiger erteilt, storniert und abgearbeitet. Um mit der Digitalisierung in der Arbeitswelt Schritt zu halten brauchen wir ein modernes Arbeitszeitrecht. Es geht um praktikable Arbeitszeiten, die wettbewerbsfähiges und damit erfolgreiches Arbeiten für alle ermöglichen. Flexibel arbeiten heißt nicht „mehr“ arbeiten!
Katharina Rhomberg: Der Fachkräftemangel ist in sämtlichen Branchen spürbar und wird zunehmend zur Innovationsbremse für die Vorarlberger Wirtschaft. Wir müssen daher alle Potentiale ausschöpfen. Gerade im technischen Bereich stellt die Rekrutierung eine große Herausforderung dar. Der digitale Wandel verschärft diese Situation und macht deutlich, dass völlig neue Herausforderungen an Qualifikationen und Kompetenzen in der Arbeitswelt auf uns zukommen werden. Arbeitsprozesse werden durch neue Technologien modifiziert, Berufsbilder werden sich verändern und neue Berufe werden entstehen. Wenn wir nicht flexibel reagieren, werden wir große Nachteile haben.

Weekend: Was kann dagegen unternommen werden?
Katharina Rhomberg:
Zur Absicherung des Wirtschaftsstandortes Vorarlbergs braucht es eine optimale Nachwuchssicherung von „innen“ über Bildung, Ausbildung und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber auch von „außen“ über qualifizierte Zuwanderung. Wir müssen auch alles versuchen, damit wir Exil-Vorarlberger wieder zurück nach Vorarlberg holen und Eltern schneller wieder in den Beruf einsteigen können.
Valentin Drexel: Ganz wichtig wird es in Zukunft auch sein, bei Kindern und Jugendlichen das Interesse an den MINT-Fächern – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – stärker zu wecken, um dem Fachkräftemangel in Zukunft entgegenzuwirken.

Weekend: Gibt es konkrete Projekte?
Katharina Rhomberg:
Mit dem Projekt „Technik kinderleicht!“, das von der Jungen Industrie gemeinsam mit dem Technischen Museum Wien ausgearbeitet wurde, wollen wir schon in der Frühpädagogik ansetzen und kindgerecht, spielerisch mit einfachen Mitteln und ohne große Kosten Naturwissenschaften und Technik in den Gruppenalltag bringen. Gespräche in Vorarlberg dazu laufen. 

Drexel Rhomberg
Valentin Drexel und Katharina Rhomberg. Foto: walser-image.com

Zur Person: KATHARINA RHOMBERG

  • Vorsitzende der Jungen Industrie, GF Fries Kunststofftechnik
  • Studium in St. Gallen
  • 7 Jahre Internationale Konzernerfahrung
  • Seit 2016 Geschäftsführung Fries Kunststofftechnik
  • Seit 2017 Vorsitzendeder JI-Vorarlberg

Zur Person: VALENTIN DREXEL

  • Geschäftsführer der Jungen Industrie Vorarlberg
  • Studium Wirtschaftswissenschaften in Innsbruck
  • Studium Wirtschaftsrecht in Innsbruck
  • Seit 2017 Industriellenvereinigung Vorarlberg und JIV-Geschäftsführer